Vorbereitungen für den Winter (Persenning, Entgilben, Unterwasserschiff)

Einen wunderschönen guten Tag,

es geht auf den Herbst zu und da Selene diesen Winter draußen stehen wird sehe ich blau.

Das ist natürlich Quatsch. Ich schaue so verkrampft, weil ich gerade erkläre, daß ich meine Videokamera zu Hause vergessen habe :(. Deshalb ist das Video diesmal auch etwas kurz und recht verwackelt geworden. Ein Samsung Galaxy Tab-A ist eben kein passender Ersatz dafür.

Selene wird diesen Winter draußen stehen. Das mache ich aber nur mit einer gescheiten Persenning. Normalerweise ist Wasser an Deck kein Problem, jedenfalls so lange es frostfrei bleibt. Kriecht Wasser in irgendwelche Ritzen und dann kommt die Kälte, besteht die Gefahr von Frostschäden.

Dazu kommt, daß man über den Herbst/Winter praktisch nichts auf dem Deck kleben oder laminieren kann. Selbst so etwas wie die Fenster neu einzudichten, kann durch einen Regenguß schnell zur Herausforderung werden.

Da ich schon seit dem Kauf von Selene mit einer Persenning liebäugle, war dies die perfekte Gelegenheit Nägel mit Köpfen zu machen. Ich habe schon viele Baumarktplanen in den norddeutschen Herbststürmen fliegen sehen, weshalb ich dann doch etwas gescheites haben wollte. Man sollte sich manchmal sowieso nicht fragen … da kauft jemand ein Boot für 30 .. 50T€ und dann wird die Kiste mit einer 29,95€ Plane aus dem Supermarkt abgedeckt, die es beim ersten kleinen Huster von Poseidon gleich in Fetzen zerlegt …

Deshalb hatte ich bei meinem Segelmacher Dima Zenk (http://www.segelmacherei-zenk.de/) eine Persenning in Auftrag gegeben. Zum Glück hat er die Plane zweigeteilt – sonst hätte man das Teil weder tragen noch bändigen können. Ich habe schon eine Weile gebraucht, um sicherzugehen, damit ich die Persenning nicht falsch herum auspacke.

Da ich in meinem Blog kein Problem habe über Geld zu reden und das auch schon immer so gemacht habe, schreibe ich auch, wie viel die Plane in etwa gekostet hat. Geht mal von 2k€ netto aus.

Das klingt erst mal viel, was sicher auch wahr ist. Allerdings ist das Monster gute 100m² groß. Die Plane wird sicher um die 10..12€ pro m² kosten. Dann kommen noch unzählige Ösen, Schäkel (meist aus Niro) und Nähte hinzu. Dima meinte, daß er eine gute Woche damit beschäftigt war.

Daß die Persenning so geworden ist, wie auf den Bildern zu sehen, ist kein Zufall. Wir hatten vorab bestimmt eine Stunde über das Design der Plane diskutiert. Neben einigen Details gefiel mir die Idee, die Persenning bis zum Wasserpass zu ziehen. Das schützt das Gelcoat, aber vor allem kann man den Überstand auch abbinden und hat somit ein Dach. Das ist praktisch, wenn man z.B. bei Regen mal etwas unter dem Boot machen, oder den Rumpf reinigen/polieren möchte.

An dem Wochenende war in der Lagunenstadt das alljähliche Speedboot Treffen. Mich reizt das wenig, jedoch ist es Naturgesetz, daß es an diesem Wochenende schlechtes Wetter geben wird. Selbst der Wetterbericht weiß das mittlerweile und hatte entsprechende Vorhersagen getroffen. Anscheinend hat der große Meister auch bemerkt, daß ich an dem Wochenede nach Ueckermünde fahren werde und etwas Gnade walten lassen. Von daher war das die perfekte Gelegenheit gleich mal den ganzen Rumpf zu entgilben. Normalerweile stelle ich mein AntiGilb aus Oxalsäure, Zitronensäure und etwas Gelantine selbst her. Diesmal hatte ich aber noch eine halbe Flasche aus der Karibik an Bord.

Überall braune Schlieren und Flecken :/ Am besten sieht man den Effekt mit ein paar Vorher/Nachher Bildern:

Dem Kalk auf dem Wasserpass ging es mit verdünnter Essigessenz und einem Glizi-Schwamm an den Kragen:

Dazu kommen noch die Restarbeiten am Rumpf. Im Gegensatz zu dem stundenlangen Schleifen sind die paar cm² ein echter Genuß!

Ich hätte den Generator nicht unbedingt benötigt. Obwohl es ein zuverlässiger Honda ist, lasse ich das Gerät gern hin und wieder mal laufen. Das Benzin müsste noch aus St. Maarten sein (oder doch von den Azoren?).

Neben dem Eimer steht die Flasche mit dem Antigilb aus der Karibik 😉

4 Schichten später -> FERTIG!

Das Foto zeigt eine Sache, die ich mehrmals probiert, aber immer wieder aufgegeben habe. Das sollte sich nun rechen, denn diemal mußte ich es machen, auch wenn sich der Arbeitsplatz mittlerweile in gut 5m Höhe befindet.

Meine treue Boni-Whip Antenne 🙂 Es ist eine aktive breitband Antenne, die ich für den Empfang von NAVTEX Nachrichten verwende. Bei Tests zu Hause konnte ich damit Meldungen aus Oslo oder gar Griechenland empfangen. Damit reden wir von einer Reicheweite von gut und gern 1500+km! Leider ist die Antenne auf dem Verstärker fest korrodiert und würde beschädigt werden, wenn ich die Persenning über das Mast-Top ziehe. Meine naive Idee war einfach die Antenne komplett abzuschrauben, aber diese Verbindung war natürlich auch zusammengekeimt 😉 Für die 2 Schräubchen habe ich am Ende sicher eine gute Stunde gebraucht und bin die Leiter bestimmt 10 mal hoch und wieder runter geklettert. Hätte ich das nur gleich gemacht, als der Mast noch unten lag …

PS: Im Vordergrund ist meine Genua zu sehen. Die wird gerade vorbereitet, damit ein neuer Sonnenschutz eingenäht werden kann. Das Segel sieht nach rund 16000 Meilen und 2x Atlantik noch richtig gut aus.

Auf der Fahrt zum neuen Winterlager hatte ich auch einen Riß im Deckel des Seegrasfilters festgestellt. Anstatt einen neuen Filter zu kaufen, habe ich kurzerhand einen mit dem 3D Drucker hergestellt. Es ist PLA und ja ich weiß – das ist nicht unbedingt für ständigen Wasserkontakt geeignet. Ich werde die Sache einfach mal im Auge behalten. Einen neuen Seegrasfilter kann ich später immer noch kaufen. Das Teil ist zumindest deutlich massiver, als der originale.

Passt doch super!

So – damit wäre das Wochenende vorbei. Falls noch jemandem der Preis für die Persenning im Magen liegt, ist hier meine Rechnung.

Das Winterlager in der Halle für Selene kostet immer so um die 1500€ netto. In der Werft, wo ich jetzt bin wird es vermutlich um die 2000€ kosten, wenn überhaupt ein Hallenplatz frei wäre. Im Freilager kann man etwa von einem Drittel bis maximal die Hälfte der Kosten ausgehen. Der Einfachheit halber rechne ich mal mit der Hälfte – damit macht sich die Persenning nach 2 Wintern bezahlt. Mir wurde gesagt, daß so ein Teil (bei pfleglichen Umgang) gut 20 Jahre halten kann – klingt doch gut! Zu dem bin ich nicht immer davon abhängig einen Hallenplatz zu organisieren.

Das nächste mal werde ich wohl mal mein Deck aufsägen. Mittlerweile interessiert mich schon sehr, wie es an dieser Baustelle aussieht… Aber erst mal geht in den Segelurlaub nach Griechenland. So ist das halt beim Segeln – Man besitzt schon ein Boot und mietet sich dann noch eins 😉 Naa – ich möchte auch der guten alten Zeiten willen dort wieder mal hin. Immerhin habe ich meine meiste seglerische Erfahrung in der Ägäis gesammelt, die bekannt für staffen Wind und sportliches Segeln ist. Dort habe ich letztendlich auch das Selbstvertrauen gewonnen auf eigenem Kiel in die Karibik zu segeln – und natürlich wieder zurück. Das war seglerisch definitiv der interessanteste Teil 🙂

Vielleich gibt es ja über diesen Urlaub auch ein kurzes Video. Die Kamera habe ich zumindest schon mal im Gepäck 😉

So long,

Martin

Video:

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