Machs Gut, Karibik … (St. Maarten)

Der Titel sagt: „Machs Gut, Karibik …“, aber vorher ist noch so einiges zu tun.

Als erstes möchte ich mich für die vielen Zuschriften bedanken, in denen es um meine – liebevoll gesagt – Pustel ging. Das Antibiotika hat ganz gut gewirkt und so langsam konnte ich auch ohne Ibus etwas machen. Fast als wäre es ein Witz, machte mein Dinghy wieder mal schlappe Backen. Die defekte Klebung war auch sehr schnell gefunden, für dessen Reparatur ich das kleine Bötchen an Deck geholt habe. Ich mag das Dinghy irgendwie. Es braucht zwar keine große Welle, um ordentlich naß zu werden, aber mit seinen nur 65 kg (incl. Motor und Tank) macht das Teil gute 12 bis 13 kn. Man ist also schon recht beweglich damit.

Mein Ankerplatz war auf den ersten Blick eigentlich ganz in Ordnung, jedoch ging er mir Tag für Tag mehr auf die Nerven. So direkt neben dem Fahrwasser zwischen der Simpson Bay Brücke und der Simpsonbay Causeway Brücke ist es doch schon ganz schön schaukelig. Den ganzen Tag hat man irgendwelche JetSki und Motorboot Ausflugsgruppen, Partyboote, Arbeitsboote und Ausflugsboote um sich. Diese fahren im Fahrwasser sozusagen einen Viertelkreis um Selene und daraus ergeben sich sehr interessante Interferenzen der Wellen, die das Boot hin und wieder ordentlich schaukeln lassen. Ach ja, der Punkt liegt dazu noch recht genau in der Einflugschneise von Budget-Marine und Island-Water-World. Damit brettert jeder aus dem Ankerfeld genau an mir vorbei. Zumindest hatte ich das Gefühl.

Da die Wassertanks von Selene sowieso fast leer waren, ergab sich die praktische Gelegenheit das Umankern gleich noch mit einem Zwischenstopp an der Tankstelle zu verbinden. Mit meinem Rücken wollte ich nicht unbedingt 5 .. 6 Runden mit dem Dinghy drehen, bis die Tanks wieder voll sind. Es ist schon interessant, wie sich die Dinge so ändern, wenn man alleine an Bord ist. So bereitet man das Boot schon vor dem Anker lichten auf das Anlegen vor. Sehr hilfreich ist es, wenn man vorher weiß, wie die Anlegestelle aussieht. Das hatte ich vorab schon per Dinghy ausgekundschaftet. Also Fender raus, Festmacher anschlagen und griffbereit über die Reeling hängen. Dann „Anker Auf“ und langsam zur Tankstelle fahren. So richtig habe ich die Betonnung in der Bucht bis heute nicht verstanden, also erfolgte die Fahrt eher nach Gefühl 😉

Ähm, Wie jetzt?

23 l Diesel, 20 l Benzin, 240 l Wasser und 56 US$ später wartet auch schon ein Motorboot, bis der olle Segler (= ich) endlich Platz macht.

Zurück in der Bucht sind meine Seekarten wieder völlig nutzlos. Die Wassertiefe nach Lot hat nichts mit den „Werten“, die ich in meiner Seekarte finde zu tun. Ich finde jedoch den perfekten Platz und stelle fest, daß ich da gar nicht hinkomme. Bei 1,70 m auf dem Display bleibt Selene sanft unter lautem piepen vom Tiefenmesser stecken.

Damit wäre das Fouling unter dem Kiel jetzt auch entfernt. Da ich nicht sehr schnell war, hatte ich keine Probleme wieder frei zu kommen. Nach einer Weile finde ich einen schönen Ankerplatz auf der anderen Seite des Ankerfeldes.

Hinter mir liegt ein Belgier mit seiner Cyclades 50 ft – ohne Mast. Später finde ich heraus, daß Beneteau in dieser Baureihe eine Sollbruchstelle bei der Verbindung Rumpf – Vorstag eingebaut hat. Selbst jetzt, gut 30 Jahre später, zahlt Beneteau für das Ersatzteil, bzw., Materialfehler. Der Mast hat leider das Bimini in das Deck geschoben, Lümmelbeschlag ist im Eimer, neues Vorstag ist nötig, Reeling defekt und so weiter. Das zahlt Beneteau leider nicht. So kostet der Spaß dem Eigner gute 6000 US$, was immernoch viel günstiger ist, als ein neuer Mast, der hier mit etwa 45000 US$ gehandelt wird. Schon verrückt, denn ich habe diesen Bootstyp hin und wieder zur Charter gesegelt.

Nachdem die letzte Tablette des Antibiotikums verputzt wurde, gehts meinem Rücken wieder erstaunlich gut. Außer das da jetzt so eine Art Exsudat- (Schleim-) Quelle ist, aus der unglaubliche Mengen Eiter läuft. Ich entscheide mich daher das Ganze noch mal einem Arzt zu zeigen. Ich muß sagen, der Doc war schon lustig und hatte sichtlich Spaß bei der Behandlung. Ohne Narkose oder ähnliches, war die Sache in wenigen Minuten erledigt. Er machte noch ein Foto und zeigte mir die Früchte seiner Arbeit. Nun ja – Jetzt ist halt ein ordentliches Loch auf meinem Rücken, weswegen ich gleich noch mal in der Apotheke etwas andere Pflaster und eine Flasche Jod kaufe. Nun heißt es: Wunden lecken …

toll …
Antibiotica „alle“
Schaut besser aus, oder?

Damit fallen fürs nächste leider auch erst mal alle Unterwasserarbeiten aus. Ich war zwar fast fertig damit, aber eben noch nicht ganz. Zumindest sind die neuen Anoden schon mal installiert.

Wasserpumpe: Auf den Kap Verden hatte ich mir ein Paket schicken lassen, in dem ein neuer Schalter für meine gut 20 Jahre alte Jabsco Trinkwasserpumpe war. Leider ist diese Pumpe irgendwann undicht geworden und Ersatzdiaphragmen waren für das alte Gerät nicht aufzutreiben. Glücklicherweise hatte ich seinerzeit für ca. 200 € eine neue Wasserpumpe in Mindelo auf Verdacht gekauft. Diese haben wir (wenn ich mich recht entsinne) auf Dominika eingebaut. Ein knappes Jahr später, war der Mikroschalter wieder defekt und ich habe meinen letzten Ersatzschalter eingebaut. Seit dem hatte die Pumpe leider keine Hysterese mehr. Wenn man also den Wasserhahn aufgedreht hat, hat die Pumpe sehr schnell ein- und ausgeschaltet. Und das trotz Druckausgleichgefäß und korrekter Montage des Schalters. Ich vermute, der Schalter ist nicht ganz der Richtige für diesen Einsatzzweck und wird sicher nicht sehr lange halten.

So fahre ich zu Island-Water-World, um irgend eine passende Pumpe zu finden. Die Auswahl ist gewaltig! Mir schwebt jedoch ein bestimmtes Modell vor und der Mitarbeiter hatte ein paar Wochen zuvor nur noch eine 24 V Version vorrätig. Gemeint ist eine neue Generation von Pumpen, welche den Druck elektronisch gesteuert über die Drehzahl regeln. Diesmal war so ein Gerät vorrätig, sogar für 12 V! Der nette Verkäufer erzählte mir zwar von einer Regel, nach der viele Segler leben – KIS (keep it simple) – aber wer mich kennt, der weiß, daß ich mich nicht davon abschrecken lasse. Noch im Laden haben wir das edle Gerät ausgepackt und von allen Seiten bestaunt. Beim Bezahlen habe ich etwas gestutzt, denn der Preis war mit über 400 US$ um einiges höher, als ich es vom Preisschild in Erinnerung hatte. Zu dem Zeitpunkt, dachte ich jedoch, daß der Preis dort in St. Maarten Gulden stand und es wohl so in Ordnung geht. Abends auf Selene, stellte ich jedoch fest, ich hatte ausversehen die 24 V Version gegriffen – toll. Also bin am nächsten Tag noch  mal hin und habe die Pumpe umgetauscht.

Die Kundenbewertungen der Jabsco V-Flo 5.0 im Netz lesen sich wie die Bewertungen einiger Parteien. Es gibt nur Gut oder Schlecht und nichts dazwischen. Nachdem ich mich etwas tiefer eingelesen habe, stelle ich jedoch fest, daß viele der negativen Bewertungen möglicherweise aus einem Montagefehler stammen. Die meisten Leute scheinen von einer klassischen Pumpe mit Druckgefäß auf die elektronisch geregelte umgebaut zu haben. Es steht nicht im Handbuch, aber im Internet, in sehr tief vergrabenen Forenbeiträgen habe ich gelesen, daß man unbedingt ein vorhandenes Druckausgleichgefäß ausbauen muß.

Mit dieser Info ging es also an den Einbau. Leider war das Halteblech der alten Pumpe zu schmal. Da hat sich wieder mal meine Ossi-Mentalität bewährt: Nix weg werfen – man könnte es ja noch mal brauchen. Gefunden habe ich meine alten Halterungen, als ich die Solarpanele noch an der Reeling hatte. Nach einer halben Stunden hatte ich daraus zwei Adapterschienen gebaut und konnte die Pumpe festschrauben. Sehr praktisch an dieser Lösung ist, daß man für einen möglichen Rückbau auf die alte Pumpe nur ein Schraubendreher benötigt.

Die in diesen Tagen hatte ich auch mal lange mit Mandy, meiner Schwester, telefoniert. Sie hatte mein Video gesehen und die Endsequenz laufen lassen 😉  Danach hatte ich ein paar Sequenzen von meinem kleinen „Vulkan“ am Rücken eingefügt. Da Sie in der Medizin arbeitet, haben wir erst darüber und dann über Gott und die Welt geplaudert – bestimmt 2 Stunden lang. Danach musste ich Schluß machen, denn dann war schon Seppel dran. Auch das Telefonat ging noch mal gut 2 Stunden 😉 Viel möchte ich über den Inhalt des Gespräches nicht schreiben, aber Seppel – als gelernter Koch (das ist wohl noch etwas untertrieben) hat sich natürlich sehr für meine stümperhaften Koch- und Backversuche interessiert. So kamen wir auch auf das Thema Quarkkeulchen ohne Quark. Was für eine Überleitung! Aber Quark hat man nur selten auf See. Yogurt ist viel einfacher! Mit ein paar Jogurtkulturen kann man so etwas aus Normaler-, Trockenpulver-, Kokos- oder Soja-Milch machen. Also wurde die Idee Jogurt-Keulchen geboren 😉

Gleich am nächsten Tage habe ich also etwa ein Kilogramm Kartoffeln gekocht und Stampf daraus gemacht. Nach dem Abkühlen kam etwa 500g natürlicher Jogurt, ein Ei, Zucker und Salz dazu. Weitere Gewürzexperimente habe ich mir an diesem Punkt für spätere Mischungen aufgehoben. Erst mal schauen, ob das überhaupt was wird. Am nächsten Tag wollte ich das Ganze dann irgendwie schneid- und bratbar machen. Das war schon eine Herausforderung. Ich weiß gar nicht, wie viel Weißmehl ich unterrühren musste, damit es sich nicht mehr wie Kleister angefühlt hat. Zum Schluß konnte ich aber das Experiment „Jogurtkeulchen“ als Erfolg verbuchen. Der Berg war nach 3 Tagen weg gefuttert – zwischendrinn war ja Mittwoch, was Wiener Schnitzel im „The Pub“ bedeuted.

scharfe Messer sind wichtig!

So plätschern die Tage dahin. Nach dem Blogbeitrag/Video ist vor dem Blogbeitrag/Video. Eigentlich immer, wenn ich Lust/Zeit dazu habe, mache ich etwas für den Blog. Irgendwie finde ich es fast schon etwas schade, denn ich habe mir immer noch nicht St. Maarten angeschaut. Ich weiß auch nicht warum, ich habe einfach keine Lust dazu. Vielleicht bin ich der Karibik langsam überdrüssig, vielleicht lässt St. Maarten bei mir kein Karibik-Gefühl aufkommen, vielleicht finde ich die Vorbereitung auf den Törn nach Osten wichtiger, vielleicht hänge ich immer noch zu sehr gedanklich in der Vergangenheit und dem was passiert ist – ich kann es nicht sagen. Dazu kommt, daß es hier anscheined wirklich keine Segler-Gemeinschaft gibt. Man trifft sich und redet, aber ich würde hier niemanden als „Freund“ bezeichnen. Die einzige Person, auf die so etwas entfernt zutreffen könnte wäre vielleicht Kevin von der Gi-Gi (der mir damals das Wasser gegeben hat). Wobei es in seinen Gesprächen vor allem um Marta geht, die ständig etwas von ihm will. Meist sind das Fahrten mit dem Dinghy von A nach B. Er meinte letztens, daß Sie wohl immer irgendwo am Strand – also draußen – schlafen würde. Ich meine, ich hatte Ihr Asyl angeboten, aber auch gesagt, daß ich nicht Ihr Taxifahrer bin und die nächste Zeit nicht mehr bis spät in die Nacht unterwegs sein werde. Sie mein Angebot abgelehnt – auch Gut. Kevin meinte nur, daß sie (frei übersetzt) „gebaute Brücken mit ihrem Verhalten zerstört“. Ich kann nachvollziehen, was er damit meint. Neben meinem Steckschot hatte sie zum Beispiel auch geschafft 2 Haken im Badezimmer von Selene abzubrechen. Außer einem „Ups“ habe ich nix dafür bekommen. Naja – es sind ja nur ein paar unwichtige Haken für Handtücher … etwas geärgert hat es mich trotzdem.

Neue Haken aus Messing 😉

Für mich ist der „Deal“ jedenfalls vorbei. Wir hatten ausgemacht, daß ich Sie nach St. Maarten fahre und das wars. Ich habe keine Ahnung wo Sie jetzt ist, wo Sie schläft und was Sie tut. Ich hoffe nur, ich bekomme keine Probleme beim Ausklarieren. Für mich ist klar: Ich nehme so schnell keinen Tramper mehr an Bord.

Soviel zu meiner Gedankenwelt über die Karibik. Ich glaube ich könnte damit noch lange weiter machen und unendlich viel darüber schreiben. Ich muß zugeben – Die erste Zeit war ich immer mit Claudi unterwegs, dann kam Uta und später Marcus an Bord. Ich war also nie wirklich allein. Wenn man mal von dem Blog, den Videos und Telefonaten mit der Heimat absieht, bin ich seit über 6 Monaten immer allein. Vermutlich wird jeder, der diesen Blog schon länger verfolgt bemerkt haben, daß sich der Stil geändert hat. Ich mache das nicht mit Absicht, aber aus meinem Blickwinkel, sehe ich viele Dinge mittlerweile recht kritisch und achte auf viele kleine Details. Diese vielen, vielen kleinen Schicksale, die man so aufsaugt, die geplatzen Träume, die Probleme der Menschen, die für den Europäer im „Paradis“ leben. Corona hin oder her – hier sind die Menschen von den Beschlüssen der Regierung deutlich mehr beeinflußt, als in Europa. Hier gibt es auch keine Diskussion. Wenn morgen Lockdown ist, dann ist es so. Dann gibt es auch keine Diskussion mit der Polizei, sondern mal zahlt 25000 EC Strafe und geht 6 Monate in den Bau. Wahrscheinlich nutzen deshalb auch viele die „freie Zeit“, so gut es geht. Es kann einen Tag später wieder völlig anders sein – und das ohne große Debatte,  Diskussion, oder Mitspracherecht.

Vor der Reise war ich der Meinung, jemand zu sein, der gut mit sich selbst auskommt, aber jetzt muß ich zugeben, daß es manchmal wirklich schwierig ist. Wenn man jeden Abend so allein im Cockpit sitzt, hat man sehr viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel denke ich sehr oft darüber nach, wie die Zeit nach Carriacou verlaufen wäre, wenn wir die Reise zu zweit fortgesetzt hätten. Das wird von den Gedanken gefolgt, daß ich an dem Punkt der Reise sitzen gelassen wurde, der am weitesten von zu Hause entfernt ist. Schon fast philosophisch… Die ganze Reise hat so viel Energie, Zeit und Geld gekostet und ich wollte unbedingt vermeiden, daß man sich die Erfahrung gegenseitig kaputt macht. Nun ja .. ich sage mal so: Für mich ist genau das passiert. Vieleicht habe ich auch desalb Schwierigkeiten St. Maarten richtig zu genießen. Im Moment gibt es für mich mittlerweile eigentlich nur ein Ziel: Der Törn zurück nach Deutschland.

Ich habe sehr viele Anfragen aus der Heimat bekommen, die darum gingen das Boot nach Hause zu bringen. Auch wenn ich nicht auf jede geantwortet habe: Vielen Dank dafür. Nur ist die Route über den Nordatlantik nicht unbedingt eine Sache, welche ich mit jemanden angehen möchte, mit dem ich noch nie gesegelt bin. Ich bitte also darum, mir meine nicht gesendete Antwort krumm zu nehmen. So richtig weiß ich selbst nicht, wie ich das angehen werde. Jedenfalls ist das zu dem Zeitpunkt so, in dem ich diese Zeilen schreibe (24.04.2021).

Umso mehr war ich froh, als ich vor ein paar Wochen eine Nachricht von Max bekam. Es war 2010 oder 2011, als ich nach Leuten für ein Charter im mz-forum.com gesucht habe. Das Forum ist für mich mein Baby, in das ich 2007 als der IT-Heini eingestiegen bin. Damals gab es etwa 500 Nutzer und nun sind es über 20000 (und 5 Server später)! Der Vater von Max besitzt eine Pali 42 ft, auf der wir 2012 3 Wochen unterwegs waren.

Danach hatte ich ein paar Jahre in der Ostsee und Ägaeis geschartert und Max war hin und wieder mal dabei. Wenn es haarig wird, dann waren wir immer auf einer Wellenlänge – das ging ohne Worte.  In der Nachicht von Max stand, daß er versuchen möchte ein paar Wochen frei zu bekommen, um mit mir das Boot zu den Azoren zu segeln. Natürlich kommt durch Covid noch mehr dazu. Wir sind bestimmt schon über tausend Meilen zusammen gesegelt, aber er fing sofort an, sich auch um den ganzen Papierkram und die Flüge zu kümmern – toll! Das ist im übrigen auch ein Grund, warum ich mich gegen Covid impfen lassen habe. Wenn es die Chance besteht, daß es weniger Probleme beim Immigration Office gibt, dann mache ich das. Der Sachse labert nicht – er macht es einfach. Zu dem ist es ja im Moment so, daß ich in Deutschland mit meinen zarten 41 Jahren gar nicht über eine Immunisierung nachdenken brauche. Ich habe viele Kommentare über die Sinnlosigkeit der Impfung gelesen – Ich mache das aber auch aus einem anderern Grund. Ich werde meine Eltern wieder treffen und selbst wenn das nur zu 20 % schützen sollte, dann mache ich das. Mein Vater ist 87 Jahre alt und ich möchte ihn nicht anstecken, weil ich die Impfung abgelehnt habe, als ich sie bekommen hätte können.

29.04.2021: Natürlich habe ich Muttis Geburtstag nicht vergessen 😉

Es ist immer etwas schwierig mit den Telefonaten, denn per WhatsApp liegt die Zeitverzögerung zum Teil bei mehreren Sekunden …

Die letzten Tage auf St. Maarten werden auch immer voller. So erreicht mich eine Mail von Anni, die aus Deutschland nach St. Maarten geflogen ist. Sie hatte mich über meine Videos auf YouTube gefunden und meinte, daß mein Tipp mit dem Crewvertrag sehr hilfreich war. Die Behörden wollen so etwas sehen, wenn man nur ein One-Way Ticket hat. Weiterhin hat Sie mich gefragt, ob ich Sie und/oder Ihr Gepäck mal für einen Tag aufnehmen kann. Ihr Freund wäre per Segelboot von Barbados nach St. Maarten unterwegs und hatte für gut 2 Tage kaum Wind. Damit verlängerte sich seine Reise um gut 2 Tage, auf 5 Tage. Leider sind auf St. Maarten sind die Preise hoch, auch für Appartements..

So sitzen wir am 30.05. morgens im Yachclub beim Kaffee und Sie zeigt mir den Track ihres Freundes. Ich schaue mir das so an und sage: „Der müsste in 45 min da sein!“. Nach 2 Kaffee fahren wir auf Verdacht in die Bucht und tatsächlich – Er ist gerade dabei zu Ankern! Was für ein Zufall. Natürlich ist die Freude groß!

Ich lade Anni auf dem Schiff ab und wir machen ein Zeit aus, wenn Sie ihre Sachen abholen möchte. Die hatten wir vorher im Auto zwischengelagert.

Das passt mir alles sehr gut, wenn am nächsten Tag, 1. Mai 2021 sitze ich im Auto und fahre zum Flughafen.

Da ich etwas zu früh drann bin, gehe ich eine Runde ums Gebäude. Eigentlich ist nur ein winziger Teil in Benutzung. Der Rest weist immer noch die Schäden von Hurrican Irma auf.

Schon Wahnsinn, die Scheiben sind durch den Winddruck gebrochen. Ich unterhalte mich eine ganze Weile mit einem Taxifahrer, der auf Kundschaft wartet und höre viele Geschichten, wie es vor und nach Irma war. Der Hurrican war am 6. September 2017 über St. Maarten gefegt. Die Spitzenwindgeschwindigkeit lag bei 295 km/h.

Aber dann war es soweit! Max kam aus dem Flughafengebäude:

Der Abend in der Bar war nicht sehr lang für ihn. Nach 30 Stunden auf den Beinen, 20 Stunden Maske tragen und Jetlag, war bei Max recht schnell die „Luft“ raus. Völlig verständlich. Aber es waren ja noch ein paar bekannte Gesichter übrig. Sogar aus der Heimat (Bautzen), wie Johannes und Anja.

Am nächsten Tag nutzen wir die Beweglichkeit des kleinen Mietautos, um mal etwas über die Insel zu fahren. So ging es erst mal nach Phillipsburg, wo Max, sein Vater und die Catanoa damals lagen.

Die Stadt ist wie ausgestorben, es liegen fast keine Boote in der Bucht und die Kreuzfahrschiffe liegen wie eine Mahnwache am Pier.

Zwei weitere fahren vor St. Maarten seit Wochen auf und ab. Wären diese 4 Schiffe auf dem Bild voller Gäste, könnte man am Strand wahrscheinlich nicht mehr laufen. Selbst an die Aussichtsplätzen stehen maximal 2 oder 3 Fahrzeuge. Johannes meinte am Vortag, daß es „so“ eigentlich schön ist. Er hätte in den Jahren, die er nach St. Maarten kommt noch nie so eine Situation gehabt. Entspanntes Inselleben, keine Kreuzfahrschiffe, keine Chartergäste und keine Pauschaltouristen – Verrückt.

Wir sind dann noch zur französischen Seite gefahren, die sich meiner Meinung nach schon sehr von der niederländischen Seite unterscheidet. Im Video sage ich: „Es erinnert mich etwas an Polen“, was bitte nicht zu ernst zu nehmen ist. Es gibt Landstriche, die schon recht „heruntergekommen“ sind. Man findet lange Straßenzüge, die nur Blechbaracken bestehen. Dazwischen liegt Müll – viel Müll! Dann fährt man ein Stück weiter und es sieht aus, als wäre Irma erst vor einer Woche gewesen. Zerstörte Marinas und Wracks, wo man hinschaut. Dann landet man auf ein mal in so einer Art „Edelresourt“, aus dem man ohne PKW auch nicht wirklich weg kommt. Privatmarina, Privatstrand mit Schirmchen und Sektkühler, gepflegte Lounge mit passender Musik und passenden Menschen. Mir kommt spontan das Wort „Schickimicki“ in den Sinn. Die Preise sind natürlich auch passend zum Ambiente und z.B. einen Salat gibt es ab 30 €. Ein paar Kilometer weiter fährt man an einem idyllischen Strand an der Küste entlang, jedoch hat das Paradis ein jähes Ende, denn man steht auf einmal vor eine rauchenden Müllhalde, auf der schweres Gerät Platz für mehr Müll schafft.

Nun denn, soviel dazu. Eigentlich wollte ich den Beitrag noch etwas mehr ausführen, aber die Vorbereitungen für den Schlag zu den Azoren sind wichtiger. So sitze ich in jeder Minute, die ich Zeit habe am Laptop und tippe Zeile für Zeile. Nebenbei musste noch das Video geschnitten, gerechnet und hochgeladen werden. Ich wollte Max hier noch gern erwähnen – also konnte ich die Zeilen erst nach dem 1.5.2021 schreiben. Meiner Meinung nach ist das alles etwas hoplriger geworden, als sonst – Ich konnte mir einfach nicht die Zeit nehmen, die ich mir sonst für die Beiträge nehme.

Selene ist soweit klar, Proviant ist gebunkert. Jetzt muß ich gleich den Mietwaren wieder abgeben. Dann müssen wir noch Ausklarieren, Dinghy einpacken und Wasser tanken. Der Beitrag muß auch noch geschaltet werden. Vermutlich werden wir am 6.5. den Anker lichten und dann wird erst mal für die nächsten 21 .. 25 Tage Funkstille sein. Die Windvorhersage schaut sehr gut aus, allerdings werden wir wohl recht weit nach Westen fahren müssen, bevor wir in die Westwindzone kommen.

Wir werden sehen…

So long,

Martin

PS: Ich werde auf jeden Fall versuchen den Schlag zu den Azoren möglicht detailliert in Video und Text zu dokumentieren – auch wenn das Video dann länger als ein Spielfilm wird 🙂

14 Antworten auf „Machs Gut, Karibik … (St. Maarten)“

  1. Hei, ihr scheint ja auf den Azoren angekommen zu sein 🙂 hoffentlich war es für dich/euch das Erlebnis, dass Du erwartet hattest. Ich bin gespannt auf Blog/Video.
    Viel Spaß weiterhin!

  2. Eine unfallfreie und schöne Überfahrt auf die Azoren, wünschen dir lieber Martin und unbekannter Weise deinem Freund Max, deine Freunde Johannes und Rosemarie. Vor allem wünschen wir dir gute Genesung. Du hast wie immer, alles richtig gemacht.
    Gute Fahrt ihr Beiden !

  3. Lieber Martin, ich freue mich so, dass Max mit Dir die Überfahrt bis zu den Azoren macht. Ich wünsche Euch eine gute Zeit und vor allem immer gutes Wetter.
    Herzliche Grüße
    Katrin

  4. Hallo Martin,
    nun ist´s soweit, die erste Etappe auf Heimatkurs! Alles hat eben seine Zeit. Das Zitat „Wer all die Häfen dieser Welt angesegelt hat und nicht meint, der Heimathafen sei doch der schönste, der ist ein verlorener Mensch. (Karl Talnop)“ beschreibt Deinen Aufbruch aus der Karibik, die von manchen als „das Paradies“ bezeichnet wird, ziemlich gut. Ich wünsche Dir und Max „fair wind and a following sea“ für den großen Schlag und begleite euch mit allen meinen guten Gedanken.
    Ahoi Uta

  5. Moin Martin, moin Max,

    ich wünsche Euch eine wundervolle Überfahrt, immer etwas Wind in den Segeln und eine Hand breit Wasser unterm Kiel!

    Uwe

  6. Ich wünsche euch eine wunderschöne Überfahrt und immer einen ordentlichen Wind!
    Ich bin schon auf das nächste Video gespannt!

  7. Hallo Martin,
    vielen Dank für diesen …wieder einmal … schönen Beitrag.
    Viel Spass in euer segelnden Männer – WG 🙂 und gute Überfahrt.
    Ich sitze momentan im Homeoffice, draußen sind es 8 Grad und Sturmböen.
    Herzliche Grüße aus dem coolen Norden.
    Sabine

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