Grenada, die Reise geht weiter

Ich möchte diesen Beitrag mit einer kleinen fast schon philosophischen Beobachtung starten, die ich in Carriacou gemacht habe:

Ich denke mal jeder kennt das kleine Bitterorangenbäumchen. Wir haben das Teil die ganze Strecke an Bord gehabt und die zwei giftgrünen Orangen, die so schön nebeneinander an einem kleinen Ästchen hingen haben sich zu zwei knallgelben, prall gefüllten Früchten entwickelt. Das Bäumchen hatte auf dem Atlantik fast alle Blätter verloren, ist fast ausgetrocknet, aber an den 2 Früchten hat es immer festgehalten.

Kurz bevor Claudi mit ihren Zweifeln über unsere gemeinsame Reise, unsere Zukunft und so weiter angefangen hat, wurde eines der kleinen Früchte faulig. Kurz danach das andere.

Nun ist der Ast abgestorben. Nun wird es völlig verrückt, denn kurz danach trieben an einem anderen Ast, der sich in zwei weitere kleinere aufspaltet zwei neue Blüten. An deren Ort wachsen nun kleine Minni-Bitterorgangen. Diesmal haben die beiden aber deutlich mehr Abstand zueinander.

Wer findet sie?

Um das auf meine .. unsere .. Situation zu reflektieren: Obwohl Claudi mich im wahrsten Sinne des Wortes sitzen gelassen hat, stehen wir immer noch in Kontakt, beschimpfen uns nicht und tragen definitiv keinen Rosenkrieg aus.

Aber es gibt halt ein paar Dinge zu klären, die wir nur gemeinsam lösen können. Ich denke mal wir sind alt genug, das zivilisiert zu tun.

In diesem Beitrag wird es nur peripher um Grenada gehen. Aber ich finde das gehört nun mal zu meiner Reise dazu, und soll einen Einblick in die Gedanken geben, die mich umtreiben. Da der Name „Claudi“ öfter auftaucht, habe ich Ihr den Beitrag vorher zum Durchlesen gezeigt.

Dann mal los:


Es ist Sonntag der 4. Oktober und wir sind im „Crazy Beach Corner“. Eine Bar, die von einer Österreicherin betrieben wird. Lecker Essen und schönes Ambiente. Leider macht die Bar gegen 21 Uhr zu. Also haben wir uns gedacht: „Gehen wir zu DJ“.

DJ hat eine sehr ausladende Bar. Naja – die Bar ist nett, aber davor steht ein gut 2 Meter hoher Maschendrahtzaun, der etwas an die Grenze zwischen Ost und West vor der Wende 89 erinnert. Dazu kommt, daß DJ sehr unangenehm wird, wenn er zu viel intus, oder zu viel Ganja konsumiert hat. Dann rennt er auch mal brüllend durch die Bar, macht Leute an, schaltet Licht und Musik aus. So war es ein oder zwei Woche(n) vorher. Da waren die Tatgeneinnahmen weg. Man, hat der ein Theater gemacht, nur um am nächsten Tag herauszufinden, daß er die Einnahmen selbst herausgenommen und „versteckt“ hat.

Ich und Claudi sitzen also in der Bar, die einen fantastischen Blick auf den Ankerlicht-Himmel der Bucht hergibt, als Claudi auf einmal anfängt alles anzuzweifeln. Uns, das Boot, die Reise, die Vergangenheit und die Zukunft. Sie könne sich nicht vorstellen jemals wieder nach Deutschland zu gehen. Sie hätte da keine Heimat, weder wo sie aufgewachsen ist, noch wo ich lebe, noch in Dresden. Nie wieder einen „9-5“ Job.

Bei mir ist es eher anders herum. Je länger ich in der Karibik bin, desto mehr merke ich, daß ich hier nie heimisch werden könnte. Diese alles Easy-Mentalität, diese Arbeitseinstellung, diese dahinleben von Tag zu Tag, dieses Frauenbild der Männer, dieses ständige Gebettel Weißen gegenüber … ich würde damit nicht klar kommen.

Auf der anderen Seite habe ich in Deutschland ein Haus, was über 300 Jahre alt ist, was 2 Kriege überstanden hat, was Generationen geformt, modernisiert und umgebaut haben.  Ich sage mal so: Ich bin schon stark verwurzelt mit meiner „Scholle“ und alles, was in dem Haus sehe, erzählt mit eine Geschichte. Ob sie nun schön, oder traurig ist, aber das ist Erinnerung. Ich möchte diese Tradition fortführen, damit der nächste vielleicht / hoffentlich genau so eine Verbundenheit dazu entwickeln kann und die Bude nicht einfach abreist und irgend etwas ohne Seele, ohne Geschichte an die selbe Stelle baut.

Meine Eltern sind mir auch enorm wichtig, und ich möchte, so Gott will, Ihnen auch die letzte Ehre erweisen. Wenn ich hier in der Karibik für immer bleiben würde, würde ich ein sehr wichtiges Stück meines Wesens verlieren. Und das möchte ich nicht, keinesfalls!

Etwas perplex sind wir dann zurück an Bord, gefolgt von einem langen Gespräch mit vielen vielen Fragen meinerseits .. und dann sehr langes Schweigen. Sehr lang … vom Gefühl her 2 Stunden oder so…
Wir sind dann zu dem Konsens gekommen, daß Claudi mal für eine Weile von Bord gehen sollte um in Ruhe nachzudenken, was Sie dann auch getan hat.

Am 12 Oktober war dann Selene dran. Pünktlich um 9 Uhr sollte Sie aus dem Wasser. Letztendlich wurde es 10:30 Uhr. Karibische Unpünktlichkeit. Die Leute von der Tyrell Bay Marina arbeiteten professionell und überlegt. Selene sah in dem 150t Kran aus, wie ein Dinghy, was man ein paar Davids aus dem Wasser zieht.

Dann kamen 2 Jungs mit den Hochdruckreiniger und haben losgelegt. Einer ist aus versehen auf den Wasserpass gekommen und hat ein großes Stück einfach weg gestrahlt. Er schaut mich bedeppert an und ich sage ihm nur, daß er ruhig die ganze Farbe runter holen soll.

Selene ist wohl schwerer geworden und der Wasserpass war dauerhaft unter Wasser. Das verträgt der Lack aber nicht und außerdem ist er schon über 12 Jahre drauf. Selbst der Hersteller der Farbe schreibt im Datenblatt, daß der Lack etwa 10..14 Jahre bei diesem Einsatz halten soll. Als Selene so halbwegs sauber ist, setzt sich der Kran unter höllischem Lärm in Bewegung und raste mit gut 2km/h in Richtung Stellplatz.
Ein paar Stützen drunter, die mittlerweile 5. Unterschrift (1x für den Vertrag, 1x ob die Schlaufen richtig hängen, 1x das beim Kranen keine Schäden entstanden sind, 1x das beim Hochdruckreinigen nichts kaputt gegangen ist und 1x für die Postion der Böcke)

und dann wurde es ruhig.

Da stand Sie nun, nach gut 1,5 Jahren und 7000 Meilen, hatte das Salzwasser schon ganz schön an den Anoden genagt und das Antifouling zerstört.

Als erstes war der Wasserpass dran. Der 2k Lack braucht gute 7 bis 10 Tage zum durchtrocknen. Claudi hat mir sehr bei den Arbeiten geholfen. Nach knapp 5 Tagen wurde dann die letzte Schicht des Royal-Blau Lackes aufgetragen und schon sah Selene wieder ganz anders aus. Nicht mehr ganz so abgeranzt und zerpflückt. Ich hatte mich in der Zeit vor allem um das Unterwasserschiff gekümmert. Darüber braucht man nicht viel zu schreiben. Schleifen, schleifen und noch mal schleifen. Vielleicht immer mal etwas „Barrier Coat“ (das ist eine 2k Farbe, die das GFK vor Wasser und Osmose schützen soll) aufpinseln, und dann wieder schleifen.

Aber dann war es so weit! Antifouling pinseln .. err .. Rollen. Ich hatte damit angefangen, den Kiel zu rollen, aber Claudi hat dann das ganze Boot 2 mal „gerollert“ und ich habe mich um die ganzen Ecken und Kanten mit dem Pinsel gekümmert.

Eigentlich wollte ich drei Schichten, nur sind aus meiner Bestellung von 6 Litern irgendwo 6 Dosen je 0,7 Liter geworden. Die magische Zahl 6… Den es hat auch 6 Wochen gedauert, bis das VC17m Extra da war. Also war mit Nachbestellen leider nichts. Wenn Claudi nicht da war, habe ich die Fummel-Arbeiten gemacht. Den Faltpropeller hatte ich direkt nach dem Kranen in einen Lappen gewickelt, eine Mülltüte drüber gestülpt und dann ordentlich Essig rein gekippt.

Nach ein paar Tagen ließ sich das Fouling ganz einfach abwischen.

Allerdings ließ sich der Propeller nicht mehr so richtig schön fluffig öffnen. Also habe ich das Teil zerlegt und alles blitzeblank geputzt.

Als nächstes waren die Opferanoden dran. Leider gibt es genau die ich benötige nicht und ich musste ein paar andere umarbeiten. Weiter ging es mit dem Putzen der Logge, die schon seit einer Woche in einem Glas Essig lag. Das meine ich mit Fummel-Arbeiten. Man braucht ewig und sieht (fast) kein Resultat. Leider kam Claudi zum Ende hin immer seltener vorbei, und so habe ich das Schiff 2 mal poliert – per Hand! Eigentlich hatte mir Esteban versprochen das für mich zu machen, weil ich seine Gitarre 2 mal repariert hatte. Leider hat er das Versprechen nicht eingelöst. Karibische Unzuverlässigkeit…

Selene sah nun toll aus! Das fast 40 Jahre alte Gelcoat glänzte wie eine Spreckschwarte und wurde vom tiefblauen Wasserpass abgegrenzt.

Alle Schiffe, die in der Marina herumstanden hatten entweder einen blauen, schwarzen, grünen oder grauen Unterwasseranstrich. Aber nicht Selene. Mit ihrem goldenen (naja kupferfarbenen) Anstrich sah Sie aus wie eine Blume zwischen den ganzen langweiligen Grashalmen auf einer Wiese. Toll!

Ich mache noch einen Rundgang ums Schiff und wackel an der Antriebswelle. Oha? Seit wann ist denn da Spiel? Ich hatte das doch bestimmt 20 mal kontrolliert, aber immer nur seitlich gewackelt und nie hoch und runter. Ich hatte beim Motoren schon immer mal gemerkt, daß es bei bestimmten Drehzahlen so eigenartig vibriert, aber den Grund nie gefunden. Also ein neues Wellenlager muß her und das ich habe in der Budget Marine schnell gefunden. Allerdings … der Preis … Doppel-Uff. In Deutschland kostet das Teil 38 €, in St. Maarten schon 106 US$ und auf Carriacou? 625 EC! Das sind 231 US$ oder gute 200 €!. Zähneknirschend kaufe ich das Ding und denke mir: „Karibische Abzocke“. Aber ich brauche das Lager nun mal. Quasi eine No-Win Situation. Das neue Lager passt und ist auch recht schnell eingebaut, obwohl dazu die ganze Welle dazu ausgebaut werden mußte.

Nun ist die Kleine aber fertig und ich mache einen Termin zum Einkranen. Leider geht das erst in 3 Tagen, weil schon wieder irgend ein Feiertag ist.

Dienstag 27. Oktober ist es dann soweit.

Die letzten 2 Wochen waren für mich grausam. 2 Wochen mit tausenden Mücken, Lärm, Staub und der Situation. Das Einzige, was mich aufrecht erhalten hat, waren die Arbeiten an Selene. Und das Claudi mitgeholfen hat. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, daß es sich wieder einrenken wird. So, wie wir miteinander umgegangen sind .. ich weiß nicht … ich hatte das Gefühl, daß wir beide versuchen diese Krise zu bewältigen.

Eigentlich hatten wir ausgemacht zusammen nach Grenada zu segeln und wieder viel mehr zusammen zu unternehmen.

Einkranen:
Ich hatte zwar den Wecker gestellt, aber der war aus versehen auf Lautlos. Also hab ich völlig verpennt. Irgendwann gegen 8 stolpert Claudi aufs Schiff und sagt nur: „Ich mach Dir mal nen Kaffee“. Eigentlich war der Terminkalender der Werft voll und Selene war als Lückenfüller geplant. Nur ist es, typisch Karibik, immer anders. 2 Boote hatten den Krantermin abgesagt und die anderen waren noch nicht „ready“.

Ich hatte Selene am Vortag schon gut klar gemacht. Die Gerüste standen noch da, ein paar unwichtige Dinge lagen noch unter dem Schiff und das Kabel vom Generator hing noch an einer Stütze. 5 Minuten und es kann losgehen. Der Kran rollte schon aufs Schiff zu, als ich (Dank dem Kaffee) langsam in Farbe sehen konnte. Steve, er ist da irgend eine Art Manager (?), läuft immer in Shorts und Krempenhut, wie John Wayne herum, kam gleich auf mich zu und fragte, ob ich denn schon bezahlt hätte. Ähm Nein? Wie auch. Sonntag ist zu und Montag war Feiertag. Mir war das in dem Moment auch völlig egal, denn ich wollte sehen, wie Selene gehoben wird. Mit dem glatten Teflon-Antifouling rutschen die Gurte gern.

Ich muß zugeben: Über die Thyrell Bay Marina hört man grausige Geschichten. Was ich erlebt habe: Die Jungs arbeiten professionell. Das Schiff schwebte und wurde langsam Richtung Dock gefahren. Also bin ich zum Büro und hab den Zahle-Martin gemacht. 565 US$ für 2 Wochen, wie etwa erwartet. In Deutschland zahle ich ca. 1000 € für 6 Monate und das Schiff steht in einer Halle, aber für die Karibik ist das recht günstig.

Die Jungs dösten schon vor dem Dock und der Kran stand still. Ohne „Launch Pass“ geht kein Schiff ins Wasser! Also den Zettel gezeigt und schon startete der (sehr laute) Motor des 150t Krans, in dem Selene hing.

Zack ins Wasser, kein Wassereinbruch, nix vergessen.

Also Maschine an und … ähm kein Wasser aus dem Auspuff? Der Impeller war in Ordnung und das Seeventil war auf. Was zum Geier ist da los? Ich habe dann einen Eimer Wasser in den Seegrasfilter gekippt und die Pumpe ging wieder. Trotzdem hatte ich den Impeller auf meine Gedächtnis 2do Liste gesetzt. Vor allem, weil ich das Teil nicht heraus bekommen hatte, da er festgekeimt war und ich ihn bei meinen Versuchen vermutlich beschädigt habe.

Claudi hat dann ein Bilderbuch Ablege-, Wende- und Ankermanöver hingelegt. Ich hatte mich schon unheimlich darauf gefreut mit Ihr Grenada ohne Guide auf eigene Achse zu entdecken .. nun ja … Leider wurde es für mich nun echt schwer.

Sie will in Carriacou bleiben. Ein neues Leben aufbauen. Unser Traum, unsere Reise, unsere Vergangenheit, unsere Zukunft … Das zählt nichts mehr. Es folgten viele Argumente, Emotionen und langes Schweigen. Ich sagte dann zum Schluß, daß ich Carriacou verlassen muß. Dieses Dilemma, dieses Hin und Her, seit 3 Wochen. Es macht mich kaputt! Sie bat mich um einen Tag Bedenkzeit.
Den habe ich gewartet, auch weil ich mich noch um den Impeller kümmern wollte. Und tatsächlich. Ich hatte bei meinen Versuchen das Ding heraus zu bekommen eine Lippe eingerissen. Ich konnte mich kaum auf die Arbeit konzentrieren, obwohl mich gerade diese von den vielen Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, ablenken sollte.

Mittwoch. 28. Oktober:
Uff, ein weiterer harter Tag. Ich bin zwar gegen 21 Uhr ins Bett, aber 23 Uhr weckte mich der erste Squall. Um 2 Uhr der nächste. Um 4 Uhr konnte nicht nicht mehr schlafen. 1000 Gedanken gingen durch meinen Kopf. Also Aufstehen und ins Cockpit gesetzt. Dann wieder Regen, wie in meinem Kopf. Ich bin dann hin und her, bis es 7 Uhr war. Zeit für einen Kaffee!
Claudi kam ca. 8 Uhr. Ein weiteres langes Gespräch folgte.

Für mich war klar: An diesem Tag verlasse ich Carriacou. Mit oder ohne Ihr.

Ich finde es fast wie Ironie des Schicksals. Wir waren noch keine Stunde auf der Insel und ich hab sie schon gehasst. Es gab zwar viele schöne Momente, aber ein ungutes Gefühl blieb. Ich kann es nicht beschreiben woher dieses kam. Die Insel ist klein und Neuigkeiten wandern schnell. Wirklich jeder wusste, wie es um uns steht. Ich konnte nicht mehr an Land. Überall traf ich Leute mit der üblichen Floskel: „How are you doing?“, gefolgt von „How is your wife?“. Diese zwei Fragen, auch wenn sie gut gemeint waren, haben mich immer und immer tiefer getroffen. Ich konnte es nicht mehr hören.

Nun ja… Das Resultat des Gesprächs war: Claudi bleibt. Also hat Sie so viel gepackt, wie auf dem SUP transportiert werden konnte und dann ist Sie davon gepaddelt.

Es hat etwas gedauert, bis ich mich gefangen hatte und habe dann begonnen die letzten Dinge zu erledigen, damit ich losfahren kann.
Wir haben gut 10000 Meilen zusammen auf dem Boot unter den Kiel gebracht. Nie vorher bin ich ganz allein mit dem Boot aufgebrochen, schon gar nicht auf dem Atlantik.

Also Stück für Stück:
– Dinghy Motor, Tank und Kram ausräumen und verstauen
– Dinghy auf Deck verstauen
– Gefühlt 1000 Dinge wegräumen
– Windpilot klar machen
– Segel auspacken
– Genuaschot anschlagen
– Großbaum anschlagen
– Sonnen/Regenschutz abbauen
– unter Deck alles wegräumen, was durch die Gegend fliegen könnte

Maschine an und Anker Auf!

Da gab es schon das erste Problem. Das Blöde Ding war falsch herum in die Aufnahme gerutscht. Die Fluke stand also nach oben! Dafür driftete Selene langsam durch die Bucht. Das Wetter war wechselhaft. Bewölkt, Böig und Regnerisch. Normalerweise steuert Claudi das Boot, bis ich den Anker seeklar habe. Bolzen durch, Halter rein, festbinden, Fernbedienung ab, usw…

Am Ruder stand: Niemand …

DAS war völlig neu für mich. Also Anker sein lassen, wie er ist und ans Steuer. Dann Selene um das Riff in das Fahrwasser der Fähre geschippert. Dann gute 10 min an dem Anker gefummelt, bis ich zufrieden war. Zurück ans Ruder, Gang rein und langsam aus der Bucht raus.

Mein Blick lag zum Strand, ob ich Claudi sehe. Ich hab Sie nicht ausfindig machen können. Der Strand war aber schon recht weit entfernt. Wie ich später erfahren habe: Sie war da.

In mir gingen 1000 Dinge um, ich konnte mich kaum auf das Schiff konzentrieren. Trotzdem war das Ziel klar: Grenada

Ich hatte extreme Zweifel, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Noch könnte ich umkehren. Ich entschied mich dagegen und setzte erst mal nur das Vorsegel. Selene machte in dem böigen Wind einen Satz und legte bei Halbwind gute 7,5kn auf die Logge. Fast als wollte mir das Schiff sagen: „Martin! Geh! Das ist schon richtig so!“

Also hab ich den Windpilot eingekuppelt und hab das Schiff fahren lassen. Neptun war relativ gnädig mit mir. Als ich Carriacou hinter mir gelassen habe, stellte sich ein stabiler Halbwind zwischen 16 und 20kn ein. Wenn das Boot segelt, stellt sich in mir normalerweise eine Ruhe ein. Ich bin eins mit dem Meer, dem Boot und mit mir selbst. Das war aber auf der Fahrt überhaupt nicht der Fall. Innerlich aufgewühlt konnte ich die Fahrt überhaupt nicht genießen… leider. Zu viele Gedanken, die ich nicht abschütteln konnte.

Dann rückte eine dunkle Wand an, die mich glücklicherweise aus meinen Gedanken riss. Ein Squall! Diese können Gewitter und Starkwind bringen. Also schnell gerefft und dann alle Polster usw. weg geräumt.
Keine Minute zu spät, denn dann ging es los! Kurze Zeit später schüttete es wie aus Eimern und ich bin unter Deck geflüchtet. Dort habe ich den zweiten Navirechner eingeschaltet. Die Küste war nur noch 2 Meilen entfernt und wenn der Wind dreht, würde der Windpilot Selene in die Riffe vor Grenada steuern. Nach 20 Minuten war alles vorbei.

Die Anfahrt auf Hog Island war ereignisarm. Viele Riffe, aber ich habe gute Karten. Nach einer Runde durch die Bucht entdeckte ich die Mooring, die vermutlich Stan&Cora mit der Woiee gekauft haben. Die beiden waren eigentlich die einzigen, bei denen ich mich auf Carriacou verabschiedet habe. Als ich sagte „Grenada“, haben sie mir sofort die Mooring angeboten, ja sogar einen Nachbarn angerufen, ob sie frei wäre.

Ich habe noch nie an eine Mooring einhand angelegt und um es in drei Worten zu sagen: Es war fummelig.

Selene war fest und ich warf einen Blick an den Himmel: Regen! 5 min habe ich noch! Also fix den Wassersammler aufgebaut und „Schütt, Schütt“ ging es los. Dann den ganzen Kram aufgebaut, damit das Cockpit trocken bleibt. Dann das Prozedere mit dem Dinghy, wie auf Carriacou, nur rückwärts.

Dann merkte ich, daß ich Hunger bekam. Großen Hunger! Vielleicht lag es daran, daß ich seit 2 Tagen, außer 2 Äpfel, keinen Bissen runter bekommen hatte. Da ich keine Lust hatte irgendwas aus Claudis Futtersystem zu suchen, bin ich mit dem Dinghy durch die Bucht. Irgendwohin, wo man was Essen kann.

Das habe ich dann auch gefunden. Es war zwar nur Chicken, aber hat geholfen. Was für ein Unterschied zu Carriacou. Der Laden war nicht gerade einladend, aber das war mir egal. Hier sind nur Fremde. Keiner lässt Floskeln fallen, keiner bemitleidet mich, keiner weiß, was in mir gerade vorgeht. Das hilft … obwohl gerade irgend ein Fußballspiel im TV (sogar mit Deutschland) läuft, interessiert sich niemand für mich. Ich bin einfach nur ein Neuer, ein Fremder. Man kommt mit dem ein oder anderem ins Gespräch, Smalltalk …

Freitag 30. Oktober:
Nach einem mehrstündigen Spaziergang, sitze ich in der „Sports Bar“ nahe dem Dinghy Steg und gehe durch meine E-Mails. Als ich zur Seite schaue steht Garry neben mir. Wir haben Garry schon oft getroffen. Ein Einhandsegler aus Kanada, der nie lange an einem Ort bleibt und normalerweise über die Hurricansaison nach Hause fliegt, um Geld zu verdienen.

Ich dachte nur: „Bitte sag nix, daß ich eigentlich zu zweit unterwegs bin…“
Ich entschied schnell ihn mal beiseite zu nehmen und zu erzählen, warum ich hier bin. Er sagte nur „Allright, don’t worry“ und wechselte sofort das Thema .. Auch gut.

Mein Spaziergang hatte auch einen anderen Grund: Vor allem hat mich interessiert, wie die Buchten in der Nebensaison so aussehen. Im Januar war alles voll mit Transatlantikseglern und Charterbooten. Die Leute, die in der Karibik „hängen“ geblieben sind, waren unter der Masse kaum auszumachen, bzw. waren auf anderen Inseln verstreut.

Da Garry viel herum kommt, kennt er alle möglichen Leute, inklusive Ihrer Geschichte. Was soll ich sagen. Man hört nur: Der ist vor 7 Jahren gekommen und hängen geblieben, der ist vor 4 Jahren gekommen und hängen geblieben. Die haben vor 3 Jahren einen neuen Motor eingebaut und die einzige Fahrt seit dem waren die 500m von der Werft zur Mooring. Dann gibt es da einen alten Mann mit 77 Jahren auf dem Buckel. Der lebt in einem umgebauten Abstellraum in der Sports-Bar und wird so gut es geht von den anderen Seglern versorgt. Um das Boot und die Tiere darauf kümmern sich ebenfalls die anderen Segler in Schichten. Und eine letzte Geschichte: Vor nicht mal 3 Wochen hat ein 80 Jahre alter Mann sein Schiff einfach sinken lassen. Das Boot hatte schon seit 3 Monaten Wasser genommen und als im Boot das Wasser schon kniehoch stand und die anderen Segler zu Hilfe eilten, hat er alle einfach weg geschickt und ist ins Bett gegangen. Naja – er wurde von der Coastguard gerettet. Das Schiff ist gesunken und liegt derzeit auf dem Grund der Woburn Bay. Mit über 200 imperialen Gallonen Diesel an Bord, und all seinen Habseligkeiten. Ich habe mich mit mehreren Seglern darüber unterhalten und von allen die selbe Geschichte gehört. Erschreckend, daß man so den Lebenswillen verlieren kann.

Ich suche jetzt nicht nur die negativen Seiten der Karibik, aber durch Claudis „Ausstieg“ überlegt man schon, was in 10 .. 20 Jahren aus einem werden würde. Gelegenheiten um etwas Geld zu machen gibt es immer .. irgendwie. Aber was ist, wenn man alt wird, nicht mehr arbeiten kann und nun keine dicke Pension bekommt? Würde man dann auch in einer umgebauten Besenkammer landen und vor sich hin vegetieren? Oder wäre einem das Alles dann auch so egal, daß man auf einem sinkenden Schiff einfach ins Bett geht?
In jeder, wirklich jeder Bucht hier gibt es diese Schiffe. Auch auf Carriacou. Zum Teil in desolaten Zustand, aber noch bewohnt, oder halb gesunken, seit Jahren verlassen. Ich wette zu jedem Schiff gibt es ähnlich schlimme Geschichten.

Wie viele Boote letztendlich auf die letzte gemeinsame Reise geschickt werden, weiß niemand.

Die Karibik ist super schön und hoch interessant. Das mag vielleicht für ein paar Jahre anhalten. Ich würde hier jedoch keine Heimat finden. Segeln ist für mich ein großes Hobby, aber ich habe auch andere Interessen und selbst auferlegte Pflichten. Deshalb muß das Boot mit mir (mit oder ohne Person „X“) zurück nach Europa.

So! Nun ist aber endlich mal Schluß damit! Ich denke ich habe meinen Standpunkt, meine Gedanken, Gefühle und Sorgen mehr als deutlich klar gemacht. Entschuldigung, daß es so lang geworden ist.

Ich entdecke Stück für Stück die Woburn Bay. Mit dem Dinghy ist das ein heiden Spaß, auch wenn es oft sehr Naß ist 😉

In Lower Woburn schländere ich durch die Gassen und Läden. Meist gehe ich rein und kaufe eine Kleinigkeit. Die Leute sind nett und ausgeglichen. Ein Laden wird mir sicherlich in Erinnerung bleiben, denn ich wurde mit: „Let God bless you“ verabschiedet.

Ich weiß auch nicht, aber an Bord fällt mir buchstäblich die Decke auf den Kopf. Das ist wird ein sehr großes Problem, vor allem, wenn ich an die längeren Passagen in der Zukunft denke. Ich habe den Gedanken ganz schnell verdrängt, hüpfe ins Dinghy, um gegen 13 Uhr nach Hog Island zu fahren. Das ist eine kleine Insel mit idyllischen Sitzgelegenheiten und Rogers-Bar, die er schon seit 30 Jahren betreibt.

Das ist Karibik! Bei meiner Ankunft war der erste Schritt in den Sand wie Seide. So einen weichen und feinen Sand habe ich noch nirgends in der Karibik gesehen. Kurz denke ich: Das muß ich Claudi zeigen..

Entspannt erzählt mir Roger, was er alles verkauft, aber ich passe erst mal. Ich bin praktisch allein und laufe langsam den Strand entlang. Vor mir wuseln hunderte von Krabben zu ihren Löchern.

Gegen 18 Uhr steuern diverse Dinghys die Insel an. Leute steigen aus. Grüßen sich, kaufen bei Roger ein Bier, bringen Gitarren und andere Instrumente mit.

Ich sitze eine Weile etwas abseits und entscheide irgendwann mal rüber zu gehen, obwohl ich keinen kenne. Was soll ich sagen. Meine vorherige Wertung war vielleicht etwas übertrieben. Es wurde ein wunderbarer Abend mit tollen Gesprächen. Leute aus allen möglichen Nationen, Weltumsegler und Aussteiger spielen (leider meist) sehr traurige Musik und unterhalten sich.

Obwohl ich im Moment bei französisch einfach nur weglaufen könnte, brennt sich ein Song tief in mir ein. Ich kenne das Lied eigentlich als „My way“ von Frank Sinatra, aber das Original ist von Claude François und der Song nennt sich „Comme d’habitude“. Ein alter Mann spielt diesen Song mit so viel Herzblut und Emotion auf seiner Gitarre und sein Gesang hallt durch die Bucht. Ich muß aufpassen, daß ich nicht anfange, wie ein Schloßhund zu heulen. Es ist Verrückt .. ich sitze da, alle um mich herum reden, aber plötzlich ist alles ausgeblendet. Ich starre nur Ihn an und lasse die Musik wirken. Da ich kein Wort verstehe, schaue ich anschließend schnell nach einer Übersetzung der Lyrics. Naja .. passt irgendwie auf meine Situation.

3 heftige Sqalls ziehen über das undichte Dach der Bar und lassen die Leute zusammen rücken und sich ihre Geschichten erzählen. War ein wirklich sehr schöner Abend. Ich habe mich innerlich echt geschämt, daß ich so viel gelogen habe, da ich das Bild des Einhandseglers Aufrecht erhalten wollte. Vielleicht erzähle ich die Geschichte ja mal, aber nicht heute.

Samstag 31. Oktober:
Heute war endlich Hog Island dran – also nicht Rogers Bar, sondern die Insel 😉 . Manomann, durch den vielen Regen ist es unglaublich matschig.

Gerade, als ich das Dinghy an Land zerre kommt eine Gruppe mit Quads an. Ein Barbeque wird gerade aufgebaut, also schnell auf den matschigen Weg und weg hier.

In der Hand halte ich die Kamera und die restlichen Zettel mit den Spendernamen. Einen Teil hatten wir noch zusammen auf Carriacou fotografiert, aber alleine kann ich den übrig gebliebenen nur schwer eine persönliche Note geben. Zu mal ich auf jedem Zettel ihre Handschrift sehe und dadurch den Zettelberg eher wie eine Last mit mir herumtrage.

Aber die Leute, Familie, Freunde, Kumpels und gänzlich Unbekannte haben durchaus große Beträge gespendet und das muß gewürdigt werden! Ein simples „Danke“ reicht da nicht. So schlendere ich über Hog Island und mache hier und da Fotos von den Zetteln. Erstaunlich, wie viele das sind! Über 80 Stück.

Als ich an die zwei letzten Zettel komme, die für mich die wichtigsten sind, zieht eine dunkle Front auf. Ich schaffe es noch bis zur Brücke, die Hog Island mit Grenada verbindet, als es anfängt, wie aus Eimern zu schütten.

So hocke ich wie ein Penner unter der Brücke und es regnet und regnet und regnet. Ich will aber die 3 Namen, welche sich auf den letzten 2 Blättern befinden unbedingt erledigen.

Also lege ich die Kamera auf einen Stein und drücke auf Aufnahme. Als erstes meine Eltern denen ich mein Wesen, meinen Charakter, Unterstützung, Zusammenhalt und mein Leben zu verdanken habe.

Der andere Namen ist der von Claudis Mutter, der ich versprochen hatte, ihre Tochter sicher und wohlauf wieder mit zurück zu bringen. Ein Versprechen, was ich wahrscheinlich nicht halten kann.

Der Regen geht vorbei und ich kämpfe mich durch den Matsch, um am Strand etwas Ruhe zu finden. Aber Nix da. Es hüpfen etwa 30 verkleidete und angemalte Kinder über den Strand. Halloween .. ach ja. Aber wo sind die sonst? Ich bin mit meinen 41 Jahren normalerweise immer der Jüngste. Das Spektakel ist nach gut einer Stunde vorbei und alle verlassen fluchtartig die Insel.

Ich bin wieder allein.

Der Abend plätschert so dahin und ich bastel am Video zu Carriacou herum. Da die Akkus von Selene recht voll sind, geht der Abend noch bis gut 1 Uhr. So richtig zufrieden bin ich aber nicht. Vor allem mit der Würdigung der Spender, die zusammen eine hohe Summe für „uns“ gegeben haben. Auf ca. 50% der Bilder hält einer von uns einen Namen in die Kamera und beim Rest nicht.

Ich bin völlig unzufrieden mit dieser „Lösung“.

Sonntag 1. November:
Seit etwa 9 Uhr regnet es Stunde um Stunde um Stunde. Mit dem Laptop unterm Arm wollte ich eigentlich Frühstück an Land machen, nebenbei das Carriacou Video rechnen lassen + hochladen und Wäsche waschen. Das wird wohl nix, also rechnet der Laptop nun auf Selenes Akku und Frühstück bleibt nur ein Kaffee. Ich räume Selene etwas auf, suche die Klamotten zum Waschen zusammen und gönne mir eine lange Dusche. Die Wassertanks sind eh schon wieder übergelaufen. Gegen 16 Uhr reicht es mir und ich krame meine Regenjacke raus, schöpfe gute 50l Wasser aus dem Dinghy und fahre zur Whisper Cove Marina.

Quelle: texasforeignlegion.com

Der Laden ist voll und auf meine Frage nach „Laundry“, hallt mir nur ein kurzes „Not on Sunday“ entgegen. Ich denk mir kurz, daß das vermutlich am Glauben liegt, aber da kommt die Dame schon zurück und erklärt mir, daß die Locals am Sonntag alle Wäsche waschen und der Wasserdruck recht gering sei. Deshalb: Keine Wäsche und auch kein Wasser am Steg am Sonntag.

Die Bar macht etwa 19 Uhr zu , ich fahre (im Regen) zurück zu Selene und lade den Rest des Videos über meine DigiCel Karte hoch. Auch wenn es teuer ist, aber ich will das weg haben. Gegen 21 Uhr gehe ich ins Bett, es pisst sowieso immer noch in Strömen … Es war ein blöder Tag.

Dienstag 3. November:
Ich bin von 10 bis 13 Uhr mit Wäsche waschen beschäftigt, dann packe ich das Tablett weg und fahre mit dem Dinghy zur Secret Bay.

Dazu muß man um die „Ecke“ zwischen den Riffen durch, die recht ungeschützt liegen. Es war naß, sehr naß und wellenreich. Mittendrin hab ich mir so gedacht: „Du hättest wenigstens eine Rettungsweste mitnehmen können“

Dinghy festgemacht, das Ziel war: Geldautomat und Benzin holen. Gute 2km One Way. Nach der Hälfte der Strecke reist mich ein Auto aus meinen Gedanken, mit der Frage, ob ich reinhüpfen will. Am Steuer sitzt eine nette Dame, die gerade ihre Kinder vom Kindergarten abholen will. Sie lässt mich genau vorm ATM raus, also Geld holen, gegenüber zur Tanke und den Heimweg antreten. Auf dem Rückweg treffe ich einen anderen Segler, der auch zu seinem Dinghy will. Ich frage ihn, ob wir gemeinsam laufen können. Etwas Smalltalk und schon sind wir da.

Quelle: secretharbourgrenada.com

Die Rückfahrt war wieder sehr feucht, aber ich lade nur den Benzinkanister auf Selene ab und Fahre Richtung „Sports Bar“. Daneben gibt es einen kleinen Laden, wo ich ein Anti Mücken Spray kaufen will. In der Bar versuche ich mir Claudis Schlußwort im Blog in Ruhe durch zu lesen. Vertieft in den Text labert mich ein Typ an, ob er ne Kippe haben könnte. Kein „Entschuldigung“, kein „Bitte“ nur: „Can I have a Cigarette“. Mir geht diese Art des Bettelns mittlerweile völlig auf die Nerven. Man ist „weiß“, da liegt ne Schachtel Kippen und man wird angeschurrt! Ich sage mit Nachdruck „No“. Kein „Sorry “ – er verleitert nur die Augen und geht. Mir reichts. Ich packe meine Sachen, zahle das eine Bier und hüpfe ins Dinghy. Also zur Whisper Cove Marina. Vielleicht habe ich da ja etwas mehr Ruhe. Ich komme die Treppe hoch und da steht Sara, die Frau von Hannes, dem „Katastrophenpärchen“ aus Barbados, denen ich schon auf Carriacou geholfen habe die Anker zu ziehen.

Natürlich fragen sie mich recht schnell nach Claudi. Ich erzähle über die Gegenwart, die Vergangenheit und so weiter. Irgendwann macht die Bar zu und sie laden mich auf ihr Boot ein, was Aufgrund einer „Havarie“ längs und vor Anker in der Secret Bay Marina liegt.

Diese Geschichte passt irgendwie zu den beiden und ist lustig. Das Boot ist wohl durch die halbe Bucht gedriftet und war gerade dabei sich selbst am Dock anzulegen, als Sie zurück kamen. Glücklicherweise ist die Marina praktisch leer.

Es folgt ein ausgelassener Abend mit lecker Essen, guten Drinks und tiefen Gesprächen.
Sara unterbricht mich irgendwann mitten im Erzählen und sagt: „Oh Man, Du trägst in Dir jede Menge Zweifel und Probleme“ … Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen! Und es hat keine 2 Stunden gedauert! Ich habe echt das Gefühl über mir schwebt eine dunkle Wolke..

Wir haben uns noch lange unterhalten. So lange, daß Hannes in Bett ist. Ähm – der wollte mich ja noch die gut 4km zur Wisper Cove Marina fahren. Als ich ca. 24:00 Uhr sage, daß ich zurück laufen werde, wird mir erst der Mietwagen (den ich ablehne) und dann das E-Bike angeboten. Vor 2 Tagen bin ich durch den Wald gelaufen und war der Meinung die Strecke zu kennen. Was ich nicht bedacht hatte war, daß es wie aus Eimern geregnet hat und es eine wahre Schlammschlacht wurde. Ich bin nicht gestürzt, aber ich und Fahrrad sahen aus , wie nach einer OffRoad Ralley. In der Wisper Cove Marina wasche ich erst mal meine Flip-Flops und dann meine Füsse. Als ich zum Dinghy Dock will schallt ein kurzes „Hey“ durch die Nacht. Da sitzt doch echt ein Typ, keine 5m entfernt! Security … Ich erkläre, warum ich und das Fahrrad so dreckig sind und er ist zufrieden.

Donnerstag 5. November:
Als ich morgens in meine Nachrichten schaue, sehe ich nur eine einzige von Hannes. Gesendet 5:30 Uhr mit einem dunklen Foto. Ihr Dinghy ist halb gesunken und hängt mit ein paar Leinen am Spiegel.

Naja, das Ding war eh schon recht fertig. Zum Glück ist der Außenborder nicht mit abgesoffen. Da sie noch den Mietwagen haben, wollen wir uns auf eine Einkaufstour treffen. Ich brauche einen neuen Ersatzimpeller für Selene und es muß doch irgendwo so eine blöde Opferanode für meinen Außenborder zu finden sein! Also fahren wir zu Budget Marine.

Ich stehe von den Blöcken und Leinen, weil ich Selene eigentlich besser Einhand segelbar machen will. Ich habe einige Dinge in der Hand und schaue auf die Preise. Manomann .. die wollen es aber wissen. Ich lege alles wieder zurück und denke noch mal genau nach, wie der Reffvorgang genau stattfindet. Mir kommt ein wichtiges Detail in Erinnerung: Wenn man das Großsegel reffen will, muß man die Mastrutscher unterhalb der Refföse aus der Nut vom Mast nehmen. Sonst bekommt man das Unterlieck nicht über den Reffhaken gespannt. Um das zu ändern, müsste entweder die Führungsnut geändert werden, oder das Segel. Ich kann Blöcke und Leinen kaufen, wie ich will, aber mit der klassischen Konfiguration werde ich Selene nie vom Cockpit aus reffbar machen können. Selbst wenn ich das irgendwie zusammen fummel, werde ich immer noch zum Mast gehen müssen. Enttäuscht verlasse ich den Laden.

Eine Opferanode für den NS-Marine habe ich immer noch nicht und der Impeller für den Perkins ist mir zu teuer. Es gibt noch eine Chance: „Island Water World“. Dort finde ich sie dann endlich! Die Opferanode für den NS-Marine, nach der ich schon Monate lang suche! Zur Belohnung kaufe ich gleich noch einen neuen Impeller für meinen kleinen Perkins.

Freitag 6. November:
Der Tag plätschert so dahin, während ich meinen Kram erledige. Gegen Abend entscheide ich mich noch mal für einen Sundowner zu Rogers Bar nach Hog Island zu fahren. Die Bar ist recht leer und so sitze ich nur da und starre in den Sonnenuntergang. Es kommen immer mehr Leute und die Bar füllt sich. Die Idee hatten die anderen wohl auch. Einer bringt einen kleinen Verstärker mit und fängt an Lied für Lied ins Mikrophon zu singen. Es wird ein schöner Abend, aber ich bin innerlich so aufgewühlt, daß ich wie ein Außenseiter in der Ecke sitze. Ich kann mich einfach nicht dazu durchringen mich zu den anderen zu setzen. Viel mehr wünsche ich mir Claudi her. Mit Ihr könnte ich die schöne Atmosphäre sicher genießen…

Gegen 22 Uhr ist das letzte Lied gespielt und die Bar leert sich langsam aber stetig. Ich rede etwas mit dem Musiker, der die Bar den ganzen Abend so schön unterhalten hat. Zum Schluß sitzt nur noch Matthew (ein Brite), Roger (der Barbetreiber) und ich in der Bar. Ich weiß auch nicht, einer der beiden hat irgendwas zu mir gesagt oder gefragt, aber es ist alles aus mir herausgebrochen und ich erzähle meine Geschichte. Keiner unterbricht mich, oder sagt was. Nachdem ich fertig bin, steht Roger auf, packt seine Sachen und fährt wortlos mit dem Dinghy davon. Er betreibt die Bar seit 30 Jahren und wird ähnliche Geschichten schon oft gehört haben. Matthew bleibt und wir reden und reden und reden, bis es beginnt wieder hell zu werden. Es ist 5:30 Uhr, als ich zurück zu Selene fahre.

Es ist schwer zu sagen, ob mir die Nacht etwas gebracht hat. Ich stehe wie zwischen zwei Welten. Wenn das alles alles ist, was von meinem karibischen Traum übrig bleiben sollte, dann will ich einfach nur noch nach Hause.

Samstag 7. November:
Ich fahre zu Sarah und Hannes und wir basteln den ganzen Tag an ihrem Boot. Das ist für mich unglaublich schwierig, denn Hannes springt von Problem zu Problem. Der wasserfallartige Redefluss lässt mich kaum einen Gedanken fassen. Kurz vor Sonnenuntergang ömmel ich mit meinen kleinen Dinghy zurück zu Selene, um meinen Kram abzuladen.

Da ich immer noch große Probleme habe längere Zeit auf Selene zu verbringen, schnappe ich mir nur ein Handtuch und fahre nach Hog Island. Es ist 1 Uhr nachts und ich bin ganz allein. Ich gehe ins Wasser und es ist unglaublich. Mit jeder noch so kleinen Bewegung, blitzt und blinkt das Wasser. Es sind die flouriszierenden Algen, die bei jeder Bewegung grün/bläulich aufleuchten. Dazu über mir ein atemberaubender Sternenhimmel, obwohl der halbe Mond, wie eine volle Salatschüssel über mir steht …

Ich sitze am Morgen im Cockpit und genieße meinen Kaffee. Mein Plan für den Tag ist, das Schiff zum Segeln vorzubereiten und am nächsten Tag nach Carriacou zu fahren. Ich nehme mein Tablett und fange an Claudi eine lange und persönliche Nachricht zu schreiben. Irgendwie gibt mir das Auftrieb, so räume ich Selene auf und mache alles Seeklar. Gegen 13 Uhr fahre ich dann zur Clarks Court Marina ins Sailors Reef. Dort sitze ich etwa 2 Stunden und bestelle dann etwas zu Essen. Nach einer weiteren Stunde zahle ich und beschließe mir mal die Marina anzuschauen. Ist größer, als gedacht. Unter einem recht hässlichen Katamaran finde ich sogar eine Ural mit Beiwagen!

Wo steht Sie denn?

Naja, Männer halt 😉 Als es dunkel wird fahre ich mit dem Dinghy zurück zu Selene. Dort sitze ich noch mal eine Stunde und starre vor mich hin. Und dann ist sie da, die Antwort, die ich wollte und auch wieder nicht. Und sie ist sehr eindeutig. Sagt, daß unsere gemeinsame Reise zu Ende ist. Es gibt keine Möglichkeit mehr, daß wir in irgend einer Art wieder zusammen finden. Wie sagt man so schön: Die Würfel sind gefallen, endgültig.

So sitze ich den ganzen Abend, die ganze Nacht im Cockpit von Selene und meine Gedanken kreisen und kreisen.

Habe ich so viel falsch gemacht? Hätte ich es kommen sehen können? Hätte ich noch etwas tun können? Und wenn ja was? Wie mache ich weiter? Was werden meine und Ihre Eltern sagen? Was ist mit der Rückreise? Soll ich es alleine wagen, oder nach Crew suchen? Was ist mit ihren Sachen, was noch an Bord sind? Was ist mit Ihrem Auto? Ihren Sachen die bei mir zu Hause liegen? Diese Liste an wichtigen und völlig irrelevanten Fragen kreisen um mich und wollen nicht verschwinden.

Tja, so viel zum Thema Carriacou und wieder zurück fahren. Es ist sicher verständlich, daß ich das weder will und kann. Wie und ob Sie ihre restlichen Sachen von Bord bekommt? Ich weiß nicht.

Die Sonne versucht gerade aufzugehen, als ich zum wiederholten male versuche ins Bett zu gehen. Nach 2 Stunden bin ich wieder wach. So sitze ich Stunde um Stunde völlig antriebslos im Cockpit von Selene. Der letzte Beitrag, den Claudi verfasst hat, lag schon ewig als Entwurf vor. Ich hatte für mich beschlossen: Wenn ich den Freischalte, dann ist es endgültig. In welcher Form auch immer. Sozusagen, als erster Schritt nach vorn zu schauen. Es dauert nicht lange bis E-Mails, Nachrichten und Kommentare mich erreichen.

Irgendwann schnappe ich mir den Doyle Guide und fahre in die Whisper Cove Marina. Dort setze ich mich in die letzte Ecke und versuche mein nächstes Ziel zu finden. Manomann .. bei der Corona-Scheiße muß man mittlerweile studiert haben, um die Regularieren zu verstehen… Antigua und Barbuda wären eine super Idee. Leider über 300 Meilen entfernt, aber wenn ich einen PCR Test mitbringe, dann sollte ich ohne Quarantäne einreisen dürfen. Wie viel kostet denn ein PCR Test auf Grenada? Ui! 410 EC? Na Toll.. Ich habe auf Grenada/Carrricou eine völlig sinnlose Quarantäne machen dürfen, wurde hundertfach von Mücken gestochen, habe tausende von EC für Selene ausgegeben, und am schlimmsten: Ich habe Claudi verloren. Und nun soll ich noch mal 410 EC ausgeben, damit ich in das nächste Land einreisen darf? „Abzocke“ fällt mir da nur noch ein.

Irgendwann kommt die Bedienung und fragt, ob ich etwas essen möchte. Obwohl ich überhaupt keinen Hunger habe, bestelle ich gedünsteten Schweinebraten mit Röstkartoffeln. Das Essen ist super lecker, jedoch muß ich mir jeden Bissen förmlich herunter würgen.

Irgendwann kommen Hannes und Sarah dazu, die mich etwas ablenken. Auf Hog Island wäre ein großes Barbeque, aber ich habe keine Lust irgendwohin zu gehen, wo viele Menschen sind. Da das Dinghy von den beiden sowieso im Eimer ist, setzen wir den Abend auf ihrem Boot fort, bis ich gegen 23 Uhr mit meinem Dinghy nach Hause fahre. Manomann .. bei Nacht zwischen den ganzen Riffen durch ist schon eine Herausforderung.

Nun bin ich wieder auf Selene. Von irgend einer Art Müdigkeit ist weit und breit keine Spur zu sehen. Gegen 2 Uhr ist es dann endlich so weit. Leider nur bis Punkt 5 Uhr, denn dann sitze ich schon wieder hellwach im Bett und kann nicht mehr schlafen.

Am nächsten Tag fahre ich wieder zu Hannes und Sara. Wir wollen das Dinghy reparieren, was aber völlig fehl schlägt. Also zur Budget Marine und den teuren Kleber zurück geben. Ich merke Hannes hat sich entschieden. Er will ein neues Dinghy kaufen. Leider wird seine Kreditkarte aus Barbados nicht akzeptiert. Ich überlege kurz und biete ihm an das Dinghy zu bezahlen. Ich habe eh schon mit einem neuen, gescheiten Ladegerät für Selene geliebäugelt. Am Ende fließen über 8000 EC von meiner Karte. Gut 1000 fürs Ladegerät und der Rest fürs Dinghy.

Nun ja, alles kein Problem, denn ich hatte das Geld innerhalb 2 Tagen per SEPA Überweisung wieder zurück.

Am nächsten Tag wurde das Dinghy geliefert und obwohl wir mit ihrem Mietauto eine Inseltour machen wollten, zog sich der Tag wie Gummi dahin. Natürlich wurde das Dinghy nicht um 9, sondern erst 10:30 Uhr geliefert. Karibische Unpünktlichkeit.

Und dann wollten wir das Ding testen. Das hat schon Spaß gemacht, mit dem Teil durch die leere Bucht zu donnern.

So endete der Tag mit einem schönen Abendessen.
Also sollte die Tour am nächsten Tag starten. Wir haben uns beim Kaffee tierisch verplappert, also war die Entscheidung: Rum Destille (River Antoane) oder Schokoladenfabrik. Es wurde zweiteres, und es war eine wunderbare Fahrt. Auch der Besuch in der Fabrik war toll. Ich denke wir waren die ersten Gäste seit Ewigkeiten und dementsprechend Zeit hat sich der Guide für die Privatführung genommen.

Natürlich haben wir dann auch eingekauft. Schokolade und Schokolikör. Ich war mit Claudi im Januar schon mal da. Leider war damals nur der Laden offen. Aber auch der Besuch war toll. Claudi hatte eine kleine Flasche von dem Schokolikör gekauft und ich habe mich geärgert, daß wir nicht mehr mitgenommen haben.

Ich habe besondere Dinge von fast allen Inseln an Bord, die ich gern mit nach Hause nehmen will. Also kaufe ich 2 Flaschen von dem Schokolikör, für das Fach in Selenes Bilge. 65 EC pro Flasche .. uff, aber vielleicht möchte ich zu Hause ein Treffen machen, mit den Menschen, die mir Lieb und Wichtig sind. Dafür wären die edlen Tropfen gedacht.

Wir haben für den nächsten Tag ein Abendessen auf Selene ausgemacht. Sarah wollte was vorbereiten, um es auf Selene zu kochen. Sie hatte sichtlich Spaß auf meinem Boot Essen zu kochen. Es war fast so, als hätte Sie die Küche vorher selbst eingeräumt. Ich hatte Ihr nur kurz gezeigt, wo alles ist und schon Sie wirbelte los. Und es war lecker!

Irgendwann sind die beiden los. Die Akkus von Selene waren recht leer, also starte ich die Maschine (und nicht den Generator), um die Nachbarn nicht zu sehr zu nerven. Keine 5 min später klingelt das Telefon. Dran ist Sarah, völlig aufgelöst. Im Hintergrund Hannes .. Sie solle leuchten und nicht quatschen. Es war ein völliges Durcheinander. Was ich verstanden habe ist, daß Sie den Propeller (den ich montiert habe) verloren hätten.

Nun ja: Die Ecke von Hog Island zur Secret Bay ist exponiert, voller Riffe und die Küste ist steinig und schroff. Dazu war es stockfinster. Ich war mir sicher, er ist wohl aufs Riff gefahren. Ich hab nur das Tabet hingelegt und bin ins Dinghy. Es war Niedrigwasser, aber ich bin da schon oft bei Nacht gefahren und kenne die Ecke. Als Segler schaut man immer nach Landmarken, die auch bei Nacht zu finden sind. Ich habe die Beiden schnell gefunden. Zum Glück war wenig Wind, aber sie waren schon im sehr flachen Wasser, nicht weit von der schroffen Küste entfernt. Der Propeller war nicht weg, aber ich sah schon von weitem die Einschläge. Der Scherstrift hatte seinen Dienst getan und war gebrochen, um die Maschine zu schützen. Ich habe die Beiden dann gut eine Meile mit meinen kleinen 5 PS Dinghy quer durch die Secret Bay gezerrt.
Nun ja. Am Dock angekommen, wäre ich in Gedanken fast selbst noch an einer Mooring hängen geblieben. Fix Gas weg, Auskuppeln und drüber. Nix passiert.

Freitag 13. November:
Ich sitze morgens auf Selene und schlürfe Kaffee. Ich mache mehrere Dinge. Zum Beispiel fange ich mit meiner Steuererklärung an, sende Claudi eine Email, in der ich Sie bitte sich um ihre Krankenversicherung (die auf meinen Namen läuft) zu kümmern und, daß Sie mir bitte irgend einen Nachweis über ihren Verbleib schicken soll, damit ich Sie aus der Crewliste austragen lassen kann. Dazu schreibe ich, daß ich noch mal, nach Carriacou kommen möchte, weil ich noch ein paar Dinge an Bord habe, die ich zurück geben muß. In der Zeit kann sie gern an Bord von Selene kommen, um ihre restlichen Dinge zu holen.

Irgendwie gut gelaunt wieder mehr nach vorn zu schauen, setze ich zum ersten mal seit gut 2 Monaten die deutsche Flagge ans Heck von Selene und ziehe auch die Gastlandflagge von Grenada hoch. Dann sehe ich das Ladegerät, was ich 2 Tage vorher gekauft habe und öffne das Batteriefach von Selene. Die 230V Ladeanlage von Selene hatte mir schon seit dem Kauf des Bootes nicht wirklich gefallen. Es war aber so viel zu tun, das ich das Thema bis zur Abfahrt immer vor mir hergeschoben habe. Ich schaue auf die alten Kabel, die vielleicht 6mm² haben und messe den Strom. Stolze 20A fließen da. Wow … die kann ich keinesfalls für das neue 40A Ladegerät verwenden. Nach einem kurzen Blick ins Handbuch und etwas rechnen komme ich auf mindestens 16mm², besser wären 20mm². Also Einkaufen gehen.

Ich düse mit dem Dinghy zur Secret Bay, schieße das Dinghy an und mache mich auf den gut 4km langen Spaziergang zur Budget Marine. Nach ca. 300 Meter hält ein sehr kleiner Lieferwagen mit Pritsche an und ich werde gefragt wo ich hin will. Er fährt mich bis vor die Budget Marine und als ich mich bei Gerald bedanke sagt er nur: „Well, it did cost me 3 minutes of my lifetime to save you 30 minutes. This is a fair deal!“. Irgendwie hat er recht.

Ich ziehe diese blöde Maske auf und gehe in den Laden. Die Leute da kennen mich schon und fragen sofort, ob ich Hilfe brauche. Während 45ft und weitere 21ft, von feinsten 19mm² Marine-Grade Kabel in Rot und Schwarz abgemessen werden, suche ich die nötigen Aderendhüsen und Schraubklemmen zusammen, sowie zwei 50A Sicherungshalter + Sicherungen.

An der Kasse gehen stolze 879EC von meiner Kreditkarte ab und ich muß an die ganzen Leute denken, die etwas gespendet haben. Als ich mich auf den langen Spaziergang mache, fange ich an Nachzudenken. Die Menschen, die so großzügig gespendet haben, haben dies für Selene gemacht, für die Reise, für die Videos und Beiträge im Blog. Eigentlich bin ich Ihnen etwas schuldig. Eine Art Verpflichtung, die ich doch gern weitermachen will, auch wenn Claudi diese nun aufgegeben hat. Wenn ich selbst etwas überwiesen hätte, würde mich das schon irgendwie enttäuschen. Auch wenn ich nie so emphatisch schreiben könnte wie Claudi, aber den Blog und die Videos aufgeben – Nein, das wäre völliger Unsinn!

Völlig in diesen Gedanken versunken, hupt es hinter mir und ein Minnibus hält. Ich fahre die gut 2 Kilometer zum Geldautomat für schlappe 2,50 EC. Dann hole ich Geld und spaziere die restlichen 2 Kilometer zurück zur Secret Bay Marina. Es ist schon später Nachmittag und ich habe Hunger. Also spule ich weitere 2 Meilen auf den kleinen Motor meines Dinghys und fahre zur Whisper Cove Marina. Die haben dort einen leckeren Burger mit Pommes für schmale 25 EC. Nach einer Weile schaue ich mich um und der Laden ist auf ein mal brechend voll. Vor allem sehr laute Amerikaner unterhalten sich. Mir wird es zu viel, ich will Ruhe. In Whisper Cove ist Barbeque und im Sailors Reef ist eine (sehr laute) Band.

Da ist sicher wenig bei Roger los. Und so ist es auch, jedoch kommen doch ein paar Leute und bringen Gitarren, Keyboard und Flöten mit. Sogar eine Violine ist dabei. Der Abend plätschert mit viel schwunghaften Songs dahin, die von alten keltischen Klängen mit Violine und Flöte abgewechselt werden. Irgendwann packt jeder seine Dinge und fährt zu seinem Boot. Ich unterhalte mich gerade mit einem anderen Segler, als ich in der Bucht einen Dinghymotor höre. An, aus, an, aus … Ich denke mir nur, da ist wohl die Hauptdüse im Vergaser verstopft und hüpfe ins Dinghy. Es ist Tom, der den ganzen Abend mit einer unglaublichen Hingabe mit seiner Gitarre, seinen 7 Flöten und Gesang untermalt hat. Ich ziehe ihn zu seinem Boot und als er begriffen hat, daß ich extra wegen Ihm gekommen bin, bedankt er sich noch mehr. Ich leihe mir seine Taschenlampe, denn meine liegt noch bei Roger auf dem Tisch. Nachts ohne Licht ist die Bucht gefährlich. Immer wieder gibt es Unfälle, vor allem zwischen Dinghys und Booten von Locals, die mit ihren 500+ kg Holzbooten, 85+ PS am Spiegel ohne jegliche Beleuchtung Vollgas durch die Bucht ballern. Zurück bei Roger ist der erste Satz den ich höre: „Man! You got good karma.“ Ging runter wie Butter!

Sa. 14 November:
Heute soll es soweit sein. Selene soll ein neues Ladegerät bekommen. Ich fange nach dem „Guten Morgen“ Kaffee an das Boot zu zerlegen. Es ist unglaublich, wie viel man umräumen muß, um 3 Kabel zu verlegen.

Obwohl mich der Spaß gute 1900 EC kostet und Selene jetzt nicht unbedingt ein neues Ladegerät braucht, geht mir das Alte mehr und mehr auf die Nerven.

Es lädt mit guten 20 A bis 14,4 V und schaltet dann ab. Damit werden die Akkus nie richtig voll geladen.

Aber für mich hat die Aktion einen anderen Hintergrund. Es hilft mir unheimlich, mit dem Schiff wieder eins zu werden. Das ist im Moment mein größtes Problem. Bis dato bin ich so oft es geht von Selene „geflüchtet“. So bohre ich den ganzen Tag Löcher für die dicken Kabel, verlege diese ein Stück, muß mehr aus- und umzuräumen, bohre wieder Löcher, crimpe Kabelschuhe an, entdecke eine kleine Undichtigkeit im Druckwassersystem, installiere Sicherungen und, und, und.

Gegen 17 Uhr bin ich fertig und schalte den „Landstrom“ an, ähm – starte den Generator und drücke den „On-Off“ Schalter am Ladegerät. Lampen blinken und auf ein mal dreht der Generator hoch. Der Akku ist recht voll, aber gute 25 A fließen rein und die Spannung geht auf 13,9 V.

Im Boot waren den ganzen Tag gute 34 °C, also ist eine Dusche jetzt das richtige. Während die Wasserpumpe läuft, höre ich, wie der kleine Honda Generator leicht hochdreht. Nicht schlecht, das neue Ladegerät. Es „schiebt“ Lastabhängig mehr in den Akku, desto mehr Verbraucher Strom ziehen. Nun ja, jetzt habe ich 2 Ladegeräte. Ich wollte den alten „Bord Lader“ nicht ausbauen. Wenn es sein muß, kann ich nun gute 60 A in meine kleine 240 Ah Akkubank schieben.

Zur Belohnung fahre ich ins Sailors Reef, und es gibt das erste Bierchen an dem Tag und lecker Ravioli. Die haben dort leider keine Ventilatoren und so treiben mich die „Sandflys“ zur Whisper Cove Marina, wo der Abend gemütlich ausklingt.

Sonntag 15. November:
Nach dem Kaffee schaue ich in den Salon von Selene. Der sieht aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen.

Da ich am Vortag erst gegen 17 Uhr fertig geworden war und noch die kleine Leckage am Druckwassersystem zu reparieren ist, sowie ich Wasser in die Akkus nachfüllen wollte, hatte ich das Boot nicht wieder „zusammen gebaut“. Das ist nach gut 30 Minuten erledigt.

Ich schnappe mir die große Tasche, in der Claudis SUP eigentlich seinen Platz hat, lege sie auf die Bank und verstaue alles mögliche, was mir von Ihr beim Aufräumen in die Hände fällt darin.

Damit hat Sie es einfacher, ihre Dinge von Bord zu räumen, wenn ich schon etwas Vorarbeit leiste. Dazu kommt, daß Sie mir kurz vorher eine Mail geschrieben hat, daß Sie sich um die oben erwähnten Dinge kümmern möchte, um meine weitere Reise nicht unnötig zu erschweren.

Ich muß sagen, ich finde mir geht es mittlerweile in einer Art gut, oder irgendwie besser, seit dem ich es geschafft habe nach vorn zu schauen. Ich kann wieder lachen, Dinge genießen und treffe viele Leute.

Mich haben mehrere Leute daran erinnert, daß die Reise mein Traum war und immer noch ist.

Wenn ich mir ein Zitat aus einer E-Mail erlauben darf:

Auch ich wollte dich dran erinnern, dass es ja (nachdem was im Blog stand bzw. in den Videos war) ja DEIN Traum war und Du Claudia dann irgendwann gefragt hast, ob sie mitkommen will. Aber dann habe ich Sonntag früh gelesen, dass das schon andere getan haben und so habe ich heute nochmal neu geschrieben. Es wäre echt schade drum, wenn Du Dir Deinen großen Traum vermiesen lässt. Ok, vermiest ist er wohl so oder so erstmal ordentlich, aber Du hast genug Zeit, wieder zu Dir zu finden (und zum Schiff ;)) und die Zeit und das Segeln noch richtig zu genießen. Es ist DIE Zeit Deines Lebens, mache das Beste draus und erfülle Dir Deine Träume!

Das stimmt!

Die Reise hatte ich schon etwas 1,5 Jahre lang geplant, bevor Claudi dazu gestoßen ist. Und das auch ist völlig richtig. Danke für die Erinnerung!

Vielleicht habe ich Ihr wirklich einen neuen Lebensweg gezeigt, den Sie in Deutschland 41 Jahre lang nicht gefunden hat. Vielleicht war es Schicksal, Bestimmung oder ein höheres Wesen hat die Ereignisse in die Richtung gelenkt, in die sie sich dann auch entwickelt haben. Mittlerweile muß ich zugeben, daß ich hoffe Sie findet endlich einen Ort, den Sie „zu Hause“ nennen kann, und hoffentlich dabei ihre Wurzeln nicht vergisst.

Diese sind Wichtig, denn sie machen uns zu dem, was wir sind.

Ja und die Rückfahrt? Das wird sich schon zeigen. Das Fenster für den Nordatlantik öffnet sich April/Mai. Wer weiß, wie viel Wasser bis dahin die Elbe herunter geflossen ist.

So long,
Martin

Ach ja .. Video:

27 Antworten auf „Grenada, die Reise geht weiter“

  1. ———————-
    Ach, in weiter weiter Ferne,
    Wie´s mich nach der Heimat zieht.
    Lustig singen die Gesellen,
    Doch es ist ein falsches Lied.
    Doch, es ist ein falsches Lied?
    ———————— so sangen die Wanderburschen, und auch Dir wünschen wir Mut und Zuversicht, deine Eltern Erika, Friedrich und die Familie Böhme. Danke für den Beitrag.

  2. Mensch Martin,
    nun ist sie endlich weg, sei Dankbar für die evtl. schöne Zeit und sei vor allem DANKBAR, dass sie weg ist. Eine 20 Jahre ältere geht doch gar nicht. Stell Dir mal vor Du bist so um doe 50, dann ist Claudi schon 70. Wenn sie dort bleiben will und einen findet, dann ist das doch ok. Du hast sie los und das ist das wichtigste.
    Viele Grüße
    Ronni

  3. Lieber Martin,
    danke für deinen tollen Beitrag, der sehr zu Herzen geht. Ich bin sehr froh, dass du weiter schreibst und ich an deinem Leben weiter teilhaben darf.
    Lebe deinen Traum, aber komme so bald als möglich wieder in die Heimat. Du hast hier viele Freunde.
    Bleib behütet, damit wir uns gesund wiedersehen.
    Nun wünsche ich dir eine gesegnete Adventszeit, die für dich nicht einfach werden wird. Aber du hast auch dort Freunde!
    Liebe Grüße
    Evi

  4. Moin Martin,
    es wurde viel gesagt aber deine stätze haben mit die eine und andere Träne aus dem Augegedruckt, kann mir sehr gut vorstellen was dir durch den kopf geht. Bleib Ehrlich offen und verliere dich nicht.

    Freu mich dich mal wieder zu sehen auch wenn wir beide nicht den Riesen kontackt haben vervolge ich dich jederzeit.

    Liebe grüße fühl dich gedrückt.

    Kai

  5. Ahoi Martin,

    „Selene geht auf die West-Ost Passage, Ende April – Anfang Mai, und ich lege das Boot wieder in Ueckermünde bei Siggi an. Fertig, Aus.“ ……deine Worte.

    Kennst du von Lindenberg “ Ich mach mein Ding“?
    MACH ES !!!

    Ganz liebe Grüße von Christel und Peter aus dem Thüringer Wald

  6. Moin Martin,

    ich muss zugeben, ich gehöre nicht zu denen, die sofort jeden Blogbeitrag verschlingen.
    Ich lese lieber in größeren Abständen mal einen Tag lang die Beiträge, das ist wie ein toller Roman.
    In letzter Zeit bin ich allerdings ziemlich „drin“ in der Geschichte. Sie geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Mein Arbeitsweg führt mich bei dir daheim vorbei, spätestens dort habe ich das Thema wieder im Kopf.

    Ich bin sehr froh darüber, dass du deine Reise fortsetzt und uns daran teilhaben lässt.
    Man merkt im Laufe deiner Beiträge, dass du langsam aber sicher wieder ins Reine kommst mit der ganzen Sache. Sehr gut.

    Hab Spaß und genieße die Zeit, ich freue mich auf DEINE Beiträge und wenn du wieder hier bist, stoßen wir an.

    Schöne Grüße,
    Burkhard

    1. Hallo Burkhard,

      ich antworte mal (auch für alle anderen) etwas ausführlicher auf Deinen Beitrag.

      Wir sind ja damals zusammen mit meinem Octavia zu Steffens (luckyluke2) Beerdigung gefahren und haben auf der langen Fahrt viel geredet. Steffen war eigentlich noch gar nicht so lange im Forum unterwegs, aber hat es geschafft so einen Eindruck bei den Leuten zu hinterlassen, daß unglaublich viele dahin gefahren sind. Das hat mich damals schon sehr beeindruckt.

      Claudi hatte mich gefragt, ob meine Freunde in meiner Heimat wirklich „Freunde“ sind. Und ich muß sagen „Ja“.

      Ich habe begonnen meine Gedanken täglich nieder zu schreiben. Nicht unbedingt als Tagebuch, eher als Hilfe zum Erinnern. Denn man vergisst so viel, so schnell. Vielleicht ist deshalb auch dieser persönliche Beitrag entstanden. Ich weiß nicht, wie oft ich mir den durchgelesen und überlegt habe, ob ich den so loslassen kann.

      Mir war vollkommen klar, daß jeder das lesen können wird. Fremde, Arbeitskollegen, Freunde, Verwandte und Familie.

      Aber ich wurde nach dem letzten Beitrag von Claudi derart mit WhatsApp, Emails und Kommentaren bombardiert, daß ich mir gesagt habe: OK, laß mal alle auf einen gemeinsamen Nenner bringen und schreibe mal deine Gedanken der letzten Wochen nieder.

      Mir ist auch klar, daß ich (wir) mit diesem Blog meine (unsere) Reise in die Öffentlichkeit tragen. Ich kenne auch mehrere Blogs und YouTube-Kanäle, die von einenm auf den anderen Moment enden. Ohne Kontext, warum und wieso. Ich wollte nicht, daß dies bei meinem Blog auch passiert. Ich habe so viel Zeit, Streß, Papierkram und Geld in das Unternehmen investiert .. und es es ist gerade mal zu 50% erledigt. Da wäre es völliger Blödsinn das aufzugeben.

      Selene geht auf die West-Ost Passage, Ende April – Anfang Mai, und ich lege das Boot wieder in Ueckermünde bei Siggi an. Fertig, Aus 😉

      1. Martin, deine Worte zu Steffens Beerdigung berühren mich gerade sehr. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Er hat einfach gezeigt, wie wichtig Steffen für so viele Menschen gewesen ist.

        Ich finde es klasse, dass du DEINEN Traum fortsetzt und uns daran teilhaben lässt.

        PS: Außerdem musst du nach Deutschland zurück kommen, du schuldest mir noch ein Bier…

  7. Hallo Martin,
    nach 42 gemeinsamen Blogbeiträgen seit Eurer Abreise in Ückermünde am 13.8.2019 nun der erste „Solo-Martin“. Total gelungen! Hochachtung, wie feinfühlig Du alles, was noch immer schmerzt – man spürt es in Wort und Video – verarbeitest, ohne dass es bitter oder oberflächlich wirkt.
    Segelcommunity und Freunde aus der Heimat habt ihr an eurem gemeinsamen Traum teilhaben lassen und dabei viel privates preisgegeben. nun auch diese unerwartete Wendung.
    Martin, strecke den Kopf wieder aus dem Wasser, schaue zum Himmel und zum Horizont, lasse alles setzen, mache Pläne, finde wahre Freund, habe wieder Freude am Entdecken. Du hast die richtige Einstellung, denn „Nur mit der Heimat im Herzen kann man die Welt erkunden“. Du schaffst es! Viele werden so wie ich weiter in Gedanken mit Dir reisen. Danke, dass Du uns mit der Fortführung des Blogs weiter teilhaben lässt. Schon heute freue ich mich auf den nächsten Beitrag.
    Bleib behütet
    Uta

  8. Lieber Martin
    Vielen Dank für deinen Bericht, der zu Herzen geht. Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe in den letzten anderhalb Jahren an deinem/euren Leben teilhaben dürfen und immer mit euch gefiebert. Dass es nun so traurig geworden ist, ist sehr, sehr schade, aber wahrscheinlich nicht mehr zu ändern. Also musst du deinen Traum alleine weiterleben und das wirst du auch schaffen. Für die Rückfahrt findet sich sicherlich eine Lösung und in der Karibik ist ja auch der eine odere andere Freund für dich da.

    Es freut mich sehr, dass du uns auch weiterhin an deinem Leben teilhaben lässt. Bitte lass uns weiterhin wissen, wie es dir geht.

    Liebe Grüsse Gisela

  9. Lieber Martin

    Bin durch das MM auf deinen Blog gestossen. Was für ein Abenteuer…

    Die Claudia ist ein Superkumpel und hat ihren ‚Vertrag‘ erfüllt. 2 Jahre, das wars dann. Die Hölle, zwangsweise an Bord zu sein, habt ihr ja überstanden.

    Um dich macht man sich keine Sorgen. Du bist zwar traurig, aber lebenstüchtig. Für Claudia bist du ein wenig verantwortlich, falls die es noch zulässt. Lass die nicht im Stich bei den ‚Wilden‘, denn das gibt immer Aerger.

    Sie war solidarisch – sei du es auch, obwohl ihr nie wieder ein Paar sein werdet. Achte darauf, dass diese tolle Frau nicht untergeht.

    Gute Rückreise!

    CorF

    1. Ich antworte sehr selten auf Blogeinträge, bin eher der „stille“ Leser, aber hier möchte ich jetzt doch kommentieren: Sorry, aber was heißt „Vertrag erfüllt“? 😳 …eine Beziehung ist für mich kein „Vertrag“ … und Martin ist in keiner Weise mehr verantwortlich für Claudia ( meine Meinung)…sie ist alt genug und hat sich Ihre Entscheidung ja sicherlich gut überlegt, mit allen Konsequenzen, wenn auch ihre Gründe für mich und viele andere nicht wirklich nachvollziehbar sind (was aber auch nicht wichtig ist, denn es ist ja Ihr Leben)….und es ist sicher nicht Martins Aufgabe, jetzt weiter auf Claudia zu achten….die Trennung kam von ihr, Solidarität hat Martin mehr als genug gezeigt, und ob Claudia „untergeht“, liegt einzig und alleine bei ihr, was ich ihr natürlich nicht wünsche …Ich wünsche Claudia viel Glück , dass sie ihren „Weg“ findet und Ihre Entscheidung nicht bereut und Martin wünsche ich, dass er wieder seine Lebensfreude findet (ist ja auf einem guten Weg 👍😊), wieder Spaß an seinem Traum hat, uns allen weiterhin mit so tollen Videos und Blogeinträgen an seiner Reise und seinem Leben teilhaben lässt und dass er wieder gesund zu Hause ankommt ⛵️🌊⚓️

  10. Spannender als jedes Buch. Welche Wege das Leben doch zeichnet. Schau immer nach vorn, alles wird gut, die Community wird das Schiff sicher nicht verlassen…

    Liebe Grüße von einem Freiberger, der Deine Leidenschaft fürs Segeln teilt.

    1. Hallo Björn,

      Irgendwie passt da der Spruch: „If you want to make God laugh, tell him about your plans“ (Wenn du Gott zum lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen)

      Ist fast wie die Regel Nummer 1 beim Segeln: „Stay ON the boat“

  11. Lieber Martin,
    was für ein toller Beitrag. Meine Hochachtung.
    Sicher habe alle, die hier mitlesen, so wie ich, überlegt, wie sie Dich unterstützen können, damit Du genau den Weg findest, den Du jetzt eingeschlagen hast. Liebes Aus und Verlassenwerden rufen schmerzliche Gefühle hervor. Das Loch in das man fällt, nicht wissen, wie es weiter geht und die Frage, lohnt das Weitergehen überhaupt, ist schwer zu überwinden. Und den Hinweis auf die immer gültige Weisheit “ Die Zeit heilt alle Wunden“ kann man da nicht gebrauchen. Das ist klar. Kennen wir alle. Deshalb ist es so wichtig, dass Du weiter machst.
    Ich könnte mir vorstellen, dass sich jemand aus Freundeskreis oder Familie findet, mit Dir das Boot zurück zu segeln. Es sind ja noch paar Tage hin. Bis dahin findet sich eine Lösung. Soweit ich weiß ca. 3 Wochen am Stück über den Atlantik und dann mehrere Etappen.
    Sei ganz lieb gegrüßt von Katrin

  12. Hey Martin,

    well done!
    Es macht Spass zuzuschauen, wie Du dich neu in dein Schiff verliebst.
    Wie schon oft geschrieben, es ist deine Reise, dein Abenteuer, mach es.
    Du kannst Dir sicher sein, wir fiebern, leiden, feiern und lachen mit Dir, auch wenn es leider nur virtuell geht.

    Uwe

  13. Hallo Martin,
    Sehr anrührend, persönlich, aber auch gut geschrieben! Schriftlich deine Gedanken zu sortieren und mit anderen zu teilen, kann wirklich hilfreich sein. Die Beweggründe von Claudi erscheinen mir schleierhaft. In der Karibik aussteigen? Wahrscheinlich braucht sie einfach Abstand zur Selbstfindung.
    Wünsche dir Martin, aber auch Claudi alles Gute!
    Klaus

  14. Martin, schau nach vorn! Nie zurück.

    Nutze deine Zeit, um dich an Neuem zu erfreuen. Verschwende deine Zeit nicht mit dem Grübeln über nicht mehr änderbare Dinge!

    Die Segel gesetzt und ab über den Atlantik!
    Hier wartet garantiert schon die zukünftige Frau Küttner. Nur weiss sie es noch nicht. Du auch nicht.

  15. Viel Glück Martin, wir wünschen Dir allzeit gute Fahrt immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel und im jeden Hafen eine Braut. Auch Claudi wünschen wir auf ihrem eingeschlagenen Weg alles Gute und viel Glück.

  16. Hallo Martin.

    Vielen lieben Dank für deinen tollen, ehrlichen und reflektierenden Beitrag.

    Schön, dass du uns weiter teilhaben lässt an deiner Reise.

    Bleib gesund.
    Schöne Grüße aus Solingen
    Christian

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