Dominica Teil 1 – Welcome to Garden Eden!

„Würde Kolumbus ein viertes Mal in die Karibik segeln, wäre Dominica die einzige Insel, die er wiedererkennen würde“ So zumindest lautet die vielversprechende Einleitung im Doyle-Guide der ursprünglichsten Inseln des Karibikbogens. Ein Naturparadiese, welches vom Pauschaltourismus bisher kaum erobert wurde und somit für viele Segler als Perle im Meer der unzähligen Trauminseln gilt. Ein Eiland, welches nur langsam aus einer Art Dornröschenschlaf geweckt wird, denn immerhin haben es die Kreuzfahrtunternehmen bereits in ihre Reiserouten aufgenommen. Zu einzigartig, zu spektakulär sind die Nationalparks und Naturwunder Dominicas, als dass man an ihnen vorbeiziehen könnte. In einer Anekdote heißt es, dass Kolumbus nach seiner Rückkehr vom spanischen König gefragt wurde, wie man sich Waitikubulis Landschaft, so der ursprüngliche Name der Insel, vorstellen kann. Daraufhin habe der Seefahrer einen großen Bogen Papier in die Hand genommen, ihn kräftig mit seinen Händen zusammengeknüllt und danach leicht auseinander gezogen. Unzählige steile Krater, tiefe Täler, mächtige Berge und schroffe Schluchten gäbe es, aus den Senken steigt schwefeliger Dampf hervor, die Bergketten kreuzen sich in allen Himmelsrichtungen, es gibt kochende Seen umrahmt von undurchdringlichem Urwald. Bedeckt von üppigen Grün, das nach oben strebt, sich kräuselt, klettert, hängt und fällt, ein Gewirr aus Bäumen, Sträuchern, Farnen. Dazu Vögel, Schmetterlinge und bunte Blumen in fantastischen Formen und man bekommt eine leichte Ahnung von der Vielfalt Dominicas.
Für uns klingt das nach dem kompletten Gegenteil von Martinique und so freuen wir uns wie kleine Kinder, als wir die für uns eher enttäuschende französische Insel mit Kurs Dominica am 10.03. verlassen….

Reichlich Wind aus Ostnordost sorgen für eine straffe Brise, die Überfahrt von ca. 35 sm reiten wir in knapp 6 Stunden ab. Dank der gründlichen Putzaktion von Martin und Marcus ist Selenes Rumpf fast blitzblank und so schnippt unsere alte Dame nur mit Vorsegel bei guten 7 – 8 kn in Richtung Roseau. Die Insel bietet trotz ihrer Größe nur zwei Ankerbuchten, die für einen längeren Aufenthalt geeignet sind. Zum einen die große Bucht vor Dominicas Hauptstadt im Südwesten und zum zweiten die Prince Rupert Bay bei Portsmouth im Nordwesten, dazwischen finden sich kleinere Spots für einen Tagesaufenthalt. In Roseau werden wir auf die uns bekannte Art empfangen. Glen, ein Mitarbeiter von SeaCat, fängt uns bereits beim Einlaufen ab und bringt uns an eine seiner Tonnen. Die Preise sind hier bei allen Anbietern gleich und so ist es uns egal, bei welchem der im Guide beschriebenen „locals“ wir festmachen. Glen ist wie die meisten boat-boys hier die personifizierte karibische Fröhlichkeit. Wir schnacken ne Weile und er erklärt uns, wo was zu finden ist und natürlich offeriert er uns, gleich sämtliche Touren ins Landesinnere zu organisieren. Zu sehen gibt es tatsächlich unglaublich viel im Süden der Insel, wahrscheinlich reichen noch nicht mal zwei Wochen, all die schönen Wanderungen und Naturspektakel im Umkreis von 10 km zu bestaunen. Für vieles wird ein offizieller Tour-Guide empfohlen, inklusive Abholung am Boot, Taxifahrt und begleitete Wanderung, was mit ca. 30 – 70 US$ p.P. je nach Wanderung zu Buche schlägt. Vieles kann jedoch auch mit Sammeltaxis erreicht werden und so wollen wir uns erstmal einen Überblick verschaffen, ob und wo es Sinn macht, einen Tourguide zu engagieren.

Erste Amtshandlung am nächsten Morgen ist wie immer, das Einreiseprozedere zu erledigen. Dazu geht’s zu dritt in unserem Mini-Dinghy einmal quer durch die gesamte große Bucht. Leider sind viel weniger Stege als im Hafenhandbuch angegeben, tatsächlich nutzbar bzw. überhaupt noch vorhanden. Die Spuren der verheerenden Hurrikans Maria und Harvey von 2017 sind noch immer unübersehbar. Auch im Gedächtnis der sonst so fröhlichen Bevölkerung hat sich die Katastrophe mit tiefen Spuren ins Gedächtnis eingebrannt, jede Erinnerung daran ist in den Gesichtern abzulesen, sobald die Rede darauf kommt. 90 % der Häuser wurden zerstört, die Natur massiv verwüstet, bis zu 9 Monaten waren Teile der Bevölkerung ohne Strom- oder Wasserversorgung. Den Schaden kann man sich kaum vorstellen, da so Vieles in so kurzer Zeit bereits wieder aufgebaut wurde und sich die Natur zum Glück so schnell erholte. Nicht zuletzt waren es Segler, die bereits kurz nach den Wirbelstürmen Dominica anliefen und ihre Hilfe beim Wiederaufbau anboten oder durch ihre bloße Anwesenheit, für Einkommen auf der Insel sorgten. Die Dankbarkeit darüber, hört man aus vielen Gesprächen mit den Einheimischen heraus.

Das Einklarieren dauert diesmal etwas länger, da die Corona-Krise ihre Schatten mittlerweile auch in die Karibik voraus schickt. Nichtsdestotrotz liegt ein großes Kreuzfahrtschiff am Pier direkt vor der Hauptstadtkulisse und natürlich ist die Hölle los. Unzählige Souvenirhändler, Taxifahrer, Tourguides und auch Bettler wuseln herum und bieten ihre Dienste an. Auf den Straßen und Märkten, in Restaurants, Bars und Shops tummeln sie die Besucher aus Übersee … ob das noch lange gut geht, denke ich kurz. Andererseits sind die Schiffe mit 2.000 – 3.000 Gästen wichtigste Einnahmequelle zahlreicher Dominicaner….

Wir versuchen ein wenig Abseits des Getümmels durch die Stadt zu schlendern. Gar nicht so einfach und ich glaube besonders für Marcus, der mit Roseau die erste karibische „Großstadt“ besucht, ist es eine geballte Ladung an neuen unbekannten Eindrücken von Menschen, Farben, Geräuschen, Gerüchen. Unser Weg führt quer durch die bunten, quirligen Straßen vorbei am Botanischen Garten an den Stadtrand. Dort ist das Foresrty Office zu finden, eine Art Nationalparkverwaltung in der man Kartenmaterial bekommen soll sowie die Eintrittskarten (Permits) zu den einzelnen Parks erwerben kann. Die Permits bekommen wir problemlos, entweder man zahlt einmalig an jedem Park 5 US$ oder für eine ganze Woche 12 US$ und kann sämtliche Natur-Sehenswürdigkeiten während dieser Zeit mehrmals besuchen. Wanderkarten sind leider nicht erhältlich, keine Ahnung ob es diese nicht gibt oder ob man mit einer Nichtherausgabe eventuell die lokalen Wanderführer unterstützen möchte. Neben unzähligen schönen und im Schwierigkeitsgrad sehr unterschiedlichen Wanderungen auf Berge, zu Seen oder Wasserfällen wurde auf Dominica zusätzlich der Waitikubuli-Trail errichtet. Auf einer Gesamtlänge von ca. 160 km, die in 14 Einzeletappen unterteilt ist, kann man Dominica von Norden nach Süden erwandern. Für den Trail ist dann jedoch ein zusätzliches Permit notwendig.

Trafalgar-Falls

Gleich hinter Roseau, nur wenige Kilometer hinauf in die Berge liegt gleich das erste Highlight Dominicas, die Trafalger-Falls. Laut Plan gibt es eine Sammeltaxi-Linie, die uns direkt bis nach Trafalger bringt und nur ein paar Cent kostet. Was wir nicht bedacht haben, ist dass jetzt am frühen Nachmittag die Sammelbusse vollbesetzt sind und die Schulkinder in die Dörfer zurück bringen. Etwas ratlos stehen wir an der Bushaltestelle, als ein reguläres Taxi hält. Wir sind anfangs unschlüssig, der Preis für 6 km und 3 Personen scheint uns ein wenig überzogen wenn man die Fahrtkosten für die Sammeltaxis kennt. Kurze Verhandlung, dann stimmt der Preis und los gehts. Die Fahrt ist schon unglaublich schön, Kurve um Kurve schraubt sich die Straße hinauf in die Berge. Bunte Häuser krallen sich auf winzigen Ebenen an die steilen Hänge, dazwischen dichter Regenwald und ab und zu ein Blick auf üppige grüne Täler wie Wodden Waven, das mit seinen kleinen vereinzelten Häuschen aussieht, als hätte man eine handvoll bunter Perlen in Mitten einer Wiese ausgeschüttet. Kurz bevor wir Trafalger erreichen, beginnt es ausgiebig zu regnen, es schüttet wie aus Eimern. Diese Art Wetterwechsel sind für Dominica wohl ganz normal, nach spätestens einer Woche werden wir uns daran gewöhnt haben, dass es am Nachmittag in regelmäßigen Abständen derartige Wolkenbrüche gibt. Aber wir wollten ja in den Regenwald, noch dazu zu einem Wasserfall – natürlich kommt uns da das unschöne Erlebnis von Martinique in den Sinn und wir hoffen, dass der Nationalpark nicht auch „fermé“ ist.

Aber hier hebt das niemanden an. Wir warten noch kurz bis aus dem heftigen Schauer ein Nieselregen wird, zeigen unsere Permits vor und sind nach wenigen hundert Metern am Aussichtspunkt zu den Zwillingswasserfällen. Was für ein Anblick! Der Höhere, auch „Papa-Fall“ genannt, stürzt aus ca. 40 m in die Tiefe, beim kleineren aber kräftigere „Mama-Fall“ sind es immerhin ca. 25 Meter. Bis 1995 flossen beide Wasserfälle zu einem großen Pool zusammen, der jedoch nach einem massiven Felssturz verschüttet wurde. Bei schönem Wetter, sprich ohne vorherigen Wolkenbruch, kann man über die tonnenschweren Felsbrocken zu beiden Wasserfällen klettern. Zum linken führt zusätzlich ein kleiner rutschiger Pfad, hinauf bis zum zwei kleineren Pools, von denen einer sehr kaltes und der andere sehr warmes Wasser sammelt – verrückt!

Leider will es heute so gar nicht aufhören zu Regnen, FlipFlops sind zum Klettern auch nur bedingt geeignet und so überlasse ich die Expedition hinauf zu den Wasserbecken unserem Außendienstmitarbeiter Marcus. Von dem Aussichtspavillon sehen die Felsblöcke gar nicht so groß aus. Als sich jedoch Martin zum kleineren Wasserfall auf den Weg macht und Marcus an den Felsen zum großen Fall einen Weg sucht, erkenne ich wie massiv die Steine sind – was muss das für ein Felssturz gewesen sein. Einige der tonnenschweren Brocken sind zudem während der Hurrikan wütetete, von oben herab gestürzt. Marcus bringt ja einiges an Erfahrung im Klettern mit und so sehe ich ihn dann irgendwann durch den Zoom meiner Kamera im obersten Pool planschen. Ganz ungefährlich ist die Aktion wohl nicht, so zumindest die Aussage des Pförtners am Eingangshäuschen. Bei heftigen Regengüssen sammelt sich natürlich sehr viel Wasser, welches dann über die Wasserfälle abfließt. Problematisch wird es wohl, wenn es nur oben in den Bergen regnet und sich später das Wasser sturzflutartig ins Tal ergießt. Marcus kommt nach einer reichlichen Stunde jedenfalls heil wieder bei uns an und bringt als Entschädigung fürs Warten echt schöne Filmaufnahmen von oben mit, noch dazu zaubert die Sonne einen wunderschönen Regenbogen an den Wasserfällen.

Zurück geht’s von Trafalgar mit dem Sammeltaxi und wir merken recht schnell, dass CovID-19 nun auch bestimmendes Thema untere den Einheimischen ist. Die Forderung, nach Schließung der Grenzen insbesondere für Kreuzfahrtschiffe wird immer lauter artikuliert. Die Menschen sorgen sich schon um ihr Einkommen, mehr aber um ihre Gesundheit und die ihrer Familien. Ich hoffe, dass die Stimmung nicht umschlägt und die bisherige Differenzierung zwischen Touristen (aus US, Deutschland, Frankreich, etc) und den Seglern, welche seit Monaten keinen Kontakt in ihre Heimat hatten, bleibt … wir werden sehen. Zurück in Rosaeu scheint die Stadt in eine Art Dornröschenschlaf gefallen zu sein, nichts mehr zu sehen von den vielen Touristen, Straßenhändlern und Taxifahrern. Ein paar Einheimische sitzen in kleinen Gruppen mit Backpackern zusammen auf der Mole und schauen auf die untergehende Sonne. Ein wunderbar friedlicher und ruhiger Augenblick. Damals wusste ich noch nicht, wie schmerzlich wir solche Begegnungen bald vermissen werden.

Die To-Do-Liste oder besser Should-Do-Liste für Dominica ist lang, aber vor dem Vergnügen kommt ja meist erst die Arbeit. Außer für Marcus, der ist heute früh zum Tauchen verabredet, hat der ein Glück. Für uns heißt demnach die Tagesaufgabe Wasser nachtanken, Müll entsorgen, Diesel bzw. Benzin auftreiben. Dafür sind wir am Morgen mit Glen verabredet. Morgens um 10:00 Uhr bedeutet hier aber gegen Mittag, und das auch nur wenn man über Funk nachfragt, ob es denn bei der Verabredung bleibt. Um Wasser aufzufüllen müssen wir Selene an eine Mooring dichter an Land umparken. Über eine Heckleine wird unser Schiff nach hinten zum Land fixiert und Glen kommt mit einem langen Wasserschlauch zum Boot. Ein lauter Pfiff und der bis jetzt im Schatten dösende Kollege dreht den Wasserhahn auf. Mal schauen, wie lange das gut geht, denn für die reichlich 150 m Distanz wurden mehrere Schläuche miteinander verbunden. Bis die Tanks voll sind dauert es normalerweise eine ganze Weile und so macht sich Glenn in der Zwischenzeit mit unseren Dieselkanistern auf den Weg zur Tankstelle. Kaum ist er weg, läuft unser Wassertank schon über. Die Verbindung zwischen unseren beiden eingebauten Tanks ist recht klein und das zugeführte Wasser läuft somit eher als Rinnsal von einem Tank in den zweiten. Also drücken wir den Schlauch kurz ab, ich denke noch „hoffentlich platzt jetzt nix“… zack, kein Wasser mehr. Ich ziehe den Schlauch aus der See und habe plötzlich das andere Ende auch in der Hand.

An Land ist niemand zu sehen, der den Hahn zudrehen könnt. Mist, also muss einer ins Wasser… d.h. Martin! Das ausgeleierte Verbindungsstück hat es durch den Druck auseinander gepfeffert. Keine Ahnung, wie viel Süßwasser schon in die Bucht gelaufen ist. Martin fummelt die beiden Schlauchenden wieder aneinander und weiter gehts. Die Tanks sind voll, als Glenn zurück kommt und er lacht nur, als wir ihm sagen, dass wohl einiges ins Meer geflossen sei. Nicht so schlimm, Trinkwasser gibt es auf Dominica mehr als genug. Den Wasserhahn aufzudrehen kostet wohl pauschal überall 40 – 50 EC. Wir bezahlen bei ihm für weitere 5 Nächte die Mooringtonne, schließlich wollen wir hier im Süden noch einiges an Land erkunden.

Zum Beispiel der Emerald Pool. Der für dominicanische Verhältnisse relativ kleine Wasserfall liegt ca. 17 km nordöstlich und ist per Sammeltaxi ganz gut erreichbar. Am zentralen Busstand in Roseau merken wir dann jedoch recht schnell, dass die Strecke nach Rosalie nicht so oft befahren wird und so warten wir fast eine Stunde auf das Sammeltaxi. Schließlich geht’s dann erst ein ganzes Stück an der Westküste entlang und danach in unzähligen Serpentinen hinauf in die Berge. Der Haltepunkt zum Emerald-Pool ist irgendwo im nirgendwo, aber der Abzweig ist gut erkennbar und gut ausgeschildert. Jetzt am Nachmittag sind wir wieder mal die einzigen Besucher. Nur ein Hund schließt sich uns treuherzig an und läuft den ganzen schönen Weg durch den Regenwald bis zum Pool mit uns.

Ein kleines Paradies breitet sich vor uns aus, versteckt hinter Palmen, tropischen Blumen und Bäumen leuchtet der Emerald Pool wie ein türkisgrünes Auge im Regenwald. Das Wasser ist kühl und herrlich erfrischend. Mir kommt der Gedanke an Garten Eden in den Sinn. Neben dem kleinen See spannt sich eine Höhle unter der Flusskrebse emsig hin und her wuseln, Farne hängen vom Dach der Höhle, gegenüber leuchten unzählige Heliconias in ihrem bestechenden Rot und Kolibris führen Kunstflüge auf, um an deren süßen Nektar zu gelangen … mir scheint, im Moment gibt es keinen friedlicheren Ort auf der Welt. Die Zeit vergeht wieder einmal viel zu schnell und wir treten den Heimweg an. Auf ein Sammeltaxi zurück nach Roseau müssen wir dann unerwartet lange Ausschau halten. Nicht, dass keines fährt, aber wir haben zunehmend den Eindruck, dass die Taxis nicht mehr so scharf darauf sind, Europäer mitzunehmen. Im Taxi, welches dann doch hält, sind wir die einzigen Mitfahrer…

Heute ist Samstag und heute muss es werden. Seit wir wissen, dass wir nach Dominica segeln, steht ein Ziel groß auf unserer „Bucket-List“ – der Trail zum Boiling Lake! Jeder mehr oder weniger seriöse Tourveranstalter hat diese Wanderung in seinem Programm, technisch nicht übermäßig anspruchsvoll jedoch recht lang, da der Pfad über mehrere Täler, Grate und Gipfel führt. Die kommerziellen Anbieter wie z.B. Sea Cat, der uns die Tour mehrmals täglich für ca. 200 US$ (ortsüblicher Preis) verkaufen will, weißen darauf hin, dass die Wanderung zu gefährlich sei, als dass man ohne Guide aufbrechen soll. Der Weg sei nicht ausgeschildert, man brauche gute Ortskenntnisse, schwierige Kletterpassagen machen die helfende Hand eines Führers unersetzlich. Nun ja, wir haben auch andere Berichte gelesen und sind uns sicher, dass es nicht so dramatisch sein kann. Also starten wir für unsere Verhältnisse sehr früh um 8:00 Uhr und bringen das Dinghy im Fischereihafen an Land. Von hier aus ist es nur ein kurzer Fußweg durch die Stadt zur Bushaltestelle, von der aus es auf direktem Weg nach Laudat gehen soll.

Titou Gorge

Laudat liegt ca. 6 km und 400 Höhenmeter oberhalb von Trafalgar und wir wollen uns den Aufstieg gerne sparen. Wir warten wieder viel zu lange auf ein Sammeltaxi in die Berge, denn zum Samstag morgen fahren die Einheimischen aus den entlegenen Dörfern in die Hauptstadt, erst Nachmittags geht es wieder zurück. Irgendwann hält dann doch ein Minibus, allerdings fährt dieser nur bis nach Trafalgar und lässt uns am Abzweig nach Laudat aussteigen. Obwohl es erst 9:30 Uhr ist, brennt die Sonne schon heftig, die Serpentinen ziehen sich in endlosen Schleifen hinauf zu den Ausläufern des Morne Micotrin. Spektakuläre Ausblicke hinunter nach Trafalgar, Wotten Waven und bis zur Küstenlinie entschädigen den für mich schweißtreibenden Aufstieg. Immerhin war Marcus so ehrgeizig, die Wanderung zu Trainingszwecken extra schwer zu machen und schleppt unseren gesamten Wasservorrat von 8 Litern – guter Marcus! Eine große Krabbe versucht in der sengenden Sonne die asphaltierte Straße auf der suche nach Wasser zu überqueren aber so richtig begeistert ist sie irgendwie nicht, als ihr Marcus dabei behilflich sein will … zwick, zwack, autsch

Nach einer Stunde passieren wir den Abzweig zum Middleham Fall, nach einer weiteren sind wir an Laudat vorbei und erreichen nach einem kurzen Abstieg das Natioalpark-Gelände des Titou Gorges. Bisher hatte ich nur die vielen Wasserfälle und und unzähligen Trails in Schluchten, Berge und Täler auf dem Schirm. Der Titou Gorge ist hingegen ein kleines Naturwunder, das so zumindest auf Dominica einzigartig ist. Es handelt sich hierbei um eine Schlucht, die aus einem Lavastrom entstand, welcher sich beim Abkühlen spaltete und so ein Schlucht von ca. 15m Höhe formte. Der „kleine Hals“, was der Name übersetzt bedeutet, lässt nur zur Mittagszeit das Sonnenlicht bis zum Grund durchdringen, die Reflexionen auf dem Wasser malen fantastische Bilder an die nassen Wände, spiegeln sich in Höhlen und tauchen die Schlucht in eine mystische Atmosphäre. Schwimmt man bis zum Ende der Schlucht wartet auch dort wieder ein Wasserfall, dessen Kraft einen schon von den Beinen reißen kann. Daher ist das Schwimmen hier auch nur mit Schwimmwesten erlaubt. Die ungetümen Schwimmhilfen sind zwar eher eine Behinderung, aber nachdem es zu einigen Unfällen (Todesfällen) in der Schlucht gekommen war, muss man sich den neuen Sicherheitsregularien fügen. Wir sehen alle drei ganz schön deppert aus und an Schwimmen ist kaum zu denken, aber es lohnt sich! Über der Schlucht wuchert dichtes, üppiges Grün, welches in langen Bändern über die Kanten hängt. Dazwischen tanzt das Sonnenlicht und der Wasserfall gibt eine herrliche Rückenmassage – einziger Wermutstropfen: das Wasser hat nur 17°C, brrrrr! In der Mittagshitze ist aber auch das echt angenehm, zumal direkt neben dem Eingang zur Schlucht eine weitere Quelle über die Steine rinnt, die angenehme 35°C aus dem Boiling Lake führt.

Der Boiling-Lake-Trail beginnt direkt hier hinter dem kleinen Versorgungshäuschen und ein Wegweiser mahnt, man solle zur Wanderung nicht nach 10:00 Uhr aufbrechen. Die Tour dauert insgesamt ca. 6 h, jedoch sind vor allem ab Nachmittag heftige Regenfälle in dieser Region täglich zu erwarten. Ein Blick auf die Uhr und wir wissen, das wird dann wohl heute nix mehr. Und so planschen wir eine ganze Weile im kalten Wasser, lassen die Drohne fliegen und plaudern eine Weile mit dem Schwimmwesten-Aufpasser. Obwohl man sich direkt bis vor den Pool kutschieren lassen kann, ist heute erstaunlich wenig los, im Hafen lag auch kein Kreuzfahrtschiff. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass es auch für eine lange Zeit so bleiben wird. Unserem Gesprächspartner ist auch das nicht entgangen und er äußert schon erste Bedenken, was die Corona-Pandemie für die, auf (Öko-)Tourismus ausgerichtete Insel bedeuten wird….

Trail zum Middleham-Fall

Der Tag ist noch jung und es gibt noch reichlich Wanderungen in der Nähe. Von Laudat aus könnte man um den Morne Micotrin zum Freshwater und zum Bori Lake gehen … kurzer Blick auf die Uhr und die Karte … nee, nicht zu schaffen … wobei Marcus das wohl hin bekommen könnte. Mir fällt der Abzweig zum Middleham Fall ein und da wir ja tendenziell zurück ins Tal nach Trafalgar müssen, können wir ja dort „kurz“ vorbei. Also gehts wieder hinauf nach Laudat und ca. 3 km auf der asphaltierten Straße talwärts. Am Abzweig schieben sich bereits schwere Wolken aus Osten über die Berge und lassen die Gipfel im Dunst verschwinden, leichter Regen erfüllt die Luft. Auf der Karte sieht es gar nicht so weit aus, ca. 2 km bis zur Markierung „Middleham Falls“. Der Regen macht uns nichts aus und das Stückchen schaffen wir auch, obwohl wir ein wenig wie begossene Pudel aussehen. An allen Sehenswürdigkeiten gibt es ein Servicegebäude mit Unterstand, meist mit einer kleinen Bar und einem Show-Room, der die Landschaftsformationen erklärt. Von da aus ist es bisher immer nur ein kurzer Spaziergang von wenigen hundert Metern gewesen und man stand einem beeindruckenden Naturschauspiel gegenüber. Als wir den Unterstand erreichen, gießt es aus Eimern und auf dem Wegweiser ist zu lesen, dass es noch gute 45 min durch den Regenwald bis zum Wasserfall sind … na gut, wenn wir schon mal da sind, bisher war es auch auch immer eher eine Art Spaziergang. Hier nicht! Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre, es geht über Stock und Stein, über und unter Wurzel durch, der Pfad ist rutschig und vom vielen Regen aufgeweicht …. In nahezu allen Reiseberichten ist zu lesen, dass man unbedingt Regenjacken o.ä. mitnehmen soll auch wenn schönstes Karibikwetter angesagt ist. Unser Regenschutz besteht aus einem Hut (Martin), einer undichten Regenjacke (Claudi) und einer Folientüte (Marcus) … wir drei haben wahrscheinlich ein ziemlich seltsames Trio abgegeben. Aber um diese Uhrzeit und bei den Bedingungen treffen wir nur auf ein Pärchen, welches auf dem Rückweg ist.

   

Nach einer halben Stunde mischt sich unter das Prasseln des Regens ein tiefes dunkles Grollen, mit jedem Schritt wird es lauter und wird zu einem beeindruckenden Getöse, der Wasserfall kann also nicht mehr weit sein. Von einem exponierten, glitschigen Ausguck bietet sich dann ein erster beeindruckender Blick auf diesen riesigen Wasserfall, Dominicas höchstem. Aus ca. 60 m fällt das Wasser in den geradezu winzig anmutenden Pool darunter, durch den anhaltenden Regen führt der Bori River enorme Wassermengen, die mit lautem Donnern über die Felskante rauschen. Das Regenwasser mischt sich mit der aufsteigenden Gischt, wir werden nun von oben, unten, hinten und vorne nass. Jetzt verstehe ich auch, warum es so wenig Aufnahmen des Middleham Falls im Regen gibt, nur wasserdichte Kameras überstehen hier ein längeres Shooting. Martins Videokamera wird nur für 5 Minuten ausgepackt, die tausenden kleinen Wassertröpfchen sammel sich binnen Sekunden auf jeder Linse. Schade, denn nun haben wir schon die Drohne bis hier her getragen, aber auch sie würde bei den Bedingungen wasserschwer zu Boden fallen. Das Gelände bis zum Pool ist ähnlich wie am Trafalgar Fall, dazu rinnen über die mächtigen Felsbrocken zusätzlich jede Menge Bäche vom Regen und vom Spritzwasser. Näher heran kommen wir wohl nicht. Außerdem wird es doch recht frisch. Wir sind nass bis auf die Haut und der Wasserfall erzeugt ganz ordentlichen Wind in der engen Schlucht. Also treten wir den glitschigen Heimweg an. Wie so häufig bei Wanderungen ist die Retour gefühlt viel schneller erledigt als der Hinweg. Als wir schließlich den Regenstand erreichen, hört es natürlich auf zu regnen – prima. Aber egal ob Regen oder Sonnenschein, auch diese Wanderung war ein Erlebnis.

Der Weg Richtung Trafalgar wird dann nochmal zur Geduldsprobe. Trotz gegenteiliger Auskünfte scheint kein Sammeltaxi diese Strecke zu befahren, oder es hält einfach keiner an. Wir versuchen es mit der Anhalter-Methode, die auch nicht fruchten will, denn keiner will uns mitnehmen oder auch nur fragen, ob wir Hilfe benötigen – für die Karibik eher ungewöhnlich. Gut, wir sehen vielleicht etwas verwildert aus, häufig halten die Mini-Busse auch nicht an, wenn sie sehen, dass die Fahrgäste klitschnass sind – daher merken: immer trockenen Wechselsachen mitnehmen! Schließlich hat dann doch ein Fahrer erbarmen, Sean Shepherd (dt.: Sean Hirte) sein Name und er passt wie die Faust auf’s Auge. Sean ist Pastor und kommt gerade von einem Gottesdienst in einem der abgelegenen Bergsiedlungen. Sein Weg führt noch dazu direkt nach Roseau und er ist sich zu hundert Prozent sicher, dass es Bestimmung war, uns drei „Landstreicher“ kurz vor Einbruch der Dunkelheit zu treffen und nach Hause bringen zu dürfen … So ist das manchmal, mit den Zeichen und Wundern.

Snorklingspots – Champagner Reef

Wie erwartet macht sich am nächsten Tag die Wanderung bei mir zumindest doch ganz gut bemerkbar, eine große rote aufgerissenen Blase ziert die linke Ferse. Mist! Zum Glück ist Sonntag, Sammeltaxis fahren also heute nicht und so bin ich nicht böse darum, den Tag entsannt an Bord verbringen zu können. Für Marcus war das ja eher ein Sonntagsspaziergang und so muss sich unser „Kraftpaket“ heute irgendwie anders auspowern. Von unserem Ankerplatz bis zur Südspitze mit dem „Pinacle“ sind es etwa 4.5 sm also ungefähr 8 km. Für Marcus eine Strecke, die man auch gut mal eben gegen die Welle mit dem SUP zurücklegen kann… Entlang dieses Küstenstreifens gibt es einige lohnenswerte Schnorchel- und Tauchspots, das Highlight selbst liegt direkt vor Schott’s Head – aber dazu später mehr. Ein Küstenstreifen trägt z.B. den verheißungsvollen Namen „Champagner Reef“, da hier vom Grund unzählige kleine Bläschen aufsteigen, die an das spritzige Blubber-Getränk erinnern. Daneben finden sich viele weitere interessante Plätze zum Ab- und Eintauchen in die artenreiche Unterwasserwelt. Dazu muss man gar nicht mal in die Tiefe, oft reicht es schon einfach nur auf dem Wasser zu treiben und den Kopf unter Wasser zu halten. Traumhaft schöne Aufnahmen bringt er uns kurz vor Sonnenuntergang freudestrahlend und doch auch reichlich erschöpft mit.

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind inzwischen auch hier deutlich zu spüren, fast täglich kommen neue Informationen der umliegenden Inseln und uns schwant, dass uns das Thema heftiger auf unserer Reise beeinflussen wird, als zu Beginn gedacht. Viele Fragen nach unseren Plänen, der Lage vor Ort und wie es denn nun weiter geht, erreichen uns in diesen Tagen. Auch auf die Gefahr hin, dass der Bericht in kurzer Zeit schon nicht mehr aktuell ist, schreiben wir einen Blogbeitrag zu CovID 19, auch um unsere eigenen Gedanken zu ordnen. Seither sind etwa 3 Wochen vergangen und die damals geschmiedeten Pläne sind schon längst wie meine Wanderblase am Fuß zerplatzt….

A propos: so richtig schnell will das Ding nicht verheilen, also verschieben wir die Boiling-Lake-Tour nochmal um einen Tag. Obwohl die beiden Herren schon mächtig mit den Füßen scharren, sind sie so geduldig und öden sich einen weiteren Tag an … nein, natürlich nicht! Zum einen gibt es immer was zu tun an Bord, zum anderen kann man ja jederzeit schwimmen, tauchen, schnorcheln gehen. Zur Not ist da ja auch noch das SUP und wenn alle Stricke reisen heizt man halt mit dem Dinghy durch die Bucht und freut sich, dass es so schön ins Gleiten kommt … gell, Martin! (edit Martin: Jaaaaaa!!!)

Trail und Diving-Spot Scott’s Head

Marcus ist heute morgen zum zweiten Mal mit Dominica Dive zum Tauchen gefahren. Ein wenig neidisch bin ich ja schon, wenn er jedes mal freudestrahlend zurück kommt und berichtet, wie viele bunte Fische, außergewöhnliche Korallen, Krebse, Seesterne oder anderes seltsames Getier sie bei ihren Tauchgängen gesehen haben.

 

Aber auch ohne Abtauchen in die Tiefe lohnt sich ein Ausflug nach Scott’s Head, dem südlichsten Punkt Dominicas. Zwei Buslinien führen aus Roseau in Richtung Soufrier, zusteigen kann man direkt an der Küstenstraße, die an der Ankerbucht vorbei bis Scott’s Head verläuft. Die 10-minütige Fahrt erinnert mich stark an unsere erste auf Grenada, als wir dachten unser letztes Stündlein habe geschlagen. Das Klappern, Rumpeln und Rassel des Vehikels wird von wummernden Bässen übertönt, die schöne Küstenlandschaft rast schemenhaft vorbei. Wir Insassen quetschen uns nach links und recht, je nachdem wie die kurvenreiche Strecke über die Bergkuppe vor Soufrier verläuft. Seit gestern gibt es auch hier die Order des „social distanzing“, also große Nähe und Körperkontakt vermeiden … Sammeltaxis sind davon wohl ausgenommen. Der Kontrast zu Soufrier könnte nicht größer sein. Als ich aussteige und der Minibus weiter rumpelt herrscht um mich herum eine unbeschreibliche friedliche Stille. Der Küstenort Soufrier liegt in einer Art Dornröschen- oder vielleicht auch nur Mittagsschlaf. Anfangs wirkt es wie ausgestorben, doch vor den kleinen Häuschen dösen hier und dort die Einheimischen im Schatten der Palmen oder auf baufälligen Veranden. Man grüßt von Ferne und es ist inzwischen eine deutliche, bisher unbekannte Distanz zu spüren, Gespräche finden nur noch in gebührenden Abstand statt – schade!

 
Ich hätte zwar bis Scott’s Head fahren können, aber am Meer weht immer eine kühle Brise und so laufe ich die 3 km um die Bucht. Mit der kühlen Brise habe ich mich aber leider verschätzt, im Windschatten des steil dahinter aufragenden Morne Patates feuert die Sonne wie unter einem Brennglas, kein Lüftchen weht. Auch auf Scott’s Head liegt jetzt am Nachmittag die Sonne wie ein bleierner Deckel, kein Blatt bewegt sich, kein Mensch ist zu sehen, nur ein paar Pelikane ziehen scheinbar ohne Flügelschlag gemächlich ihre Kreise am Himmel. Würden sich diese nicht hin und wieder urplötzlich pfeilschnell ins Wasser stürzen, könnte man sich in einem Karibik-Stillleben wähnen. Mein eigentliches Ziel der heutigen „Wanderung“ ist der Pinacle oder Cashacrou Penisula, ein ca. 100 m hoher Hügel, der westlich von Scotts Head aus dem Meer ragt und nur durch eine schmale Landbrücke angeschlossen ist. Auf meinem Weg dahin spricht mich ein sehr entspannter Rastafari an. Er sitzt im Schatten einer zerfledderten Palme, schaut auf die Wellen, Musik dudelt aus dem Häuschen dahinter und mit einem „Bob Marley“ in der Hand lässt er nun ganz in Ruhe den Nachmittag anbrechen. Ein kurzer Plausch über das Woher, Wohin und wie es so geht entspinnt sich. Er stellt sich als Cosby vor und als ich ihm sage, mein Ziel für heute sei nur noch der Cashacrou Hügel, fragt er mich ob ich etwas degegen hätte, wenn er mich begleitet. Er ist in Scott’s Head aufgewachsen und sei auch nie so wirklich weit davon weg gekommen. Dieser Flecken Erde ist sein Garten Eden, er kenne hier jeden Stein sowohl über als auch unter Wasser, die Berge im Hinterland sind sein Hinterhof. Auf dem kurzen Anstieg erzählt er mir allerlei Geschichten zum oft und häufig umkämpften Pinacle, Reste eines britischen Forts samt Kanonen zeugen von der wechselhaften Historie. Auf dem Hügel angekommen wird der Blick weit. Im Norden ist Guadeloupe zu erkennen, im Süden ragt Martinique steil in den strahlend blauen Himmel. Nur am Mt. Pele haben sich wie so oft Wolken verhangen und liegen wie ein Deckel über dem Massiv. Vor uns breitet sich der Atlantik endlos weit nach Westen aus und wieder einmal die Frage, wo fängt der Himmel an?

Zu Füßen des Hügels liegt Scott’s Head in der flirrenden Sonne, kräuselnde Wellen funkeln durch die weite Bucht bis sie sanft am Strand auslaufen. Cosby zeigt auf eine dunkle Kante im Wasser. Zum Ufer hin sind türkisblaue Flachwasserbänke zu erkenne, Korallen formen schon von hier oben aus gesehen bizarre Formen. An der Kante wird das Meer schlagartig tiefblau, kein Grund ist zu erkennen. Marcus war hier vor ein paar Tagen tauchen. „The Wall“ (die Wand) wird dieser Tauch-Spot genannt, da an der Kante der Meeresboden steil bis zu 500 m abfällt. Es muss hier einen unglaublichen Artenreichtum geben und der Wechsel aus flachen Zonen und tiefen Tauchbereichen machen Scott’s Head zu einem der schönsten Tauchgründe Dominicas. Das Befahren der Bucht ist nur Tauchschulen oder ansässigen Fischern gestattet, als Segler darf man hier unter keinen Umständen den Anker fallen lassen. Cosby will mir auch gleich noch die faszinierende Unterwasserwelt zeigen und lädt mich ein, noch mit ihm schnorcheln zu gehen … ähm …. neee, ich habe keine Bade- oder Schnorchelsachen dabei. Och, das sei kein Problem, das geht auch ohne! Herzig, wie unkompliziert die Leute hier sind 😉

Bevor wir am nächsten Tag den Boilin-Lake-Trail nun wirklich in Angriff nehmen, müssen vorab zum wiederholten Mal ein paar Infos aus dem Netz zusammen gesucht werden. Mit einer stabilen Internetverbindung sieht es leider recht mau am Ankerplatz aus und so haben wir einen weiteren Grund, unser Lieblingsrestaurant aufzusuchen. Das Essen und vor allem die Cocktails sind spitze und die beiden Herren kommen um’s Kochen herum, denn mit der Kreditkarte kochen ist für beide am unkompliziertesten. Im Ocean s Edge (www.oceans-edge-lodge-restaurant-bar-corp.business.site) stehen inzwischen weit weniger Tische als noch bei unserem ersten Besuch. Es kommen kaum mehr Gäste, sowohl das Restaurant als auch die angeschlossenen Pension sind verwaist. Seit vor zwei Tagen sämtliche Flugverbindungen gekappt, der Fährverkehr eingestellt und ein Anlandeverbot für Kreuzfahrtschiffe erlassen wurde ist es still geworden auf Dominica. Jedes Gewerbe, welches in irgend einer Form mit Tourismus zu tun hat, schaut nun ungewissen Zeiten ohne zahlende Kundschaft entgegen. Was das für die Insel für ökonomische Folgen haben wird, ist kaum zu beziffern. Mir tut das für die herzlichen, freundlichen Einwohner unbeschreiblich leid. Gerade haben sie sich von der massiven Zerstörung der Hurrikans vor drei Jahren erholt, haben unendlich viel Zeit und Energie aufgebracht, um ihr Heim wieder aufzubauen und ihre Geschäfte erneut zum Laufen zu bringen, ringen zum Teil heute noch mit den Folgen und leben großteils von der Hand in den Mund. Erstaunlich dabei, dass sie scheinbar nie den Mut verloren haben und trotzdem fröhlich durchs Leben gehen. Nachdem die Wirbelstürme Dominica verwüstet haben, hat kaum ein Einwohner seiner Heimatinsel den Rücken gekehrt und man hat stattdessen gemeinsam versucht, die Schäden zu beseitigen. Die Corona-Pandemie ist jedoch ein anderes Kaliber. Nicht nur, dass die wirtschaftliche Grundlage von jetzt auf gleich wie bei einer Sturzflut fortgespült wird. Nein, es fehlt zudem an Rücklagen um die gerissene Lücke im Einkommen zu stopfen, kein Mensch kann vorhersagen, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Wie hart es die Mensche treffen wird und welche Konflikte dann unter den sonst so entspannten Insulanern zu Tage treten, werden wir später noch erleben.
Heute Abend aber genießen wir erst mal noch den herrlichen Sonnenuntergang, der kurz nach dem täglichen Abendregenbogen folgt. Jeden Abend spannt sich dieses schönes friedliches Bild hinter der Ankerbucht wie auf einer großen Leinwand auf und jeden Abend denke ich dabei, dass alles gut werden wird.

Boiling Lake, zweiter Versuch! Am Dienstag Morgen geht es erneut in Herrgottsfrühe los. Wir wissen ja nun, dass … und das werden wir im Dominica – Teil 2 berichten. Der Trail ist so so schön, dass er einen extra Beitrag verdient.

 

Viel  Spaß aber erst mal mit den (sehr langem) Video 😉

8 Antworten auf „Dominica Teil 1 – Welcome to Garden Eden!“

  1. Hallo Claudia und Martin,

    danke für den neuen Beitrag und die Einblicke in den „Garten Eden“, die ich durch Euren wiederum informativen und lebendig erzählten Bericht gewinnen konnte.
    Man möchte meinen, Ihr verbringt eine nahezu ungetrübte und sorglose Zeit, wenn man Text, Bilder und Video sieht. Ich finde es schön, dass Ihr Euch die Fähigkeit erhalten habt, der derzeit doch recht schwierigen Situation noch so viel Schönes abzugewinnen. Leid tut es mir dennoch für Euch, dass die unbeschwerte karibische Zeit so abrupt auf eine Weise zu Ende ging, die niemand voraussehen konnte. Deshalb behaltet wie immer kühlen Kopf für die anstehenden Entscheidungen, wie weiter.
    Alles wird gut und ungeplante Sachen führen oft zu ungeahnten Erfahrungen…..
    Bleibt behütet!
    Uta

  2. Hallo lieber Martin und liebe Glaudia, auch wir sind wieder von Euren Reiseimpressionen hell begeistert und haben zusammen mit Nancy alles angeschaut. Der Aussage von Frieder und Eri stimmen wir voll zu. Eure Entscheidungen waren bis jetzt doch immer richtig. Arbeitsmäßig würde ich mir keine Sorgen machen, jetzt geht es erst einmal um Euer Überleben und eine Arbeit findest Du lieber Martin, bei Deinen Fähigkeiten doch immer wieder. Bleibt schön gesund, daß wünschen Euch Hannes und Rosi !

  3. Erika und Friedrich!
    Wir haben auch schon vorgestern alles angesehen. Dominica ist
    vieleicht erst mal ein guter Ort zum abwarten. Wohin sich alles entwickeln wird ist leider sehr ungewiss, wir hoffen aber auch, zum Guten? Bisher habt Ihr ja aus allem noch das beste gemacht und das hoffen wir auch weiterhin. Zuhause geht alles seinen normalen Gang. Viele Grüße auch von Mandy und Familie, Eure Erika undFriedrich!

  4. Ihr Lieben, habt Dank für das tolle Video und den umfassenden Bericht.
    Haltet durch und behaltat eure Zuversicht. Irgenwie geht es weiter und wird gut.
    Bleibt behütet und seid lieb gegrüßt
    eure Evi

    1. Danke dir Evi!
      So schnell lassen wir den Kopf nicht hängen, auch wenn wir uns besonders Ostern in der Karibik anders vorgestellt haben!
      Aĺes bleibt anders und hinterher vielleicht sogar etwas besser als vorher 😉

      Liebe Ostergrüße
      Claudia & Martin

      1. Ihr Lieben,
        ich bin froh, dass ihr so optimistisch seid und alles relativ gelassen seht. Behaltet euren Mut und eure Zuversicht.
        Ich freue mich schon auf euren nächsten Bericht.
        Liebe Grüße
        Evi

  5. Hallo Claudia, Hallo Martin,
    auch Euren heutigen erfrischenden Beitrag vom Garden Eden haben wir zwei – Eure treuen Leser aus Conradsdorf, Eva + Christoph – gleich wieder entdeckt. Wir sind immer wieder begeistert, wie Ihr alles meistert – und nun auch in dieser für niemanden vorhersehbaren so schwierigen Zeit.
    Umso mehr wünschen Euch auf diesem wunderschönen Eiland erst einmal frohe Ostern! – Ja, wie wird denn dieses Fest in der Karibik begangen, bekommt Ihr davon etwas mit?
    Für die kommenden Wochen wünschen wir Euch immer wieder die richtigen Entscheidungen – und bleibt schön gesund!
    Viele liebe Grüße – wir freuen uns schon auf Dominica Teil 2

    1. Liebe Eva,lieber Christoph!
      Ja, die Osterfeiertage haben mich auch besonders interessiert. Die Kariben sind überwiegend sehr religiös, der Katholizismus ist dabei am weitesten verbreitet. Aber es gibt nebenher noch unzählige weitere Konfessionen. Ein Kirchbesuch zum höchsten christlichen Feiertag war auf alle Fälle fest eingeplant.
      Seit drei Wochen ist nun alles anders, wie in Deutschland sind Zusammenkünfte jedweder Art untersagt, daher auch kein easter-service. Als dies hier verkündet wurde, gab es einen heftigen Aufschrei in der Bevölkerung. Viele Insulaner verlassen sich auf ihren Gott, ihren Glauben während der Pandemie, staatliche Anordnungen werden nur widerwillig akzeptiert 😉
      Und so sitzen wir Yachties seit Donnerstag brav auf unseren Bötchen, halten uns mit sehnsūchtigem Blick an Land an die Ausgangssperre, während am Beach versteckt vor den Ornungshütern gefeiert wird….
      Ich habe mir sagen lassen, dass besonders am Ostermontag die Post abgeht und neben Christie Auferstehung parallel Erntedankfest gefeiert wird, natürlich mit viel aribischer Musik, Rum, Gras und Party bis zum Morgengrauen.

      Schade, aber so ist das nun mal. Gerade in diesen Tagen bin ich aber auch einfach nur dankbar über dass, was wir schon erleben durften und was in den kommenden Wochen noch auf uns wartet. Ihr werdet es erfahren.
      Bis dahin wünschen wir gesegnete Ostern nach Conradsdorf

      Claudia & Martin

Schreibe einen Kommentar zu Erika Küttner und Friedrich Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.