Ich fand mein Gliick, in Martinique – nicht!

Nach den kapverdischen und den vielen karibischen Inseln, die allesamt eine eigene Geschichte, Kultur und Sprache haben, steht als nächstes Martinique – die Blumeninsel auf dem Törnplan. Das französische Überseedepartement gehört wie Guadeloupe zur EU, wodurch unsere Einreise erheblich unkomplizierter ist – denken wir. Als EU-Bürger profitieren wir nicht nur von den vereinheitlichten Roaming-Gebühren, auch der Zahlungsverkehr erfolgt in €uro und wir genießen eine wesentlich höhere Bewegungsfreiheit. Die Lebensmittelversorgung soll ausgezeichnet und verhältnismäßig günstig sein, daher nutzen viele Langfahrtsegler die beiden französischen Inseln, um ausgiebig die Vorräte aufzustocken bevor es wieder zurück über den Atlantik oder weiter in Richtung Pazifik geht. Wir sind gespannt, wie sehr die europäischen bzw. französischen Einflüsse das Leben auf Martinique bestimmen, oder ob das karibische Lebensgefühl auch hier überwiegt.

Anfahrt auf Martinique

Auch auf die Gefahr hin, dass einige Leser nach diesem Absatz vielleicht schon aufhören, weiter zu lesen: Nein, Martinique hat nur sehr sehr wenig mit der Karibik, die wir bisher kennen, zu tun. Vom einladend freundlichen und entspannten Lebensgefühl der Kariben ist kaum etwas zu spüren, man hat zuweilen nicht einmal das Gefühl, willkommen zu sein. Nein, dieser Bericht wird kein Jubel-Beitrag werden, der Euch Lesern Lust auf einen Besuch bereiten wird. Die 7 Tage, die wir auf der Insel verbracht haben, kommen uns im Nachhinein bis auf ein paar wenige Ausnahmen leider wie vertane Zeit vor. Ich weiß, dass das Urteil sehr hart klingt und der Insel an sich wahrscheinlich in keiner Weise gerecht wird. Jedoch nützen die lieblichste Landschaft, die sandigsten Sandstrände und die türkisesten Buchten wenig, wenn kaum Kontakte hergestellt werden können, kein Interesse für Austausch oder Hilfestellung besteht und einfach die gewohnte Herzlichkeit fehlt.

Anse Mitan, türkiser geht nicht

Wie dem auch sein, eine der wenigen schönen Ausnahmen und für uns Grund unbedingt nach Martinique zu segeln war auf jeden Fall, dass wir Besuch aus der Heimat erwarten. Mein Bruder Marcus wird mit uns die kommenden zwei, vielleicht drei Wochen unterwegs sein und bis Dominica oder Guadeloupe mit segeln. So war zumindest vor 14 Tagen unser Plan, bedingt durch die Corona-Pandemie werden es wohl ein paar Tage/Wochen mehr werden – aber das ist ein anderes Thema! Martiniques Flughafen liegt nahe an der Hauptstadt Fort-de-France, die mit 80.000 Menschen mehr Einwohner beherbergt als ganz Dominica. Nach den beschaulichen letzten Wochen wollen wir nicht gleich einen „Zivilisations-Schock“ erleben und entscheiden uns, am gegenüberliegenden Ufer der weiten Bai de Fort-de-France in der „Ans Mitan“ am Point du Bout vor Anker zu gehen. Mit den letzten Sonnenstrahlen finden wir noch ein freies Plätzchen im dichten Ankerfeld. Ein traumhafter Flecken Erde, wie die meisten Ankerbuchten entlang der Süd- und Südwestküste bis Fort-de-France. Wäre da nicht das Wassertaxi, welches im 20 Minuten Takt von 7:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr Abends mit Vollgas durch das Ankerfeld prescht und dabei sämtliche Yachten zum Tanzen bring.

Auf der anderen Seite der Halbinsel gibt es eine Marina, in der das Einklarieren recht unkompliziert am PC erledigt werden kann. Wir wollen zudem in Erfahrung bringen, was eine Fahrt vom Flughafen per Taxi etwa kostet, ob es öffentliche Verkehrsmittel gibt und wo wir unsere Campingaz-Flaschen tauschen können. Kurz gesagt, es findet sich kein Mitarbeiter der Marina oder des Zollbüros der ansatzweise Englisch spricht. Selbst der Taxifahrer redet stoisch auf französisch weiter, obwohl er merken muss, dass wir kaum ein Wort verstehen. Mit meinen rudimentären Französischkenntnissen kann ich schon einfache Sachverhalte erfragen, aber um zu Kommunizieren ist dann doch ein gewisses Entgegenkommen des anderen Gesprächspartners notwendig. Wir sind keine 12 Stunden in Frankreich und Martin ist von der „Grand Nation“ schon reichlich bedient. Bis auf das Einklarieren inklusive einer Declaration de Santé (Gesundheitserklärung) ziehen wir unverrichteter Dinge von Dannen. Um es für Marcus nicht zu kompliziert und zu teuer zu machen, auf unser Boot zu gelangen, entscheiden wir uns doch noch nach Fort-de-France in eine Marina umzuziehen. Gerne hätte ich es gesehen, wenn er am nächsten Morgen in einer schönen karibischen Bucht mit Sandstrand und Palmen aufgewacht wäre. Statt dessen wird der erste Eindruck eine zwar schöne, moderne und gut ausgestattete Marina mit Schwimmstegen sein, die jedoch eingebettet neben einem kleinen Mangrovenwald zwischen Containerterminal und Gewerbegebieten liegt. Na gut, man kann nicht alles haben.

Die Marina Etang Z´abricots bietet jeglichen Komfort, den man aus europäischen Gewässern gewohnt ist: Duschen, Waschsalon, Marinaoffice, Internet, Supermarkt in der Nähe, Strom und Wasser an den Stegen. Das junge Fräulein an der Rezeption sprach ein ganz ausgezeichnetes Englisch und beantwortete uns geduldig alle anstehenden Fragen. Für eine Nacht an der Mooring außerhalb des Wellenbrechers sind 6 € zu zahlen, am Schwimmsteg mit Wasser und Strom werden 17 € fällig – ein mehr als fairer Preis, der wohl auch der Lage geschuldet ist. Wir nisten uns für drei Tage ein, die wir weniger für Sightseeing als viel mehr zum Proviant bunkern und Einkaufen von sonst nur schwer besorgbaren Dingen brauchen werden. Während sich Marcus erstmal etwas akklimatisiert, mit der Hafenharley die Gegend erkundet, Schnorcheln und SUP-paddeln geht, stürze ich mich mit Martin in die Einkaufsmeilen. Auch wenn es manchmal etwas nervig war, auf vielen Inseln nur wenig Auswahl bzw. sehr teure Lebensmittel vorzufinden, trifft uns das Überangebot wie ein Schlag. Nicht nur die Lebensmittelmärkte sind so überbordend voll. Nein, es reihen sich entlang der Küstenstraße ein Gewebegebiet an das nächste: Möbelhäuser, Baumärkte, Gartencenter, Shopping-Malls, … es ist laut, dreckig, chaotisch, es wird gehupt, geflucht, geschimpft, gerempelt – Ellenbogenmentalität, willkommen in Europa. Auch wenn die Einkaufstouren zum Discounter, zum Baumarkt oder zum Sportgeschäft nur 2 – 3 Stunden dauern, fühlen wir uns danach wie 6 Monate Arbeiten ohne Urlaub.

Um Marcus noch eine schöne Ankerbucht zu zeigen, geht es für einen Tag zur Grand Anse d´Arlet. Die Bucht ist wegen ihrem schönen langen Strand und den ausgezeichneten Tauch- bzw. Schnorchel-Spots beliebt. Wir schaffen es tatsächlich gegen 10:00 abzulegen und sind nach einer reichlichen Stunde bereits zum Mittag in der Bucht. An die 50 oder 100 Mooringtonnen liegen aus, aber nicht eine ist belegt. Alle Yachten ankern irgendwo dazwischen, wie zu erwarten die meisten mit französischer Flagge. Aber ich habe den Eindruck, dass es gar nicht so viele Charteryachten mehr sind … Corona? Die Herren fackeln nicht lange, bewaffnen sich mit Brille, Schnorchel und Flossen und tauchen für ne ganze Weile ab. Der Doyle-Guide hat nicht zu viel versprochen, im Uferbereich tümmel sich zwischen den vielen Felsen unzählige bunte Fische, natürlich Seeigel, Seegurken, Korallen und allerhand seltsames Getier – ein Welt, in die man stundenlang abtauchen kann, ohne dass es langweilig wird.

Ich muss mir aber nach den vergangenen Tagen mal wieder die Beine vertreten und ein wenig Ruhe suchen. Zu Fuß mache ich mich auf den Weg zur benachbarten kleinen Anse d´Arlet. Dahin führt ein schmaler Pfad über den Bergrücken hinauf nach Süden, der schließlich mit einer wunderbaren Aussicht auf die Bucht belohnt. Von oben wirkt der kleine Ort ganz hübsch, langer Strand, ein paar Yachten, einige Fischerboote, bunte Häuser. Die vielen Sonnenschirme, Strandliegen und Bars sind ungewohnt. Dazu dringt ein seltsamer Geräuschpegel nach oben, es sind einige Autos mit Lautsprechern unterwegs, die in einer unglaublichen Lautstärke ohne Unterbrechung ständig Durchsagen wiederholen. Verstehen kann ich leider nichts und denke mir, dass es vielleicht behördliche Ansagen sind, die möglicherweise etwas mit Corona zu tun haben. Aber die vielen Menschen am Strand sind davon völlig unbeeindruckt. Für die Franzosen sind Martinique und Guadeloupe in etwa das, was für Deutsche Mallorca oder Sylt sind – da würde sich auch keiner den Urlaub vermiesen lassen, nur weil eine behördliche Aufforderung durchgesagt wird.

Grand Ans d´Arlet
„Alte Börse“ – darin findet sich der Klarierungscomputer

Ans d´Arlet

Dass ich mit meiner Vermutung gründlich daneben lag, wird uns am Abend lautstark vor Ohren geführt. Zu Feier des Tages wollen wir uns ein Abendessen mit Blick auf die Bucht gönnen und die französisch-kreolische Küche ausprobieren. Nun, dazu müsste man aber auch eine entsprechende Lokalität finden, was sich recht schwierig gestaltet. War es am Nachmittag hier noch geschäftig voll, sind die meisten Lokalitäten schon oder noch geschlossen oder man schleudert uns ein knappes „fermé!“ (geschlossen) entgegen. Es findet sich dann doch noch ein Restaurant, wir sind die einzigen Gäste. Die französische Karte ist zwar lang, aber auf Grund unserer mangelnden Kenntnisse wenig aufschlussreich, wobei die Unterscheidung in pizza, poisson und poulet zum Bestellen reicht, die Bedienung kann uns auch nicht wirklich weiterhelfen. Egal, Hauptsache wir werden satt und es schmeckt. Vielleicht stimmt ja auch gleich noch das Ambiente. Ein paar Meter weiter wird an einer Lautsprecheranlage rumgewerkelt, es werden Lautsprecher an einer Art Bühne aufgestellt, Strippen gezogen und es versammeln sich immer mehr Leute auf dem kleinen Platz – Vielleicht gibt`s ja gleich schöne Livemusik denke ich noch, als mit ohrenbetäubenden Knarzen, Scheppern und Plärren die Lautsprecher ihren Dienst antreten. Uns fallen fast die Ohren ab, unterhalten ist nicht mehr möglich. Dann ist plötzlich wieder Ruhe, um kurz darauf wieder einzusetzen. Nichts gegen gute Musik, die kann und soll dann auch richtig laut sein. Aber dass was hier geboten wird, grenzt an Körperverletzung. Die wenigen Passanten auf der Straße, die Bedienung im Restaurant sowie die ansässigen Bewohner sind offensichtlich auch arg irritiert, kurz darauf reichlich verärgert. Nun beginnt ein Katz-und Mausspiel zwischen den Betreibern der Anlage und den Anwohnern. Zunächst wird die Megafonanlage (Martin meint, mit den Dingern wurde der zweite Weltkrieg propagiert) auf die andere Seite des Restaurants platziert, also nun unmittelbar hinter uns – juhu – aber das Kabel reicht nicht. Wir haben eine kurze Verschnaufpause, unser Essen ist ja leider noch nicht da. Mist, denn nun ist eine entsprechend lange Kabeltrommel gefunden. Also Stecker rein und volle Lautstärke, der Geräuschpegel liegt nun bei „vorbei fahrendem Güterzug begleitet von Presslufthämmern“. Als die beiden Herren zufrieden ihr Werk betrachtet haben und sich mit Handzeichen darüber verständigen, dass sie mit dem Aufbau nun zufrieden sind, ziehen sie von Dannen. Was würde wohl passieren, wenn jetzt jemand zufällig über das Kabel stolpert oder wenn zufällig eine Kokosnuss von oben in den Trichter fallen würde … unser Fantasie kenn keine Grenzen, allein es fehlt der Mut, schließlich sind wir hier die Gäste. Kurz darauf betritt der Betreiber des Restaurants die Bühne, ein paar mehr Kunden sind nun doch anwesend und haben sich wohl beschwert. Er schaut kurz nach rechts und links und dreht die Lautsprecher vom Restaurant weg in Richtung Stadt. Ein wenig später hat man an der Bühne die offenbar mangelhafte Dynamik der Beschallung bemerkt, die quäkenden Lautsprecher werden zurück gedreht. Statt Musik ist nun in der gesamten großen Bucht die Ansprache eines Lokalpolitikers zu hören, der sich eifrig über Frankreich, die EU und den Kapitalismus echauffiert. Ach ja, jetzt fällt es mir ein, in Frankreich sind demnächst Kommunalwahlen. Heute Abend bringen offenbar die Sozialisten ihre Weisheiten unter das schwerhörige Inselvolk. Wenige Anwohner sind davon begeistert, es schließen sich lautstark und unter Schimpfen, welches aber im Wahlkampfgetöse ungehört bleibt, Fenster und Türen. Ein Anwohner fast sich schließlich ein Herz. Wild entschlossen und mit dem Mut der Verzweiflung marschiert er schnurstracks auf die Lautsprecher zu, ein kurzer Blick ob ihn jemand aufhalten wird, dann wird der Stecker gezogen – Ruhe, herrlich! Obwohl uns seit einer halben Stunde nicht mehr zum Lachen zu mute ist, können wir nicht mehr. Martin zieht sich die Servietten-Stöpsel aus den Ohren, wir nutzen die Gunst der Stunde und verlangen die Rechnung.

Der Aufbruch am kommenden Morgen in Richtung St. Pierre erfolgt für unsere Verhältnisse wirklich zügig. Schon früh fahren die ersten Fahrzeuge mit Lautsprechern durch die Stadt, um jedem der es am Abend noch nicht verstanden hat, die wichtigsten Fakten erneut zu vermitteln – bloß weg hier! Nach St. Pierre, der nordwestlichsten Bucht Martiniques sind es nur 16 sm, die Sonne scheint, ein paar Wölkchen und es ist ganz moderater Wind vorhergesagt. Wir müssen noch nicht einmal den Steuerherbert (Windsteueranlage) einrichten, dafür haben wir ja Marcus an Bord 🙂 Mit konstantem Halbwind geht’s vorbei an der weiten Bai de Fort-de-France, doch direkt nach deren Querung segeln wir wieder recht dicht an der Küste entlang. Das bekannte Spiel aus Landabdeckung mit Wechsel aus Böe, Flaute und umlaufenden Winden beginnt. Marcus hat trotzdem seinen Spaß, schließlich werden Regatten bei Flaute gewonnen. Und so wird kurzerhand ein vorausfahrender Katamaran mit gleichem Ziel von Marcus als Teilnehmer seiner privaten Regatta erklärt. Die letzten 3 Meilen ziehen sich wie Kaugummi, mit 0.5 – 2.0 kn dümpeln wir und unser „Gegner“ von Böe zu Böe …. natürlich hat der Kat gegen uns (Marcus) keine Chance, bravo!

Die reichlich eine Meile lange Bucht bietet zwar auf den ersten Blick viel Platz zum Ankern, jedoch sollte man dabei mit Bedacht vorgehen und dies nicht bei Nacht versuchen. Zum einen ist eine weite „No-Anchoring-Zone“ eingerichtet, die als Tauchspot geschützt ist und nur ein schmaler Streifen zwischen Land und Markierungsboje frei lässt. Zum anderen fällt die Küste hier sehr schnell und steil ins Meer ab. Man muss schon recht weit an Land fahren, um den Anker bei unter 10 m fallen zu lassen. Zu dicht kann aber auch gefährlich werden, da die Strömung oft Landeinwärts steht und man somit mit dem Heck eventuell auf Grund gehen könnte, ganz zu schweigen davon, sollte der Anker ausbrechen.

Im der Nachmittagssonne wirkt das Städtchen am Fuße des Mt. Pele schon viel karibischer und ursprünglicher als all die Orte, die wir vorher auf Martinique besucht haben. Windschiefe Holzhäuser, Palmen, einige Bauruinen, Fischerboote, dazwischen ragt die massive trutzige Kirche mit ihren markanten Zwillingstürmen hervor. Der schlafende Vulkan Mt. Pele ist für die Stadt Fluch und Segen zugleich: Zum einen finden sich an den Berghängen die fruchtbarsten Anbaugebiete der gesamten Insel, eine überbordende grüne Vegetation durch die man stunden- und kilometerlang auf den höchsten Berg der Insel wandern kann. Zum anderen ist der verheerende Ausbruch des Mt. Pele 1902 der gesamten Stadt zum Verhängnis geworden. Obwohl sich die Katastrophe Wochen zuvor bereits angekündigt hatte, wurde die Stadt nicht evakuiert, knapp 30.000 Menschen kamen um’s Leben, sämtliche Schiffe im Hafen sanken, die Stadt wurde komplett verschüttet. Nur ein armer Tropf, der zum Zeitpunkt des Ausbruchs hinter dicken Mauern im Gefängnis saß, überlebte. Die Spuren der massiven Zerstörung bzw. kompletten Auslöschung St. Pierres sind an vielen Ecken noch erkennbar, zahlreiche Ruinen wurden ausgegraben und gesichert. Es wurde eigenes ein Museum sowie eine Art Lehrpfad durch die Stadt errichtet. An vielen Häusern erinnern großformatige Photographien an ehemalige Bewohner. Die gesunkenen Schiffe liegen in 20 – 100 m Tiefe und können mit Tauch-Guides erkundet werden.

   

Die Geschichte interessiert mich schon sehr, ebenso die Wanderungen. Dazu sollen in der Touristinfo gegenüber des „Mémorial de la Catastrophe de 1902“ im oberen Stadtteil Karten zu bekommen sein. Es ist schon wieder Samstag, ich muss mich also sputen, denn morgen ist laut Auskunft die Touristeninfo geschlossen. Leider auch heute, bzw. ist auf einem Aushang zu lesen, dass das Büro samt Immigration-Office umgezogen sei und nun im unteren Stadtteil nahe der katholischen Kirche in der alten Börse untergebracht ist … also wieder zurück. Ich drehe mehrere Runden um die Kirche, die Börse, den großen Platz Benin, aber es ist nicht zu finden. Na gut, irgendjemand wird mir wohl weiterhelfen können. Auf allen Inseln und in allen Ländern hat das bisher super funktioniert: in Landessprache zu Grüßen, ein paar Worte zu wechseln und zu erklären, dass man eine Frage/ein Problem habe und ob das Gegenüber vielleicht auch englisch sprechen könnte. Wie gesagt, bisher. Wobei, in Festlandfrankreich sind wir mit der Strategie auch so gut wie nirgends weiter gekommen. Entweder du kannst Französisch, oder du hast ein Problem! In einer kleinen Bar sitzen eine handvoll Europäer/Segler (die sind ja hier nicht schwer zu erkennen), vielleicht kann mir da jemand weiterhelfen. Die Bardame versteht zumindest mein Problem und will mich zum Memorial zurück schicken. Ich zeige ihr den abfotografierten Aushang. Daraufhin zuckt sie mit den Schultern und meint, sie sei schließlich nicht die Auskunft – T’schuldigung, dass ich gefragt habe. Der Tisch mit den Seglern erweist sich auch nur als eine Versammlung von Franzosen, die keine Sprache außer ihrer eigenen beherrschen. Irgendwas will man mir schon mitteilen, aber ich verstehs einfach nicht. Noch dazu entbrennt unter den 4 Herren eine wilde Diskussion, der ich nicht folgen kann… ich verkrümel mich unverrichteter Dinge. Mir tut vor allem jetzt schon Martin leid, er spricht ja nun gar kein Wort französisch, aber als Skipper muss er sich gezwungener Maßen um den Papierkram kümmern – das wird ein Fest, ich höre jetzt schon das Gemecker.

Wir sind uns einig, dass wir so schnell wie möglich nach Dominica segeln wollen. Aber der Mt. Pele muss schon noch bezwungen werden. Zum Glück ist Marcus jetzt an Bord und nimmt uns die schweißtreibenden Begehungen von jetzt an ab … nein Spaß beiseite. 1.395 m von Meereshöhe aus sind schon ne Ansage, noch dazu bei den Temperaturen. Unser Duracell-Hase hat zudem kürzlich innerhalb von 6 Wochen einen 1.000 km Trail bewältigt und würde uns ähnlich wie unser Guide auf den Petit Piton davon rennen. Martin und ich werden also auf das Boot aufpassen und Marcus darf den Gipfel alleine und ohne zusätzlich keuchenden Ballast erstürmen. Wir drei sind mit dieser Arbeitsteilung „d’acord“, wie die Franzosen sagen. Während sich die Stamm-Crew um den aktuellen Blogbeitrag und das dazugehörige Video kümmert, geht’s für Marcus erstmal einige Kilometer entlang der Küste nach Norden, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt. Bis zum westlichen Parkplatz, von dem aus der Gipfel nur zu Fuß zu erreichen ist, dauert das Ganze ca. 3 h inklusive kurzer Pausen für Fotos und Videos. Unterwegs wird er von einigen besorgten Wandergruppen darauf aufmerksam gemacht, dass es doch reichlich gefährlich sei, den ca. 1.5 stündigen Aufstieg alleine zu wagen. Zugegeben, man sollte schon fit sein und vor allem auf die Temperaturen sowie reichlich Trinkwasser achten. Aber rein vom Weg her ist für die Besteigung nicht zwingend ein Guide notwendig. Marcus hat sich heute wirklich einen der wenigen perfekten Tage ausgesucht, denn häufig ist der Gipfel von Wolken umhüllt und der Blick über die Bucht getrübt. Heute jedoch strahlt die Sonne und ich beneide ihn im Nachhinein schon um dieses Gipfelerlebnis.

  

Der Rückweg führt erst mal wieder zurück bis zu einer kleinen Schutzhütte, von da aus jedoch in östliche Richtung. Auch hier ist ein Parkplatz angelegt, der über Morne Rouge zu erreichen ist. Ein paar Kilometer davon entfernt, liegt der „Gorge de la Falaise“, eine tiefe Schlucht von knapp 1 km Länge, an deren Ende ein schöner Wasserfall zu finden ist. Keine schlechte Idee, sich dort nach dem schweißtreibenden Aufstieg eine Abkühlung zu gönnen. Leider ist der Zugang bzw. das gesamte Gelände eingezäunt und schon „fermé“ – also geschlossen – obwohl es gerade Nachmittag ist, schade! Der grimmig dreinschauende Wachposten lässt auch nicht mit sich reden oder erklärt gar, warum denn schon zu ist. Ist halt einfach so, basta! Für Marcus steht jetzt ein langer, langer Rückweg (16 km) auf asphaltierter Straße nach St. Pierre an. Ich hatte ihm schon gesagt, dass er heute zum Sonntag sicher kein Sammeltaxi finden wird, also bleibt nur zu Trampen. In der Karibik war das für uns bisher nie ein Problem, auf Martinique ist auch das scheinbar anders. Es dauert eine ganze Weile, bis ein klappriger Kastenwagen hält und Marcus wenigstens bis Morne Rouge mitnimmt. Große, schicke europäische Autos sieht man hier zu Hauf, aber die nehmen wohl allesamt keine „verwahrlosten“ Tramper mit. Das letzte Stück darf er bei zwei jungen „Yaeh-Yaehs“ in einem zerbeulten Vehikle mitfahren, leider ist die Verständigung wieder kaum möglich aber er landet doch kurz darauf in St. Pierre.

Zur Belohnung und weil ich keine Lust auf Kochen habe, versuchen wir es erneut mit Auswärtsessen. Größtes Problem ist diesmal jedoch das An-Land-Kommen. Dinghy-Stege haben wir in der ganzen Bucht keine gesehen und so bleibt nur der Fischerei- bzw. Fähranleger. Die betonierte Plattform ist entsprechend hoch, verfügt aber an der rechten Seite über zwei Leitern, die das Auf- und Absteigen erheblich vereinfachen. Der große Nachteil ist die Konstruktion des Steges an sich. Macht man das Dinghy bei Hochwasser fest, wird es permanent gegen den rauen Beton gespühlt und reibt sich wahrscheinlich irgendwann auf. Fällt der Wasserstand treiben die Beiboote unter den massiven Steg und werden bei jeder Welle dagegen gedrückt, was vor allem die Außenbordmotoren fürchterlich zurichten kann. Martin ist anfangs gar nicht glücklich, vielleicht ist es doch am Besten einen kleinen Anker mitzubringen und den als Heckanker zusätzlich am Dinghy auszubringen, um das Boot vom Steg fern zu halten. Nun haben wir aber keinen dabei, also wird das ganze Bötchen samt Motor auf den Steg gehieft … manchmal ist es doch ganz gut, nur so ein Mini-Dinghy zu haben.

Ein Restaurant ist auch schnell gefunden und diesmal gibt es eine absolute Empfehlung. Wer mal in St. Pierre Urlaub machen sollte, dem sei das La Vauge ans Herz gelegt. Ein kleines, feines Strandrestaurant mit Blick auf die Bucht, keine riesige Auswahl aber sehr sehr lecker. Und noch ein Tipp: Bestellt man in der Karibik einen Rumpunsch, ist dies meist ein fruchtiger Rum-Cocktail/Longdrink, der nach eigenem aber meist ähnlichem Rezept hergestellt wird. Auf Martinique bekommt man als Rum-Punsch ein Glas reinen Rum (45 – xx %), der mit Rohrzucker oder Zuckersirup sowie Limettensaft angerührt wird. Die meisten Touristen sind froh, wenn dazu eine kleine Flasche stilles Wasser zum Verdünnen gereicht wird. Fairerweise muss man dazu sagen, dass der karibische Rum, egal ob aus Grenada, St. Vincent, St. Lucia oder Martinique, keinesfalls mit dem Fusel den man so aus Deutschland kennt, zu vergleichen ist. Der hier destillierte Rum ist zuweilen zwar sehr straff (mit bis zu 80 %), aber man wird nicht gleich blind und er schmeckt in der Regel sehr sanft. Es gibt viele kleine Hersteller neben einigen namhaften und prämierten Destillen – für die Einheimischen eine Frage des Geschmacks, wie in Deutschland stundenlang über Bier diskutiert werden kann. Eine der bekanntesten Destillen „Depaz“ liegt nur 4 km über St. Pierre in den Bergen, eigentlich müsste man da auch mal noch hin.

Wahrscheinlich werden wir das nicht mehr schaffen denn übermorgen (Dienstag) wollen wir endlich nach Dominica. Auch wenn es nur ein Schlag von ca. 35 Meilen ist, muss das Boot vorher gründlich aufgeräumt werden. Auf solcherlei Aufgaben hat man ja nie so richtig Lust, noch dazu bei den schweißtreibenden Temperaturen unter Deck. Dementsprechend dümpelt der Tag mit Tun und Nicht-tun so vor sich hin, für Unternehmungen ist am Nachmittag dann leider keine Zeit mehr. Die Jungs suchen sich die vielleicht angenehmere Aufgabe aus. Mit Bürsten, Schwämmen, Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet rücken sie dem bremsenden Bewuchs an Selenes Rumpf zu Leibe – mit sichtlichem Erfolg, wie sich bald zeigen wird. Wir checken am Abend die Wettervorhersage und siehe da, zu früh gefreut. Es ist ONO-Wind mit 22 – 26 kn angesagt, Böen um die 29 kn. Aus Erfahrung wissen wir, dass es dann doch eher Wind aus NO sein wird und die Böen den tatsächlichen Wind angeben. Marcus freut sich schon – Regattamodus! Wir winken aber ab, Selene ist schließlich unser Zuhause und keine geliehene Renn-Semmel. Also warten wir noch einen Tag ab und verschieben die Weiterfahrt auf Mittwoch.

So, was tun mit dem geschenkten Tag? Da wäre noch die Wasserfall-Schlucht und die Rum-Destille … am Besten beides! Zum „Gorges de la Falaise“ soll man ganz gut mit dem Sammeltaxi kommen, zur Destille ist es eine kurze Wanderung von ca. 45 min. So richtig schaffen wir es nicht, am Morgen in die Gänge zu kommen und sind erst Mittag am Fischerei-Steg. Wieder das Problem: Was tun mit dem Gummiboot? Einige „Experten“ haben ihr Dinghy direkt mit kurzer Leine an den Leitern befestigt, man kann sie also nicht zur Seite schieben, um wenigstens auszusteigen. Andere haben nicht an den schwankenden Wasserstand gedacht und wir sehen zwei Dinghys, die bereits unter der Betonplattform arg gebeutelt werden. Bei einem hat sich das Boot direkt mit dem Außenbordmotor unter den Betonplatten verkeilt. Wird nicht lange dauern, bis dieses voll Wasser läuft und die Maschine kaputt ist. Wir ziehen unser Bötchen mit der Nase nach oben, damit nur noch das Heck im Wasser treibt. Martin ist wieder nicht ganz wohl dabei und so geht er kurz darauf nochmal zurück. Zum Glück, denn gerade versucht einer der Unglücklichen, sein Boot unter dem Steg heraus zuziehen, was alleine nicht möglich ist. Zu zweit geht’s dann … vielen Dank!

Am zentralen Taxi- und Sammelbusstand stehen wir uns dann eine ganze Weile die Beine in den Bauch, so oft scheinen die „Öffies“ hier wohl nicht zu fahren, aber auch Taxis sind keine zu sehen. Irgendwann kommt dann der Bus und ich frage den Fahrer, ob er uns am Gorges de la Falaise rauslassen kann… öhm … naja … er wisse nicht wo das ist. What?! Aber ich soll ihm vorher Bescheid geben, dann können wir aussteigen. Alles klappt wie besprochen, wobei die Haltestelle mit Wartehäuschen und Bushaltestellenschild nun wirklich nicht zu übersehen ist. Egal, von hier aus sind es nur 15 min zu Fuß. Wie es der Zufall will, öffnet sich in dem Moment der Himmel wieder einmal und es regnet kurz und heftig. Bei den Temperaturen ja auch kein Problem. Außerdem werden wir sowieso gleich ziemlich nass werden.

Für die Wanderung durch die Schlucht, die nur mit Guide erlaubt ist, sind Gummilatschen und Badesachen empfohlen, denn der Weg zum Wasserfall führt teilweise direkt durch den Flusslauf. Es macht auch wenig Sinn, Taschen oder empfindliche Technik mitzunehmen, da dies alles nass werden würde – spätestens am Ende der Schlucht, wo man entweder neben dem Wasserfall hinuntersteigen kann oder die 3 Meter ins Becken springt. Es ist 15:00 Uhr und es sollte noch 2 Stunden geöffnet sein … sollte! Marcus warnt uns schon vor, denn von weitem erkennt er schon den misslaunigen Wärter von vorgestern. Noch bevor ich ihm ein freundliches Bonjour und unser Begehren auf Einlass erläutern kann, bellt er uns breitbeinig, mit verschränkten Armen unter seinem regengeschützen Tresen stehend ein „fermé!“ entgegen. Wie bitte? Pardon, monsieur? „Cést ferme!“ Wir gucken uns kurz ungläubig und dann noch einmal ihn an. Ich frage nochmal: „Fermé? Mais pour qui? (Geschlossen? Warum?) WEIL ES REGNET! Hä… will der uns verar…n? Wir wollen in einen Wasserfall, in einen Fluß! Ist doch egal, ob da das Wasser von oben oder unten kommt … ich verstehe die Welt nicht mehr! Es sei zu gefährlich, deshalb fermé! Basta! Damit ist die Konversation von diesem wunderbaren Mitarbeiter an einem der schönen und empfohlenen Naturschauplätzen Martiniques beendet. Kann ja sein, dass es tatsächlich irgendwelche abstrusen Sicherheitsvorgaben hier gibt, aber mal ehrlich, das könnte man auch anders kommunizieren. Noch dazu stehen wir drei Touris noch immer wie begossenen Pudel im Regen, währen der Herr Fermé mit seinen drei Kumpanen, die der ganzen Situation wortlos beiwohnten, schön im Trockenen auf uns herab schaut. Na gut, dann also Nicht. Während wir uns trollen, fällt mir auf, dass auf dem Parkplatz mindestens 10 Leihwagen stehen … wo sind die Leute? Doch nicht etwa noch in der Schlucht, das wäre ja unverantwortlich, zumal es heute Morgen schon geregnet hat. Just in dem Moment spaziert ein Pärchen aus dem eingezäunten Gelände und sie sehen nicht so aus, als wären sie gerade dem Tod entronnen … Obwohl das jetzt schon Tage her ist, könnte ich mich immer noch über so viel Unfreundlichkeit und Arroganz aufregen. Unser Sarkasmus kannte dort auf dem Parkplatz keine Grenzen, was möglicherweise im Video zu erahnen ist. Marcus war die Enttäuschung schon vor zwei Tagen anzumerken und nun das gleiche nochmal. Von meinem Skipper rede ich mal besser gar nicht. Es fiel mir so schon schwer genug, ihm immer wieder zu sagen, dass es bestimmt irgendwo auch nette Franzosen gibt … mmmh, ich zweifel gerade selbst ein wenig.

Wie zum Hohn kommt auch noch die Sonne raus, als wir zur Hauptstraße zurück trotten. Jetzt kann uns nur noch die Depaz-Destille den Tag retten, fraglich nur, ob wir es bis dahin schaffen, bevor auch dort fermé ist. Aus dem Busfahrplan werde ich nicht schlau und so müssen wir wohl warten, oder Trampen. Das scheint heute einfach nicht unser Tag zu sein!

Nach ein paar Minuten kommt tatsächlich ein Sammelbus und es ist der Fahrer von vorhin. Er staunt nicht schlecht, dass wir schon wieder zurück sind. Ich sage ihm, dass der Wasserfall wegen Regen geschlossen ist, er guckt mich ungläubig an und greift sich an den Kopf. Also wieder zurück nach St. Pierre? Nein, nein, wir wollen bitte an der Kreuzung zur Destille aussteigen. Da muss er dann auch lachen und gibt mir zu verstehen, dass das die richtige Entscheidung nach dem Reinfall sei. Wir steigen aus und.. ja .. es beginnt erneut zu regnen. Nach kurzem Fußmarsch vorbei an fast erntereifen Zuckerrohrplantagen erreichen wir ein unglaublich gepflegtes, riesiges Anwesen.

Von Ferne riecht man schon den eindringlichen Geruch von Zuckerrohrmaische. Die Depaz-Rum-Destille geht auf das Jahr 1651 zurück und ist damit fast 100 Jahre älter als die River Antoine Destille in Grenada. Von Altertümlichkeit ist hier aber kaum mehr etwas geblieben. Die Abläufe sind größtenteils automatisiert, es wird mit modernster Technik und computergestützten Systemen gearbeitet. Bei allem „High-Tec“ kann man als Besucher dennoch fast alle Produktionsabläufe besichtigen und in nahezu jeden Arbeitsbereich schauen. Dazu führt ein Besucherpfad über das Gelände an dem verschiedenste Maschinen und Arbeitsmittel aus früherer Zeit, die ursprüngliche Art der Rumdestillation erklären. Mit viel Zeit kann man hier schon zum Experten der Rumherstellung werden, noch dazu ist der Eintritt zum Gelände frei. Natürlich endet der Rundgang im Shopping- und Verkostungsgebäude. Wir lassen uns nicht lange bitte und testen uns „fachmännisch“ durch die 6 zur Auswahl stehenden Rums. Die Entscheidung fällt dann auch recht schnell, wer welchen Jahrgang als Mitbringsel sich eintüten lässt. Pünktlich um 17:00 schließt sich dann auch hier die Tür, die Sonne scheint wieder und wir halten alle eine große Depaz-Einkaufstüte in den Händen – manchmal hilft halt doch nur Shopping gegen schlechte Laune 😉

  

Wir haben, glaube ich, noch nie ein Fazit zu einem unserer Blogbeiträge geschrieben, bei Martinique kann ich es mir aber irgendwie nicht verkneifen. Die Insel ist schön, ein Karibikparadies wie all die anderen Inseln, der Name Blumeninsel kommt nicht von ungefähr. Es gibt herrliche Berge, atemberaubende Naturparadiese, Traumbuchten, Schnorchel- und Tauchspots, an denen man die Zeit vergessen kann. Doch etwas Entscheidendes fehlt und das sind die Begegnungen mit Menschen, die Herzlichkeit, die Aufgeschlossenheit, einfach das Interesse an meiner und deiner Geschichte. Woran das liegt? Ich meine, dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist die Sprache. Jeder weiß, dass der Schlüssel zu einer Gesellschaft und damit zu dem Menschen die Sprache ist. Fehlt die Sprache, herrscht Sprachlosigkeit oder Mißverständniss, es findet kein Austausch und damit auch keine Annäherung statt. Doch oft helfen schon rudimentäre Kenntnisse, um wenigstens einen Scherz zu machen und damit das Eis zu brechen, zur Not helfen dann auch Hände und Füße. Das hat bisher sowohl in Spanien, als auch Portugal, auf den Kap Verden und in der Karibik sehr gut funktioniert, denn auch hier muss man sich in die Sprache auf jeder Insel neu hineinhören. Voraussetzung ist natürlich immer der Wille zur Verständigung. Tut mir leid für alle Frankreichfans, aber das ist eine Eigenschaft, die meiner Meinung nach der „Grand Nation“ völlig fehlt. Wie, du kannst kein Französisch und sprichst mich auf Englisch an?! Tut mir leid, Pech gehabt, Gespräch beendet.

Der zweite Grund liegt glaube ich an dem Umstand, dass Martinique, wie Guadeloupe wahrscheinlich auch, eine ganz andere Rolle im internationalen Tourismusgeschäft der Antillen inne hat als die kleinen SVG-Inseln zum Beispiel. Hier starten und landen mehrmals täglich (wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht) Urlaubsflieger, die unzählige Pauschaltouristen hauptsächlich aus Frankreich einfliegen. Für den Nachschub an Gästen ist somit immer gesorgt. Viele Hotels, Gastronomien und sonstige touristische Dienstleister sind auf diese Gäste fixiert. Es werden schon vom Heimatland aus Reisepakete und Ausflüge gebucht oder mit den Kreuzfahrtunternehmen Verträge geschlossen. Für die hiesigen Anbieter somit planbare Geschäfte. Auf den einzelnen kleinen Individual-Langzeitsegler ist man da nicht mehr angewiesen. Während man auf den anderen karibischen Inseln zum Teil aggressiv umworben wird, die Schönheit der Insel gepriesen und sich nahezu ein Bein ausgerissen wird, all die Inselschätze zu zeigen, hat man auf Martinique teilweise echt Probleme, nur an entsprechende Informationen zu kommen. Wir hatten – leider – immer wieder das Gefühl, dass manche Fragerei einfach nervt, dass man als Gast auch gar nicht so willkommen ist.
Schlussendlich, Martinique steht auf unserer Hitliste momentan ganz stabil auf dem letzten Platz und um ehrlich zu sein, wir sind heilfroh, dass wir nach Dominica gesegelt sind, bevor diese andauernden Ein-und Ausreisesperren in Kraft getreten sind. Aber es gibt in Martinique wirklich schöne Blumen 😉

5 Antworten auf „Ich fand mein Gliick, in Martinique – nicht!“

  1. Hallo.

    macht Euch nichts aus den Franzmännern. Die haben doch nur Wehmut um ihre Grande Nation. Wir wünschen Euch Dreien
    noch sehr viel schöne Erlebnisse. Hier steht fast alles still wegen
    Corona.

    Grüße von Ruth und Egon

  2. Ihr Lieben,
    danke für den Beitrag. Es kommen wieder bessere Zeiten. Ich freue mich, dass Markus gut bei euch angekommen ist und mit seinen lustigen Aktionen aufmuntert.
    Ich wünsche euch eine wunderschöne gemeinsame Zeit. Macht das Beste daraus. Bei uns ist es gerade auch nicht sehr lustig.
    Bleibt behütet
    Evi

  3. Auf einem Foto ist Toilettenpapier zu sehen. Ladet den Dampfer damit voll und kehrt zurück nach Deutschland – es wird Euch fortan an nichts mehr fehlen!
    Ist in der Zwischenzeit das neue Gold geworden.
    Im Ernst: Bleibt gesund und munter.
    Martin

  4. Claudi,
    Du steigerst dich! Auch diesen frustrierenden Bericht hast Du so einfühlsam geschrieben. Danke, dass ich eure Höhen und Tiefen miterleben kann.
    Ich wünsche Euch, dass ihr unangenehme Situationen weiter so souverän meistern werdet.
    Karl

  5. Ihr Lieben, Ein sehr aufschlussreicher Beitrag . Der moderne Tourismus hat eben vieles verändert. Aber seit dieser Zeit hat sich sowieso wieder vieles geändert. Wir sind guten Mutes, dass sich alles doch wieder zum „Normalen“ wendet. Wir sind ja auf unserem Dorf ja ganz gut aufgehoben. Alles Gute von Erika und Friedrich!

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