Ankunft in Ueckermünde, ich bin wieder da!

Zu erst: ICH HABE ES GESCHAFFT! HAKEN DRAN!

Mannomann, die letzten Meilen gingen so Schlag auf Schlag, daß ich mit dem Filmen kaum hinter hergekommen bin.

Eigentlich wollte ich mir im Ärmelkanal und Ostsee viel mehr Zeit nehmen, um auch mental „anzukommen“. Leider hat sich meine Ankunft in Europa mehr und mehr verzögert. Erst habe ich ewig auf Grenada überlegt wohin es gehen soll. Dann war ich drauf und dran zu den Bahamas zu segeln, bis die Pläne mit Max konkreter wurden. Also ging es dann doch nach St. Maarten, um ihm die Anreise zu erleichtern. Die Überfahrt war toll und ich kann bestätigen: Ja, sie ist deutlich anspruchsvoller und war lang – sehr lang. Dazu hat sich dann die Organisation meiner neuen Crew (Henne) auf den Azoren ewig hingezogen. Aber nicht wegen Henne, sondern weil ich eigentlich eine andere Zusage hatte, die sich dann zerschlagen hat. Das hat alles dazu geführt, daß die Zeit hinten hinaus immer knapper wurde, weil auch der Meister am Wetterhebel sich öfter mal einen kleinen Spaß erlaubt hat. Es war aber auch so: Entweder gab es kaum Wind, oder gleich 25+ kn. Dazu kam, daß meine Mitsegler auch nur begrenzt Urlaub zur Verfügung hatten und das immer wie eine imaginäre Deadline in der Zukunft stand…

Zurück zur Ostsee:

Nach ein paar schönen Flauten-Tagen in Lemkenhafen sollte es weiter gehen. Es war Westwind angesagt, viel Westwind:

 

Ja, das waren die aktuellen Meßwerte. Ich muß zugeben, ich hatte keine Lust bei dem Wind über die Ostsee zu fahren. Eigentlich hatte ich gehofft, daß die Rückfahrt bei entspannten 15 .. 20 kn und Sonne stattfindet. Nun denn, es ist auf der Reise ja so einiges nicht nach Plan verlaufen, warum sollte sich das jetzt ändern?

Der Wind sollte nächsten Tag abnehmen und langsam über Nord auf Ost drehen. Das sollte unser Wetterfenster werden. Von Lemkenhafen nach Stralsund sind es 89 Meilen. Da der Wind am 25.08. tagsüber noch recht böig war, sind wir erst gegen 20 Uhr abgefahren. Das bedeutet natürlich eine Nachtfahrt, die Dave im Bett und ich mit Intervallschlaf verbracht habe. Ich wäre lieber am Morgen losgefahren, allerdings sollte der Wind am 26.08. gegen Nachmittag erst über Nord und dann auf Ost drehen .. und natürlich wieder zunehmen .. und Regen .. und Gewitter. Zum Glück ist das erst losgegangen, als wir schon in den Boddengewässern südlich von Hiddensee waren. Man hätte zwar noch durch die Ziegelgrabenbrücke (Rügendammbrücke) fahren können, aber wir hatten aufgrund des Wetters keine Lust mehr. Also wurde es Stralsund. Leider gibt es davon keine Videos – ich muß völlig vergessen haben zu filmen :/ Aber die Marina in Stralsund hat sich gebessert. Damals war alles nur mit einer Karte machbar, die man nur beim Hafenmeister bekommt. Das ist natürlich super, wenn der nur von 8-11 und 15-17 Uhr offen hat (Öffnungszeiten müssen nicht stimmen). Also Toiletten, Dusche, WLAN und Strom fällt aus, so lange man nicht beim Hafenmeister war. Das ist super, wenn man erst spät abends ankommt. Jetzt ist der Strom auf den Gastplätzen immer eingeschaltet und die Toiletten gehen über einen PIN-Code, den man sich zur Not auch erst mal beim Stegnachbarn erfragen kann. Auch Wasser und Strom wird nun pauschal abgerechnet – geht doch.

Wir waren zwar schon gegen 15 Uhr im Hafen, aber der Nachmittag ging recht schnell mit kleinen Einkäufen und anderem Krimskrams herum. Abends waren wir eigentlich auf Fischbrötchen scharf, aber es scheint in Stralsund alles gegen 19 Uhr zu schließen. So finden wir uns nach einigem hin und her in der Hafenkneipe Zum Goldenen Anker direkt neben der Gorch Fock wieder. Nach einem sehr leckerem Flammkuchen und ein paar Bierchen geht es zurück auf Selene.

Am nächsten Tag, dem 27.08. geht es mit der Brückenöffnung um 12:20 Uhr schon weiter. Mit uns eine Armada von anderen Segelbooten. Dazu kommen uns noch etliche Schiffe entgegen. Da wir mittlerweile Ostwind haben, war mir klar, daß es eine Maschinenfahrt wird. Einige haben die selbe Idee, aber andere wollen das segeln. Das geht stückweise sehr hoch am Wind. Leider wäre der Kurs für Selene zu hoch, sodaß ich pausenlos kreuzen müsste. Dazu gibt es noch Stücke, die genau gegen den Wind liegen. Nach den vielen tausend Meilen, die ich und mein Boot praktisch allein auf weiter Flur zurück gelegt haben, habe ich überhaupt keine Lust mich unter Segeln dazwischen durchzukämpfen. Also Maschine an und im Fahrwasser bleiben. Damit müssen mir auch die Segler ausweichen, die im Sund von einer zur anderen Seite kreuzen 😉

Das Ziel soll Lauterbach sein. Mit knapp 25 Meilen ein recht kurzer Schlag. Wir kommen sogar noch zum Segeln, denn auf dem Bodden scheinen alle anderen Kurs nach Wiek oder Greifswald zu setzen. Gegen 18 Uhr machen wir die Leinen fest, um am nächsten Tag schon wieder kurz nach 8 Uhr abzulegen.

Ich hatte zwar eigentlich vor noch mal in Peenemünde oder Krummin zu stoppen, aber uns hängt wieder mal die Zeit und die Wettervorhersage im Nacken. Der Wind weht aus Nord-Ost und soll am 29.08. gegen Abend auf Ost drehen, um dann die nächsten 2 bis 3 Tage mit gut 6 bis 7 Windstärken aus dieser Richtung zu wehen .. na toll. Dazu kommt Dave 😉 Er hat bis zum 3 September Urlaub und muß wieder nach Zürich – also sagen wir mal er hat bis zum 2 September Urlaub. Dann möchte er aber noch gern ein-zwei Tage zu seinem Haus auf Rügen, um dort ein paar Dinge zu erledigen. Das bedeutet, wir müssten eigentlich am 29.08. in Ueckermünde einlaufen. Mir ist völlig klar, daß ich bis dahin weder den Blogbeitrag fertig bekomme, noch irgend jemanden eine große Chance geben werde nach Ueckermünde zum Landfall zu kommen. Schade, aber es ging eben nicht anders.

So lassen wir Peenemünde links liegen und kommen genau zur Brückenöffnung an der Brücke in Wolgast an.

Im Peenestrom können wir dann stückweise sogar etwas segeln. Leider ist der Wind recht unstet und die Maschine muß immer wieder mithelfen, damit wir die Öffnung der Zecheriner Brücke nicht verpassen. 4 Knoten müssen es im Schnitt sein, um die 16 Meilen in 4 Stunden zu schaffen.

Um die Reststrecke bei der Wettervorhersage (Ostwind mit 6 .. 7 Windstärken) klein zu halten, Ankern wir direkt hinter der Hubbrücke Karnin und lassen den letzten Abend der Reise ausklingen. Dort schreibe ich auch noch schnell den Blogbeitrag, daß wir am nächsten Tag in Ueckermünde ankommen werden. Für mich persönlich sind die letzten Meilen über die Ostsee eigenartig. Nicht wegen den Temperaturen, dem Wind oder häufigen Regen. Um ehrlich zu sein stört mich das überhaupt nicht. Es vermittelt mir eher das Gefühl wieder Richtung Heimat zu kommen. Damit meine ich jetzt nicht, daß ich meine Heimat mit Regen verbinde 😉 Ich meine eher das wechselnde Wetter und die Jahreszeiten. Es hat eigentlich schon mit der Einfahrt in den Ärmelkanal begonnen. Vermutlich kamen die Erinnerungen, was auf Carriacou passiert ist, wieder stärker durch das Blättern in den Hafenhandbüchern hoch. Überall finde ich Vermerke und Zettel, die nicht von mir stammen. Wenn ich so überlege, wie aufgeregt wir noch waren und wie neu das alles war. Das erste mal Ärmelkanal und Tidengewässer. Wann ist das nächste Wetterfenster und wohin könnte man segeln? Im Kanal war es noch recht einfach irgendwohin zu fahren, wo man nicht ständig erinnert wird. Je näher ich der Ostsee und damit Ueckermünde komme, desto schwieriger wird das jedoch. Irgendwie ist das ja auch logisch, da ich in den Jahren vor der Reise mit Claudia viele Häfen in der Ostsee angelaufen bin. Auch Stralsund, Peenemünde, Kröslin, Krummin und natürlich auch Karnin. Nun Ankern wir auf einer Stelle, an der ich mit ihr schon etliche Male geankert habe. Ich denke mein Nebensatz bei Minute 14:00 im Video: „Ich hätte es schön gefunden, wenn wir die Reise zu zweit beendet hätten“ fasst sehr gut zusammen, was ich hier versuche in so vielen Worten zu beschreiben.

Am Sonntag, den 29.08.2021 regnet es morgens natürlich. Wir lassen uns aber dadurch nicht die Laune vermiesen, sondern gehen den Tag in Ruhe an. Der wichtigste Punkt ist natürlich die Flaggenparade.

Eigentlich kommen solche Paraden vom Militär und sind über lange Richtlinien geregelt, aber unter Seglern ist es üblich die Flaggen der besuchten Länder beim Einlaufen in den Heimathafen zu hissen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Zum Beispiel haben die Azoren eine eigene Flagge. Man könnte aber auch die portugiesische Flagge hissen. Oder Bequia, was zu Sankt Vincent und die Grenadinen gehört hat auch eine (inoffizielle) Flagge. Ich hisse einfach alles, was ich auf der Reise mal an die steuerbord Saling gezogen habe.

Dann geht der Anker auf und wir nehmen die letzten 10 Meilen in Angriff. Wir können sogar bis Ueckermünde unter Segel fahren. Trotz des bescheiden Wetters und dem straffen Nordwinds sind doch ein paar Leute gekommen und werden wir mehrmals fotografiert.

Im Hafen die nächste Überraschung, denn da steht meine Schwester Mandy und Ihr Mann Rico.

Da ich in der Lagunenstadt keinen festen Liegeplatz mehr habe, legen wir Selene erst mal an den Gaststeg. Es dauert nicht lang und es kommen ein paar bekannte Gesichter aus dem MZ Forum („dösbaddel“, „Greif“, „löwenherz“, ähm – Namen vergessen – und „Egon Damm“). Der Preis für die weiteste Anreise geht an Egon. Er ist die 662 km von Mücke nach Ueckermünde gefahren, um mir „Hallo“ zu sagen. Neben mehreren anderen Seglern kommt auch Katrin vom Speicher Ueckermünde vorbei. Etwas später stößt dann noch mein Cousin Leo (Lars) und Kumpel Jenser (Jens) zu uns.

Ich bekomme sogar so eine Art Pokal: Zwei Windbeutel – für jedes Jahr einen.

Da das Wetter gegen Abend immer schlechter wird und die Temperaturen fallen, verbringen ist einen lockern und lustigen Abend unter Deck. Die Verpflegung übernimmt diesmal der Lieferdienst. Es ist richtig schön mal wieder unter Menschen zu sein, die man kennt. Auch interessant ist, woher ich die Leute so kenne. Meine Schwester und mein Cousin sind natürlich Familie, Jenser ist ein langjähriger Kumpel, die Leute aus dem Forum kenne ich auch zum Teil schon gut 15 Jahre und zum Beispiel Katrin vom Kulturspeicher Ueckermünde kenne kenne ich vor allem aus Ihren Kommentaren und E-Mails während meiner Reise.

Leider war die Planung des Landfalls in Ueckermünde durch die Wettervorhersage und den endenden Urlaub von Dave recht schwierig und auch etwas anders geplant. Als jedoch Abends der Regen so aufs Deck von Selene plätschert, bin ich recht froh, daß nicht mehr Leute gekommen sind. Da wäre es doch etwas eng im Schiff geworden.

Die nächsten Tage verbringe ich mit dem Abräumen von Selene und Leo, Jenser und Egon mit Einräumen in die Autos. Zum Schluß werden es zwei PKW voll mit Ausrüstung, Essen und allen möglichen Krimskrams. Ich will Selene so leer wie möglich bekommen, damit ich unter Deck mal richtig klar Schiff machen kann. Es ist echt irre, wie viel Equipment man so über 2 Jahre anhäuft. Leider gibt es davon auch keine Fotos oder Videos. Ich kann mich nur daran erinnern, daß ich gefühlt ohne Pause nur am Räumen und Verpacken war. Dazu kümmere ich mich um den Winterschlafplatz von Selene. Durch Corona scheinen die Leute Geld zu haben und der Boots- und Wohnmobilmarkt liegt am Boden. Das war mir schon daran aufgefallen, wie voll die Sportboothäfen der Ostsee sind. Da war es gut, daß ich mich schon auf den Azoren bei Anja und Mike vom Winterlager gemeldet und einen Platz für Selene reserviert habe. Der eigentlich kurze Besuch im Winterlager, ob alles klar geht ist dann doch im Klönschnack bei Kaffee geendet und hat eine gute Stunde gedauert 😉

Eigentlich sollte Leo mein Taxi nach Hause werden, aber durch die schiere Menge an „Zeug“, was transportiert werden will, wird Egon mich nach Hause fahren. Noch mal vielen Dank dafür!

Leo fährt gegen Dienstag Mittag schon mal vor und ich mache mich bereit Selene nach über 2 Jahren das erste mal alleine zurück zu lassen. Die Abfahrt wird sich noch etwas verschieben, denn wir machen noch eine kurze Visite auf dem Boot von Katrin … Motorprobleme – genau mein Fachgebiet!

So kommen wir dann doch erst gegen 17 Uhr in Ueckermünde los und sind gegen 20:30 Uhr in Conradsdorf. Dort ist die Freude groß, denn ich sehe meine Eltern zum ersten mal nach zwei Jahren wieder .. und Sie natürlich ihren Sohn. Meine Mutter muß mich ständig anschauen, denn Sie kann gar nicht glauben, daß ich wirklich wieder da bin.

Da Egon am nächsten Tag wieder los will räumen sein Auto aus und meine Garage füllt sich mit den Sachen aus Selenes Bauch. Wahnsinn was für eine Menge auf das Schiff passt! Dann folgt ein langer Plausch was so alles passiert ist, was nicht passiert ist und und und. Nebenbei schleiche ich immer wieder durch meine heilige Halle und probiere hier und da aus, ob noch alles funktioniert. Nach etwas hin und her bekomme ich sogar meine alte Sirokko Dieselheizung und meinen GKW Kompressor von 1974 zum laufen. Nicht das ich es gerade bräuchte, aber es interessiert mich halt.

Am nächsten Tag fährt Egon wieder nach Hause. Es sind nun schon drei Tage seit dem Landfall vergangen und ich finde das erste mal etwas Ruhe, um das Ganze etwas setzen zu lassen. So sitze ich bestimmt 2 Stunden in meiner Garage und starre vor mich hin. Um mich herum liegt noch das ganze Zeug, was ich vom Boot mitgebracht habe. Dahinter sehe ich noch etliche Relikte aus der Vorbereitungszeit vor der Reise. Seinerzeit hatte ich das Gefühl, mir rennt die Zeit davon und ich hatte nicht wirklich Luft, um meine Garage noch mal aufzuräumen. Jetzt ist alles von einer dünnen Staubschicht bedeckt und es sieht aus, als hätte man das Ganze damals Hals über Kopf verlassen. Der Schnitt vom Bootleben auf Selene zum trauten Heim war dann doch etwas abrupt und ich komme ins Grübeln. Ob es gut war noch ein Jahr dran zu hängen? Was wäre, wenn ich das nicht gemacht hätte? Hätte es anders laufen können? Was kommt als nächstes? Was mache ich mit dem Boot? Wie soll es am Haus weiter gehen? Was ist überhaupt jetzt alles zu tun? Dazu kommen auch immer wieder die Gedanken, wie die Reise wohl abgelaufen wäre und wie der Landfall ausgesehen hätte, wenn Claudia nicht ausgestiegen wäre?

Wenn ich jetzt beim Schreiben so zurückdenke, würde ich sagen, daß ich in dem Moment völlig überfordert war. Auf Selene hatte ich immer einen guten Überblick, was zu tun ist, wo alles liegt und was ich benötige. Kurz gesagt: Nachdem ich mich gefangen hatte, war ich immer Herr der Lage. Hier ist alles wie neu. Ich war zwar in dem Moment zu Hause, aber irgendwie habe ich mich völlig fremd gefühlt. Ich finde den Timer, den ich Claudia zum Weihnachtsfest vor der Abfahrt geschenkt habe. Den hatte ich damals in Grenada neu gestellt. Seinerzeit standen etwa 220 Tage darauf. Daraus sind jetzt knapp über 5 Stunden geworden.

Ich beginne darüber nachzudenken, was in den letzten 220 Tagen so alles passiert ist und was es mir gebracht hat. Für mich persönlich waren die ersten Monate auf Grenada sehr schwierig. Dafür habe ich enorm viele nette Leute getroffen und persönliche Schicksale mitbekommen. Irgendwie verbindet auch so ein Erlebnis, wenn man sich nicht ganz verschließt. Dann war da natürlich noch Pratima, die mich sehr dazu ermutigt hat, mich um meine Verpflegung zu kümmern. Vor allem im Hinblick auf die anstehende Tour nach Europa. Irgendwann habe ich ihr mal gesagt, daß Sie sich damit ihr eigenes Geschäft kaputt gemacht hat. Dem hat Sie zugestimmt, aber im gleichen Zuge gesagt, daß ihr meine Situation nahe geht und Ihr der Umsatz egal ist. Und dann natürlich die Rückreise, auf der ich etliche sehr nette Leute getroffen habe. Spontan fallen mir da Wolfgang, Johannes, Anika und Kathlen ein.

Eine Sache ist jedoch am wichtigsten:

Ich habe Selene auf dem eigenen Kiel über den Nordatlantik zurück gebracht und damit nicht den einfachen Weg gewählt!

Der Endstand liegt bei 12248 Seemeilen und ich habe 17931 Stunden auf dem Boot gelebt.

Darauf bin ich schon sehr stolz.

Mit all diesen Gedanken im Kopf greife ich zur Kamera und nachdem ich auf Aufnahme gedrückt habe weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist einer der wenigen Momente, wo ich mal wirklich sprachlos bin.

Am 02.09. fahre ich wieder nach Ueckermünde. Es gibt viel zu tun und ich muß von meinem Liegeplatz weg. Demnächst soll das Powerboot-Treffen sein und der Hafenmeister benötigt jeden Liegeplatz. Weg gejagt werde ich natürlich nicht, sondern bekomme einen schönen Platz an der Sonnenseite des Hafens. Dort beginnt dann so eine Art Ritual. Ich möchte Selene Grundreinigen. Das bedeutet: Alles raus, durchschauen, aussortieren, putzen und wieder (sinnvoll) einräumen. Die Aktion hat auch den Vorteil, daß ich durch jedes Schapp, jedes Bodenbrett und jede Luke gehen werde. Dabei kann man gleich gut nach Schäden in der Struktur vom Rumpf schauen. Ich beginne im Bug und bin nach drei Tagen am Heck angekommen. Schäden habe ich keine gefunden – gutes Boot!

Eine Sache ist noch sehr interessant. Als ich morgens so in meiner Koje aufwache und an die Decke schaue ist mein erster Gedanke: „Ich fühle mich auf dem Boot mehr heimisch als zu Hause“. Danach überlege ich noch, daß ich auf dem Boot bin, aber wo ist das Boot gerade? Es rauscht nicht, also segeln wir nicht. Es schaukelt nicht, also liege ich nicht vor Anker. Ach ja! Ich bin in Ueckermünde! Eigentlich sollte der Skipper immer wissen, wo sich sein Schiff befindet, aber das ist mir wirklich oft passiert.

Die Frage: „Was passiert mit Selene?“ kann ich mittlerweile beantworten. Ich will nicht sagen, daß ich das Segeln satt habe, aber nach 2 Jahren und über 12000 Meilen auf dem Boot benötige ich erst mal eine Pause. Ich habe definitiv nicht die Lust am Segeln verloren, aber ich habe meinen Segeltrieb erst mal ausgesegelt 😉

Selene kommt demnächst in die Halle vom Winterlager und darf erst mal richtig trocknen.

Die 2do-Liste ist lang:

  • Unterwasseranstrich / Antifouling
  • Lager vom Ruder (wie eingelaufen ist der Schaft?) und Steuer müssen neu
  • mittlere Luke ist undicht
  • Das Deck hat ein paar weiche Stellen bekommen – da ist wohl Wasser in den Balsakern gekommen
  • Fenster möchte ich anders eindichten (auf den Azoren gab es nichts besseres)
  • am Mast müssen etliche Rollen neu gemacht werden
  • viel polieren
  • Ankerkette muß sicherlich neu
  • Laminat am Kiel möchte ich ändern
  • Borddurchlässe – Ventile neu (lassen sich alle noch schließen, sind aber z.T. undicht)
  • innen: Neue LED – die wasserfest sind

Bei den Arbeiten gibt es viele Dinge, die Farbe oder Harz beinhalten. Das ist im Winter immer recht kritisch und um ehrlich zu sein, habe ich mir drei Winter in der dunklen Halle die Finger abgefroren. Darauf habe ich definitiv keine Lust mehr. Ich habe mich dazu entschieden Selene über den Winter in den Tiefschlaf zu schicken und Sie dann im Sommer schick zu machen. Das Winterlager ähm… dann Sommerlager hat eine Halle für solche Arbeiten. Dort stehen die Boote mit etwas Abstand zueinander, es ist deutlich heller und man kann Dreck machen. Vielleicht chartere ich mal wieder ein Boot in Griechenland, aber der restliche Urlaub wird wohl an Selene verbracht werden. Mal sehen, ob ich es schaffe das Boot zur Saison 2023 wieder ins Wasser zu bekommen. Wenn man ganz alleine an so einem Projekt arbeitet, dann kann man kaum abschätzen, wie lange es dauern wird.

 

Verkauft wird das Boot aber nicht … vielleicht habe ich damit noch mal etwas größeres vor…

So long,

Martin

7 Antworten auf „Ankunft in Ueckermünde, ich bin wieder da!“

  1. Hallo Martin, ich bi so froh, dass du gesund wieder in der Heimat angekommen bist. Für deinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich dir viel Kraft und Zuversicht. Hab nochmals herzlichen Dank für deine sehr informativen Berichte. Es war immer eine Freude, sie zu lesen.
    Liebe Grüße Evi

  2. Martin, wir haben uns ja bereits zwei mal getroffen und konnten (aus meiner Sicht zu wenig) reden.

    An dieser Stelle nochmals, vielen Dank für das virtuelle Miterleben deines Traums, deine Zeilen und Filme haben mich sehr bewegt.
    Lass die „Wiedereingliederung“ ruhig angehen, die Gefühle welche Du beschreibst kenne ich aus eigener Erfahrung, jedes mal wenn ich längere Zeit im Ausland gelebt habe und nach Hause kam, ja dann habe ich mich auch immer gefragt, ok, das ist zu Hause aber warum fühlt es sich nicht so an?
    Also, genieße die Eindrücke, nimm Dir Zeit und gönn Selene die verdiente Pause.
    Du kannst einfach stolz auf diese Reise sein, soooo viele Leute, die es durchziehen und ihren Träumen freien Lauf lassen gibt es nicht.

    Uwe

  3. Hallo Martin,
    ich habe 2 Jahre Deinen (Euren) Block gelesen und Deine (Eure) Videos anschauen dürfen. Besonders freue ich mich, daß Du und Selene gesund in der Heimat angekommen seid. Sollte es mal wieder auf große Reise gehen und das wird es bestimmt, möchte ich wieder aus der Ferne dabei sein. LG Hubi aus Freiberg

  4. Lieber Martin, Du hast mich wirklich mit Deiner Ankunft ohne Vorankündigung überrumpelt. Ich hatte schon hin und her überlegt, wie wir Dich würdig empfangen könnten. Paar Tage nicht am PC gewesen und ich denke , ich sehe nicht richtig, bist Du schon längst da. Dank Deines Blogs konnten wir ein bisschen mit von der großen weiten Welt erleben. Ich hatte immer das Gefühl, ganz nah dabei zu sein. Dafür gebührt Dir Dank und ich glaube, auch uns werden Deine Berichte fehlen. Aber ich hoffe, irgendwann brichst Du zu neuen Abenteuern auf und wir dürfen wieder dabei sein. Bis dahin erst mal alles Gute für Dich.
    Herzliche Grüße von Katrin

  5. Hallo Martin,
    nach einem guten Törn macht sich Wehmut breit, wenn die Kaikante in Sicht kommt.
    Danke für’s mitnehmen auf Deine/Eure (alle Beteiligte) Fahrt. Dies ist schon eine große, abenteuerliche Reise!

    Auf Max’s Empfehlung habe ich den ganzen Blog nocheinmal durchgesuchtet, gelesen und geschaut, wie einen guten Roman, habe ich 2 1/2 Monate gebraucht.

  6. Lieber Martin, herzlich willkommen zu Hause und ein Dankeschön an die vielen aufregenden Berichterstattungen in den 2 Jahren mit allen Höhen und Tiefen. Ein Hoch auf deinen Mut und deine Zuversicht in jeglicher Wasser- und Lebenslage.
    Du kannst zu Recht stolz auf dich sein, dass muss man alles erstmal bewältigen.
    Ich wünsche dir in deinem neuen Lebensabschnitt alles Gute und genau soviel Kraft und mit deiner Selene immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel – Herzliche Grüße – Maria

  7. Sehr schön zu lesen. Wie immer.
    Ich kann nicht glauben, dass es vorbei ist. Danke für die Möglichkeit das alles so nah miterleben zu dürfen. <3

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