Auf nach Göteburg, Teil 3

Teil 3 der Kurzdokumentation:

Wir sind aus Göteborg geflohen und versuchen unser Glück in einer der vielen Buchten der vorgelagerten Schären. Das ist gar nicht so einfach, da die meisten Buchten für West- oder Nordwestwind gemacht sind. Für uns weht der Wind seit über einer Woche immer extra aus Süd- oder Südwest. Und dazu entweder gar nicht, oder gleich mit 25..35kn + Regen.

Wie dem auch sei, wir haben eine Bucht ausgesucht und fahren gegen den 30..35kn steifen Wind. So richtig wohl ist mir nicht bei diesen Böen das Schiff irgendwo vor Anker zu legen oder gar an einen Stein zu binden. Wobei mir weniger der Wind Sorgen macht, sondern der allgegenwärtige Schwell.


Am Bug zittert schon der originale 20kg CQR Anker, zu dem ich mittlerweile eine ganz besondere Beziehung pflege. Ich erinnere mich gerade an einen Beitrag aus einem Segler Forum, in dem ich nach alternativen Ankern gefragt hatte. Die erste Antwort war: „Wenn man richtig ankert, dann hält auch jeder Anker“, oder im übertragenen Sinne: „Der Nichtschwimmer schiebt es auch auf die Badehose!“ (wenn er ersoffen ist)

Was mein Problem bei dem CQR ist, sieht man in diesem Video ab Minute 2:41 (Das Video sollte an der Stelle starten)

Schlimmer noch: Ich hatte das Problem, daß der Anker augenscheinlich hielt, sich dann aber bei einer kräftigen Böe aus dem Grund geschält hat… Und ich bin der Meinung, daß ich schon verstehe, wie man einen Anker setzt. Immerhin habe ich 8 Jahre lang in der Ägäis, zum Teil bei schwierigen Bedingungen. das Boot immer fest bekommen.

Deshalb geht es dem CQR jetzt an den Kragen! In der Backskiste scharrt schon der neue Rocna 20 mit der Fluke. Vielleicht hab ich den eine Nummer zu groß gekauft, aber so kann Selene im Alter noch etwas auf die Hüfte bekommen 🙂

In der Bucht angekommen, bin ich positiv überrascht. Wenig Welle und ein kleiner felsiger Berg mit vielen Schärenankern liegt genau in Windrichtung. So fahre ich langsam mit dem Bug Richtung Land. Der Tiefenmesser fängt an zu piepen und ich nehme noch mal Gas weg, bis das Schiff im Zeitlupentempo sich leicht mit dem Kiel gegen den Stein legt. Es ist gerade so ausreichend, daß Claudi mit der Leine übersteigen kann. Hinter dem Stein ist es echt schön. Man könnte fast denken, der Wind ist mit – um die 15kn – eingeschlafen. Auf unserem Inselrundgang werden wir aber dann eines anderen belehrt, denn auf der Luv-Seite liegen unvermittelt gute 30..35kn an.

Ich habe gut geschlafen, Claudi weniger und so brechen wir am nächsten Tag Richtung Anholt auf. Anfangs spielt der Wind noch mit, dreht aber bald genau gegenan und Regen .. wiedermal. Meine Laune sinkt auf den Nullpunkt und auf erneutes kreuzen haben wir beide einfach keinen Bock mehr. Also fahren wir unter Maschine Meile um Meile Richtung Anholt. Wir sind beide etwas von den Bedingungen genervt und dadurch will das Anlegen auch nicht so recht klappen. Zu dem ist die Box wiedermal viel zu kurz. Also wuchten wir im strömenden Regen das Boot quer zum Steg.

Am nächsten Tag: Sonne! Ich wusste schon gar nicht mehr wie das überhaupt aussieht. Also schieben wir unsere Abfahrt einfach und spazieren etwas über die Insel. Zum Schluß sind es 22 Kilometer, ich war Baden, wir haben Robben gesehen und wir sind etwas knülle 😉 Anholt ist aber eine wirklich schöne Insel!

Das Ganze gibt es auch in Bild und Ton: Ich denke hier und da sieht man, daß wir etwas Galgenhumor entwickeln.

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