Stuck in Paradise – die Inseln schotten sich ab … Corona/CovID-19 … und nu?

Es gibt weltweit sicherlich schlechtere Plätze, auf Grund der Corona-Pandemie irgendwo festzusitzen, als die karibischen Inseln. Insofern geht es uns hier auf Dominica recht gut. Jedoch treffen uns die sich täglich verschärfenden Einreisebestimmungen der einzelnen Inselstaaten inzwischen härter als befürchtet. Unser ursprünglicher Törnplan, der sich maßgeblich an der Hurrikansaison orientierte, wird nach jetzigem Stand so nicht mehr umsetzbar sein – fraglich ist, ob wir überhaupt wie geplant nach Europa zurücksegeln können. Im Moment sieht es nicht so aus, leider! Bei all unseren Reisevorbereitungen haben wir ja glaube ich, an so ziemlich alles gedacht, was anderen Langzeitseglern die Reise erschwert hat und ich meine, wir sind auf die meisten „Eventualitäten“ gut vorbereitet … aber eine Pandemie!?!?

Ganz nüchtern betrachtet, liegen wir genau im Zeitplan: Mitte März zwei Wochen Dominica, danach weiter nach Guadeloupe zum Nach- und Aufproviantieren. Im Anschluss hatten wir noch 3 – 4 Wochen für die nördlicheren Inseln wie Antigua und Barbuda oder alternativ über St. Kitts und Nevis, Saba, St. Martin und Anguilla geplant, von wo wir dann zur nächsten großen Etappe von ca. 900 sm in Richtung Bermudas aufbrechen wollten. Die Abreise aus der Karibik wird für uns durch den offiziellen Hurrikansaison-Beginn ab Anfang Mai diktiert.

Auf dem Bermuda-Atoll wollten wir gerne 2 – 3 Wochen verbringen und sobald sich ein geeignetes d.h. stabiles Wetterfenster auf dem Nordatlantik ergibt, die reichlich 1.700 sm zu den Azoren in Angriff nehmen. Ankunft und Aufenthalt waren für Juni vorgesehen. Nach diesem Zeitplan hätten wir dann theoretisch 3 Monate um ganz entspannt nach Europa, durch den Ärmelkanal, die Nordsee, evtl. die Dänische Südsee und schließlich in die Ostsee zum Heimathafen zurück zu segeln … das ist nach aktuellem Stand so nicht mehr möglich. Alle aufgezählten Inseln haben entweder striktes Einreiseverbot, Quarantäneanordnungen, Ausgangssperren o.ä. verhängt.

Momentan ist das größte Problem für uns die sich täglich verändernden Bestimmungen, die eine Reiseplanung oder überhaupt ein Entscheidung extrem schwierig machen. In den vergangenen Tagen haben sich daher einige Seglernetztwerke aufgebaut, auf denen fast stündlich Aktualisierungen publiziert werden. Allen Seglern, die sich in einer ähnlich misslichen Lage wie wir befinden seinen vorallem folgende Web-Seiten empfohlen, die Up-Dates zu allen Inseln im Atlantik, Pazifik, Europa und Amerika bereitstellen:

www.noonsite.com

www.trans-ocean.org

segeln-forum.de (evtl. Anmeldung notwendig)

Darüber hinaus gibt es eine Whats-App-Gruppe von Seglern in der Karibik, zu der wir gerne den Kontakt herstellen.

© www.noonsite.com

Dominica ist derzeit noch für Fahrtensegler als auch Chartercrews geöffnet und das Leben geht bisher noch seinen gewohnten Gang. Es legen zwar keine Fähren und Kreuzfahrtschiffe mehr an und man wird deutlich auf verschärfte Hygienebestimmungen hingewiesen, aber man kann sich noch frei bewegen, die Geschäfte sind nach wie vor geöffnet, es gibt keinen allgemeinen Shut-Down. Es wurde bisher nur eine Infektion bestätigt, die ein Einheimischer aus Guadeloupe mitgebracht haben soll. Schaut man sich alleine die Fallzahlen der benachbarten Inseln oder in Europa an, scheint Dominica momentan sicherer als Deutschland. Allerdings würde ich auch nicht unbedingt meine Hand dafür ins Feuer legen, ob hier jeder Husten, jedes Fieber, jeder möglich Covid19-Verdacht dokumentiert wird …

Wie auch immer wir unsere Reise nun fortsetzten, wir müssen uns auf alle Fälle mit einer 14 tägigen Quarantäne auf Selene einreichten und das auf jeder Insel! Das Prozedere sieht zumeist so aus, dass man sich schon ein paar Tage vor Anreise mit den offiziellen Stellen (Marin/Hafenbehörde) in Verbindung setzt. Man darf nur einen „Quarantänehafen“ oder „Quarantänebucht“ anlaufen und muss dort vor Anker darauf warten, dass Beamte an Bord kommen und die Einreiseformalitäten abwickeln. Dazu gehört u.a. Fiebermessen und eine Selbstauskunft auszufüllen, die die letzten 10 Häfen bzw. die letzten 30 – 40 Tage Aufenthalt umfasst. Die Versorgung mit Wasser und Treibstoff erfolgt auf See über die Behörden, die Versorgung mit Lebensmitteln ist nicht überall klar geregelt. Auf manchen Inseln sind Versorgungsfahrten an Land erlaubt, auf manchen absolut strikt untersagt und mit hohen Strafen versehen. Sollten Crewmitglieder aus Europa dabei sein, die vor weniger als 14 Tagen z.B. noch in Deutschland waren, wird man auf einigen Inseln, durch die Coast-Guard aus den eigenen Hoheitsgewässern eskortiert! Das Hissen der Q-Flagge hat sich damit eigentlich auch erledigt.

So verständlich die Maßnahmen auf den ersten Blick erscheinen, ist es für uns nicht ganz nachvollziehbar, warum die Quarantäne erst ab dem Einreisedatum beginnt. Die Überfahrt zu den Bermudas dauert ungefähr eine Woche, von den Bermudas zu den Azoren zwei. In dieser Zeit wird man sich kaum mit Covid19 infizieren. Dennoch muss man nach Ankunft die kompletten 2 Wochen isoliert auf dem eigenem Schiff bleiben. Würden wir für die Rückreise nach Europa nur noch 3 Inseln anlaufen (z.B. Guadeloupe, Bermudas, Azoren) würden alleine anderthalb Monate für Quarantäne vergehen, von dem Spießrutenlaufen durch den Ärmelkanal mal ganz abgesehen…

Das einfachste wäre natürlich, die Situation hier auszusitzen und zu hoffen, dass sich in ein paar Wochen die Lage entspannt. Aber so schön Dominica ist, von all den kleinen Antillen Insel, ist hier der denkbar schlechteste Platz die Hurrikainsaison abzuwettern. Es gibt keine Häfen, keine Werften oder Marinas, keinen wirklich gut geschützten Ankerplatz, keinen Mangrovenwald, in den man sich zurück ziehen könnte. Anfang Mai sollten wir entweder 1.000 sm nördlicher auf den Bermudas oder ca. 400 sm südlicher auf Grenada sein, um aus dem Hurrikaingürtel heraus zu kommen. Das „worst-case-szenario“ wäre für uns momentan, wenn sich die Situation so weit verschärfen würde, dass eine Rückkehr schnellstmöglich erfolgen muss und wir Selene hier zurück lassen müssten – ein mehr als unangenehmer Gedanke für uns, der so eigentlich auch nicht in Frage kommt!

Der Hurricangürtel

Wie auch immer sich die Pandemie in den kommenden Tagen/Wochen entwickelt, alle denkbaren und noch möglichen Optionen sind für unsere Reise nicht schön aber machbar. Wir sind trotzdem noch recht gut gelaunt und sprechen nun fast täglich Reiserouten durch, selbst der ganz großer Schlag von der Karibik nach Europa mit reichlich 3.500 sm wäre als Ultima-Ratio eine Option.

Bis dahin bleibt aber noch etwas Zeit und wir können uns wieder einmal in seemännischer Gelassenheit üben, Tauchen, Schnorcheln, Wandern, Blogbeiträge schreiben und Videos schneiden. Das nächste ist bereits in der Pipeline (Martinique) und sollte in ein oder zwei Tagen online gehen. Zudem bietet Dominica eine so außergewöhnliche, wunderbare und traumhafte Landschaft, dass uns momentan nicht langweilig wird.

In diesem Sinne, bleibt alle schön gesund, geht raus in die Natur aber alleine und wascht euch die Hände!

Ellbow-Pumps, Claudia & Martin & Marcus

PS: alle Bilder mit Kartenmaterial ohne Hinweis stammen von openseamap.org

13 Antworten auf „Stuck in Paradise – die Inseln schotten sich ab … Corona/CovID-19 … und nu?“

  1. Hallo, ihr Lieben!
    Heute fehlen mir die Worte. Wir denken schon, uns geht es schlecht, mit den ganzen Einschränkungen, aber eure Lage ist ja noch viel schlimmer.
    Haltet durch. Wir sind in Gedanken und im Gebet bei euch.
    Alles Liebe
    Evi

  2. Hallo Ihr zwei, genießt die Zeit so gut Ihr es noch könnt, und passt auf die Hurrikanzeit auf. Bin gestern aus dem Hafen zurück, das Kranen wurde auf den 23.5.20 verschoben, also bis zum Sommer denke ich passiert hier in Deutschland nicht viel. Bleibt gesund LG Jens

  3. Für die nächsten Tage wünsche ich euch erstmal einen sicheren Hafen und dann den besten Plan, den diese Situation für eine Rückkehr zulässt. Dieses Leben hat einfach immer wieder Wendungen parat, auf die man nicht vorbereitet ist. Gut, dass ihr mit betroffenen Seglern vor Ort gut verbunden seid.

    Haltet durch und bleibt gesund.

    Ganz liebe Grüße aus Dresden
    Anke

  4. Hallo Ihr Zwei,
    möchte mich einmal bedanken für eure Videos. Habe ja schon viel auf diesem Gebiet gesehen, aber selten so erfrischend ehrlich und ungeschminkt wie bei euch. Segle auch seit mehr als 10 Jahren und fühle mich derzeit sehr eingesperrt. Eure Filmbeiträge versüßen die Fernsehabende . Weiß auch was da für Arbeit drin steckt, Zeit welche man eigentlich genießen sollte. Aber es ist später auch eine so schöne Erinnerung und vieles kommt mit dem Film wieder. Aber bitte unterschätzt den momentanen Virus-Scheiß nicht, alle machen dicht, auf der ganzen Wellt. Bald auch bei euch, sucht euch schnell ein sicheres Plätzchen, wo ihr im schlimmsten Fall das Schiff für einige Zeit lassen könnt..
    Besorgt euch Lebensmittel für einen längeren Zeitraum und wartet damit nicht zu lange.
    Wir haben hier Ausgangssperre, wer hätte das je gedacht und der Virus verbreitet sich munter weiter.
    Haltet durch und bleibt gesund und DANKE für eure Filme
    Pit

    1. Hallo Pit!
      Herzlichen Dank für die Lorbeeren, es ist uns immer wieder eine Freude zu hören, dass wir mit unseren Berichten und Videos bei unseren Lesern Fernweh schüren können. Und ja, du hast recht, es ist sehr viel Arbeit, die uns aber auch viel Freude macht. Sind wir mal 14 Tage in Verzug, müssen auch wir mittlerweile überlegen, was wir gemacht oder erlebt haben, für unsere eigenen Erinnerung also auch sehr wertvoll.
      Momentan warten wir ab, Proviant, Wasser und Diesel sind reichlich vorhanden. Der Kontakt zu den Menschen der uns eigentlich bisher sehr wichtig war, ist leider nun auch auf das nötigste geschrumpft, die Skepsis der Einheimischen uns Europäern gegenüber ist deutlich zu spüren… verständlich.
      Aber auch das geht vorüber.

      Viele Grüße nach Deutschland
      Claudia & Martin

  5. Einen herzlichen Gruß an die SELENE-Crew,

    diesmal keine schönen bunten Bilder sondern eine nüchterne Situationsbeschreibung der Pandemie-Folgen leider auch für Euch. Beruhigend, dass Ihr gesund seid, mit kühlem Kopf die Situation analysiert und nicht in Panik verfallt. Da macht sich mancher in der Heimat möglicherweise mehr Sorgen um Euch wie Ihr selbst.
    Dennoch kann ich nachvollziehen, dass Ihr Euren gut durchgeplanten Törn vom Zeitablauf her in Gefahr seht. Sowas kann man tatsächlich nicht vorhersehen.
    Was mir für Euch am meisten leid tut: Ihr könnt in diesen Tagen die wundervolle Karibik nicht mehr mit der Leichtigkeit und Gelassenheit („oh man, be easy….“) auf Euch wirken lassen, wie ich es gemeinsam mit Euch von Grenada nach St. Vincent erleben durfte. Das wertet mein unvergessliches Reiseerlebnis nachträglich zusätzlich auf.
    Bleibt behütet und virenfrei
    Liebe Grüße
    Uta
    Uta

  6. Absoluter wahnsinn was im Moment abgeht, das hätte niemand vorhersehen können. Danke für die Berichte und bleibt gesund/isoliert. Welche Software habt ihr für die Routenplanung benutzt, das sieht schön übersichtlich aus?!

  7. Ihr Lieben, auch bei uns ändern sich die Situationen. Die Richtung ist aber Verschärfung. Wir wünschen Euch inständig das Finden der besten Lösungen. Behaltet kühlen Kopf. Wir sind in Gedanken immer bei Euch.
    So viel aus Conradsdorf Erika und Friedrich!

  8. Trotz aller Widrigkeiten ist es immer wieder schön eure Texte zu lesen und auch die Bilder anzugucken. Ich wünsche euch wirklich alles Gute – egal für welche Option ihr euch (notgedrungen) entscheiden werdet.
    Herzliche Grüße

    1. Merci Andreas! Und wie man bei euch so schön sagt: „… joa mei, dos geht sich aos!“ 😁
      Bleibt halt jetzt viel viel Zeit, BlogBeiträge zu schreiben und Bilder zu sortieren

      Liebe Grüße von der Selene

  9. Ihr Lieben, hatte schon über Martin, der es wiederum von Claudias Bruder in DD erfahren hatte, einiges von Eurem derzeitigen Status wissen können. BLEIBT VOR ALLEM GESUND! Ich bin es auch noch; Bautzen (nicht nur) fälltimmer rasanter in eine Art Dornröschenschlaf. Auf den erlösenden Prinzenkuss werden wir wohl noch eine Weile warten müssen…
    Herzlichst
    Hartwig

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