Insel Sal – Kap Verden Teil 1

Bem venido a Palmeira!

„Herzlich willkommen in Palmeira“ … so begrüßt uns der Zollbeamte am Tag nach unserer Ankunft in seinem kleinen muffigen Büro. Die Anmeldung bei der Hafenpolizei (policia maritima) hatten wir ja gestern schon erledigt, nun also noch Zoll und Einreiseformulare unterschreiben und unser erster Stempel prangt für 5 € (für uns beide) im Reisepass. Unsere Befürchtungen in Bezug auf Einfuhrkontrollen waren völlig unbegründet. Lediglich unser letzter Hafen und das nächste Ziel sind für die Einreise von Belang. Nach wenigen Minuten sind sämtliche Formalitäten erledigt und wir stehen wieder auf der staubigen Straße in der Mittagssonne – 30°C, die Sonne brennt, auf geht´s Palmeira zu entdecken!

Auf unserer kurzen Tour gestern auf der Suche nach Polizei und Unitel-Geschäft hatten wir schon festgestellt, dass der Ort für einen „Port of Entry“ also einen von insgesamt 3 Einreisehäfen der Kap Verden sehr überschaubar ist. Gerade einmal 500 Einwohner zählt Palmeira. Laut G-Maps soll es einige Lebensmittelgeschäfte, Bars, Restaurants und einen „mercado municial“ geben. Prima, denn nach 10 Tagen auf See findet sich auf Selene bis auf ein paar Kartoffeln kein frisches Obst oder Gemüse mehr. So streunen wir erstmal ziellos durch die wie am Reißbrett angelegte Siedlung, je nachdem wo es gerade interessant aussieht. Jedoch ähnelt hier ein Straßenzug dem nächsten. Die ein- bis zweistöckigen Häuser wirken zumeist recht trist, es ist nicht einfach zu erkennen ob sie baufällig sind, gerade gebaut werden oder ob das der Normalzustand ist. Dazwischen stechen einige herrlich bunte Häuschen und einige wenige Palmen hervor, die in dem staubigen Stadtbild wie die pure Lebensfreude wirken.

Hauptstraße in Palmeira
Ein Glück, wer so einen Baum vor der Haustür hat

der Kindergarten
Nazarener-Kirche am Hafen

Überhaupt, die oft gelesene Lebensfreude der Kapverdianer spüren wir schon in dieser kleinen, sehr ärmlich wirkenden Stadt: Überall ist Musik und die Menschen begegnen uns immer mit einem Lächeln und einem freundlichen „bom tarde“. Aber es sind hier nicht nur Menschen unterwegs. Wir begegnen zum einen sehr, sehr vielen Hunden, die müde mitten auf der Straße dösen oder uns neugierig beschnuppern und es laufen Ziegen überall herum. Die wenigen Autos, die über die Sandpisten oder holprigen Pflasterstraßen rumpeln (und uns beide alle gerne mitnehmen möchten) sind zumeist „Aluguers“ = Sammeltaxis, bei denen man jederzeit Ein- und Aussteigen kann. Der Preis pro Person ist fix und richtet sich nach der Strecke. In die Hauptstadt Espargos, die ca. 6 km entfernt ist, bezahlt man z.B.  50 ECV, also ca. 0,50 €.  Wenn man Glück hat ist das Sammeltaxi ein richtiger Kleinbuss. Häufig sind es aber umgebaute PickUp’s, die auf der Ladefläche zwei einfache Pritschenbänke installiert haben.

wenn renoviert wird dann unbedigt bunt

zentrale Haltestelle für Aluguers

Spätestens bei der Suche nach den Lebensmittelgeschäften haben wir unsere gewohnte (europäische) Vorstellungen von „Geschäft“ über Bord geworfen. Die „Lojas“ sind winzig, winzige kleine Verkaufsräume, das Angebot recht überschaubar. Einer der größeren „Mini-mercados“ erinnerte mich an Bilder des Kolonialwarenfachgeschäfts meines Uropas: Ein unglaublich langer Thresen, dahinter Regale mit diversen Dingen und man muss schon erklären, was man möchte. Hier war unser Bilderwörterbuch sehr hilfreich! Landestypische Lebensmittel wie Bohnen, Mais, Mehl oder Eier lagern in großen Säcken oder Paletten und sind unglaublich billig. Wurst und Käse kennt man nicht. Milchprodukte, Konserven, Süßkram und Saft, im Prinzip alles was importiert werden muss, ist dementsprechend teuer. Obst und Gemüse beschränken sich im wesentlichen auf verschiedene Kartoffelsorten oder Wurzelgemüse, ein paar Orangen, Äpfel und Trauben, wobei besonders Obst auch nach Import aussieht. Da Sal eine der trockensten Inseln ist (Niederschlag 13 mm, in der Regenzeit!), gibt es hier auch keine Landwirtschaft. So gibt´s paar frische Eier und ein paar gar nicht mehr so frische Paprika, vielleicht bekommen wir auf dem „mercado municipale“ noch etwas mehr. Doch hier packen die Händler leider schon zum Mittag ihre Stände zusammen, der frühe Vogel … und so weiter.

im Mercado municipal von Espargos

Also letzten Task für heute erledigen: Jay finden. In verschiedenen Segelforen hatten wir gelesen, dass es in Palmeira ein Water-Taxi-Unternehmen gibt, welches die Segelyachten vor Anker mit Wasser, Diesel, Gas und Wäschereiservice bedient. Dazu solle man sich im Hafen nach Jay erkundigen oder über VHF 6 anrufen. Es ist ja gerade erst Mittag und so schlendern wir zum Hafen, fragen uns bei den Fischern nach Jay durch. Natürlich kennt man ihn hier, aber er sei gerade mit seinem Boot unterwegs (Touristen beglücken), in einer Stunde müsste er wieder da sein. Nun gut, ein besseres Hafenkino als hier bekommen wir wohl nirgends geboten. Also lassen wir uns in der kleinen Bar direkt am Kai nieder und lassen die Szene einfach auf uns wirken. Zu wummernden Bässen, abgewechselt von Ragee-Musik oder portugiesischem Fado, legen hier im Minutentakt die kleinen bunten Holzboote der Fischer an und ich traue meinen Augen kaum, was für Mengen an Fisch hier anlandet. Der Fang wird direkt an der Kaimauer geputzt, gewogen, begutachtet, angepriesen. Es wird gefeilscht, verhandelt, abgelehnt, neuer Preis, nochmal begutachtet, Handschlag, verkauft. An die 20 junge Männer sind hier beschäftigt. Wer zu wem gehört oder wer mit wem Geschäfte macht ist in diesem bunten Treiben nicht zu erkennen.

Fischerihafen von Palmeira

 

Wenige Schritte vom Hafen entfernt sitzen unter einer großen Platane die Souvenierhändler im Schatten. Sobald eines der Ausflugsboote am Kai anlegt und die sonnenverbrante, gutbetuchte Fracht jeden Fischer, jeden Fisch und jedes Fischerboot fotographiert hat, bringen sich die fliegenden Händler in Stellung. Die große Schale mit bunten Armreifen, Halsketten, kleinen Trommeln und anderem Krimskrams wird auf dem Kopf zurecht gerückt und los gehts, die Touris mit Souveniren zu beglücken. Wichtigster Satz dabei: „No stress, Misses Lady Boss!“ Aber es funktioniert. Zugegeben, mich haben sie auch schon so weit bekommen, nicht weil ich das Armband so unglaublich typisch kapverdianisch fand, sondern einfach um ungestört Fotos machen zu können. Aber jetzt habe ich immer dieses Armbändchen dabei und kann sagen, dass ich nicht noch eins brauche 😉 funktioniert aber leider auch nur mäßig, denn ich könnte ja noch die passende Kette dazu kaufen 🙁

„No Stress, Mrs. LAdy Boss! Nur gucken!“

Irgendwann ist dann auch Jay da. Wir plaudern eine Weile über sein Geschäft und fragen ihn nach Wasser, Gas und Wäschereiservice. Alles kein Problem, er kommt am Abend gegen 7 vorbei. Kurz bevor er geht kommt einer der Fischer auf ihn zu und Martin wird dazu gerufen. Er drückt ihm eine Tüte in die Hand, darin ein schöner großer fangfrischer Octopus und zwei lebende Langusten. Whaat! Tintenfisch habe ich ja schon zubereitet, aber Langusten! Außerdem leben die ja noch. Randalieren die dann in meinem Kühlschrank bis sie im Kochtopf landen? Wir erklären Jay, dass wir keine Ahnung haben, was wir mit den Tierchen machen sollen und er verspricht uns, um 7 Uhr an Bord zu kommen und sie für uns zu zubereiten. Ok, na gut, wer nix wagt, der nix Langusten essen kann. Beim Preis schlucken wir dann doch kurz: 2800 ECV, also 28 €, aber man gönnt sich ja sonst nix. Und so machen wir uns mit der lebenden Fracht schnell auf den Weg zurück zum Boot. Auch wenn der Fang wirklich sehr frisch aussieht und sich bewegt, sollte er sehr schnell raus aus der Sonne.

ob die zwei Bescheid wissen, was gleich passiert … sorry!

Um 20 Uhr ist von Jay nichts zu sehen oder zu hören und wir haben mächtig Hunger. Außerdem bin ich mir nicht so ganz sicher, wie lange die Langusten im Kühlschrank noch durchhalten. Also gehts jetzt ans Eingemachte. Der Octopus macht genauso wie die Schalentiere eigentlich keine große Arbeit, nur dass er wesentlich länger kochen muss (so 1 bis 2 Stunden, je nach Größe). Die Zugabe eines Korkens zum Kochwasser ist Glaubenssache, Lorbeer, Salz Pfeffer eher eine Geschmacksfrage. Mit den Langusten macht Martin kurzen Prozess: Kopfüber in’s sprudelnde Wasser stecken, ca. 15 Minuten kochen, fertig. Wobei das gar nicht so einfach ist, denn die langen Fühler wollen einfach nicht in den Topf. Nach nichtmal 2 Minuten im heißen Wasser verfärben sich die Langusten und bekommen diese herrliche rosane Farbe. Als dann auf unseren Tellern das stachelige Schalentier liegt, gibts das nächste Problem: Wie kommen wir nur an das zarte Fleisch? Hier hilft wegen mangelnder Technik nur rohe Gewalt. Das beste Fleisch sitzt in der Schwanzflosse, die durch einen dicken und harten Schuppenpanzer geschützt ist. Am Übergang zum Körper läßt sich der Panzer knacken und das Muskelfleisch herauslösen. Auch in den 8 Beinchen findet sich noch Fleisch, welches wie aus einem Trinkröhrchen herausgezuzelt oder gezogen werden kann. Unsere erste Languste – sehr, sehr lecker!

so, so lecker und so schwer zu knacken
gerade noch ganz weiß..
… nach wenigen Minuten schon zart rosa

Nach einer halben Stunde sieht der Tisch wie ein Schlachtfeld aus und wir hören einen Motor tuckern. Also ist Jay doch noch gekommen. Ein wenig steht ihm die Enttäuschung im Gesicht, wahrscheinlich hatte er sich auch auf ein gutes Abendessen gefreut. Naja, wir haben ja noch den Octopus, den gibts dann morgen. Jay nimmt unseren Wäschesack und die Campingaz-Pulle zum Austauschen mit. Morgen will er mit einem großen Wasserfass kommen um unsere Tanks aufzufüllen. Das Gas soll nur 5 € kosten, 100 Liter Wasser 6 € und unseren Müll kann er auch entsorgen. Wir verabreden uns also nochmal für den kommenden Abend. Als er weg ist, sind wir uns noch nicht so ganz sicher, was wir von ihm halten sollen. Einerseits ist er scheinbar der Einzigste hier, der so einen Service anbietet obwohl wir gelesen haben, dass auf den Kap Verden ständig Boote vorbeikommen, die einem verschiendeste Dienstleistungen anbieten. Andererseits haben wir auch auch sehr schlechte Kommentare über Jay und seine Geschäftspraktiken gelesen … wir werden sehen.

Den nächsten Tag starten wir, wie man eben einen 1. Dezember so startet: Im 25°C warmen Meer baden, Frühstück in der Sonne, mit dem Dinghy an Land fahren und in der Mittagssonne braten. Die Highlights der Insel, wie z.B. die ehemaligen Salinen oder der Strand von Santa Maria befinden sich ganz im Süden Sals. Ohne Leihwagen, den man in Palmeira definitiv nicht bekommt, oder eine organisierte Tour mit einem Reiseveranstalter, ist es sehr schwer von Palmeia aus dorthin zu kommen. Also muss für Sal ein Ausflug mit dem Aluguer nach Espargos reichen. Die Inselhauptstadt mit ca 6000 Einwohnern liegt ganz zentral auf einem kleinen Bergplateau. Die Dichte und das Angebot der Geschäfte ist mit Palmeira nicht zu vergleichen. Es gibt befestigte Straßen, Parks, große Wohnhäuser, Krankenhaus, Bürogebäude und einige Banken. Bei unserem Versuch in Palmeira Bargeld zu bekommen, sind wir kläglich gescheitert. Der eine Automat war kaputt, der andere Automat hatte kein Geld. Unsereiner regt sich bei sowas ja auf oder versucht die Hotline zu erreichen, auf den Kap Verden zuckt man die Schultern und nimmts gelassen. Und es wird hier unglaublich viel gebaut. Der boomende Tourismus im Süden der Insel hat in den letzten Jahen zu einem enormen Anstieg der Bevölkerung geführt. Zum einen ziehen Menschen aus den weniger wirtschaftlichen Inseln wie Maio, Brava oder Sao Nicolau nach Sal,  zum anderen kommen sehr viele Migranten aus dem Senegal oder Gambia auf die Kap Verden. Zum Teil leben hier bereits Verwandte oder sie versuchen einen eigenen Neuananfang.

Blick vom Mirador in Espargos nach Süden

Umgeben von staubtrockener Landschaft kann man vom mitten im Stadtzentrum gelegenen Hügel bzw. Mirador fast die gesamte Insel überblicken. Ein herrlicher Ausblick wobei es eigentlich nicht viel zu sehen gibt. Kein Baum, kein Strauch, eine platte wüste Ebene aus der sich vereinzelt ein Berg erhebt. Früher soll Sal bewaldet gewesen sein. Aber nachdem sich die ersten Siedler im 15. Jh hier niederließen und sich Palmeira später zu einem der wichtigsten Häfen für den Handel zwischen Europa und Afrika entwickelte, begann die großflächige Abholzung. Der Hafen war einst ein wichtiger Zwischenstop für die mit Holzkohle betriebenen Dampfschiffe, Kalköfen wurden mit dem wenigen Holz befeuert und bis heute kochen viele Einheimische nach wie vor mit Holzfeuer. Für Espargos selbst reichen ein paar wenige Stunden. Es gibt wenig historisches oder besonders erwähnenswertes zu entdecken bis auf die weitverbreiteten und sehr auffälligen Nazareener-Kirchen. Aber die Stadt hat viele schöne klein Plätze mit Cafés oder Bars wo man unter großen Platanen im Schatten sitzen und den Rythmus der Stadt auf sich wirken lassen kann. Einfach nur sitzen, schauen, staunen und genießen.

der Mirador mit Radarstation für den nahe gelegenen Flughafen

auffällig bunte Nazarener-Kirche

Nach einer kurzen holprigen Fahrt mit dem Aluguer bin ich am frühen Nachmittag zurück in Palmeira. Martin holt mich am Strand mit dem Dinghy ab. Zurück geht’s durch das große Ankerfeld in dem jeden Tag Bewegung herrscht. Neue Yachten kommen, andere fahren ab, dazwischen einige Seelenverkäufer, die wohl schon seit einigen Wintern hier liegen. Irgendwann weit nach 20 Uhr kommt dann auch noch Jay vorbei. Wir hatten schon unsere Zweifel, da einige andere Yachten ihn angefunkt haben mit der Bitte, er möge doch langsam mal den Treibstoff liefern, denn sie wollen aufbrechen. In seinem Holzboot steht ein großes Wasserfass, die zum betanken nötige Pumpe hat er auch dabei. Die müssen wir aber über unsere Akkus anschließen. Während das Wasser so langsam in die Tanks tröpfelt überreicht er mir unseren Wäschesack (vlt. 4 kilo) und die neue Gaspulle. Sieht irgendwie nicht so nach Campingaz aus, aber die Flasche hat die selbe Größe. Nachdem die Tanks wieder voll sind, ca. 80 L haben reingepasst, wird noch ein 20 L Kanister befüllt und unser Müll verladen. Dann gehts ans bezahlen und wir staunen nicht schlecht: Statt 6 € für das Trinkwasser sollens jetzt 9 € sein, weil wir ja noch den Extrakanister befüllt haben, Gas wie vereinbart 5 €, der Wäschesack mit unseren paar Buxen soll 10 € kosten und der Müll 3,50 €, macht zusammen 28 €! Ok, bei der Wäsche hätten wir vorher nachfragen sollen, unser Fehler, trotzdem fällt mir spontan das Wort „Dreist“ ein. Mit dem Fisch von gestern und seiner Lieferung heute hat der gute Jay mal eben knapp 60 € an uns verdient. Der durchschnittliche Monatslohn auf den Kap Verden liegt bei ca. 400 – 500 €.  Am nächsten Morgen schaut sich Martin die Gasflasche nochmal genauer an und stellt fest, dass es kein Campingaz sondern Shell-Gas ist. Die Anschlüsse und der Inhalt sind identisch, nur kostet die Campingaz-Flasche bei Neukauf ca. 50 € (plus Füllung!). Über Shell-Gas finden wir überhaupt nichts im Netz, nur dass Shell hier auf den Kap Verden eine große Raffinerie betreibt und wohl die gesamten Kap Verden mit Gas versorgt. Diese Flasche hier gegen eine neue zu tauschen wird sicher kein Problem sein, aber in Deutschland werden wir die wohl nicht zurücktauschen können. Martin vermutet kurz, dass die teuren Campingaz-Pullen von „schlitzohrigen Jays“ verhöckert und im Austausch die billigeren geliefert werden. Unser Versuch am nächsten Tag, bei Jay die Shell-Gas in eine Campingaz-Pulle zu tauschen war dann auch erwartungsgemäß erfolglos. Jay meinte, es gibt hier gar kein Campingaz, die Pullen gehen alle zu Shell und werden dort umlackiert …. jaaaa, klar! Wir verbuchen die ganze Aktion unter Lehrgeld. Noch dazu sind es die ersten Kosten seit 14 Tagen, die in etwa mit Liegegeld zu vergleichen wären. Von daher ist es immer noch günstiger als für jeden Tag 10 – 20 € an Hafengebühren zu zahlen.

Den Samstag lassen wir dann ganz in Ruhe angehen, chillen auf dem Boot, baden, schnorcheln, Blogbeitrag schreiben und darauf warten, dass das Video zu unserer Überfahrt  endlich durchgerechnet wird. Leider geht das nur tagsüber, denn in der Nacht fehlt uns zum Solar- meist auch der Windstrom. Also Däumchen drehen und abwarten. Zwischendurch fahren wir kurz an Land um auf der Polizeiwache unsere Dokumente abzuholen. Morgen soll es weiter gen Süden nach Sal Rei auf die Insel Boa Vista gehen. Wir erklären dem Beamten, dass wir gerne noch einen Zwischenstop für eine Nacht am Strand von Santa Maria machen würden. Stirnrunzeld erläutert er uns, dass das nicht so gut sei, wir müssen uns schließlich in jedem Ort bei der policia an- und abmelden. Ob denn ein kurzer Badestop für ein paar Stunden möglich sei? Ja , das ginge schon, trotzdem sollen wir besser den nächsten größeren Ort anlaufen. Mmmmh, na gut, dann überlegen wir uns das nochmal. Da wir nicht wissen, wie gut Sal Rei zum Aufproviantieren geeignet ist versorgen wir uns gleich noch mit Trinkwasser, Saft, Milch. Leider bekommt man nirgends Brot. Somit müssen meine Brot- und Brötchenexperimente im Gasbackofen wohl weitergehen. Zurück am Boot geht der erste Blick auf den Rechenfortschritt des Videos – mist, noch immer 30 % verbleiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es dann doch soweit, endlich ist das Video fertig und wir können in der Abenddämmerung nochmal an Land fahren. Von dort dringt schon seit einer Stunde kreolische Musik herüber, Jay sagte uns auch, es gäbe am Wochenende immer Live-Musik. Am Strand angekommen müssen wir aber feststellen, dass die Musikkombo gerade am Einpacken ist… Mist, blödes Video! Na gut, dann gehen wir wenigstens was Essen. Die kleine Strandbar direkt am Hafen hatten wir schon am Tag unserer Ankunft aufgesucht und auch heute sollten wir nicht enttäuscht werden. In einer großen Truhe liegt auf Eis das Tagesangebot: Thunfische, Langusten, Red Snapper, Serra, Tahina und andere Fische, die ich nicht weiter benennen kann. Wir reservieren uns 2 der herrlich roten Snapper. In ca. einer Stunde wird der Küchenchef seinen Dienst antreten, bis dahin genießen wir den letzten Rest des Sonnenuntergangs. Wir ärgern uns noch ein wenig über die Aktion mit der Gas-Pulle und ich frage mal schnell bei unseren segelnden Tischnachbarn aus England nach, ob sie diese kennen und damit Erfahrung haben. Leider nein, bekomme ich zu hören. Daraus entwickelt sich ein kurzer Segel-Smalltalk und 5 Minuten später haben wir die Tische zusammen geschoben.  Anita und Richard genießen seit knapp drei Jahren ihr retirement (Ruhestand) und leben seither mehr oder weniger auf dem Wasser, ihr Ziel ist ebenfalls die Karibik, Südamerika, Panama, Pazifik. Und so entwickelt sich ein ganz wunderbarer Abend, es wird Runde um Runde bestellt, wir lachen viel, tauschen Informationen zu Segelrevieren, Häfen und Ländern aus und erzählen uns natürlich die abenteuerlichsten Segelanekdoten. Im Nachhinein sind wir beide uns einig, dass es genau solche Begegnungen sind, die das Segeln allgemein und das Bluwassersegeln im Besonderen ausmachen. Es spielt keine Rolle, woher du kommst, was dein nächstes Ziel ist, wieviele Meilen du schon im Kielwasser hast oder wie groß dein Schiff ist. Alle Segler treibt letztendlich die Sehnsucht nach dem neuen und unbekannten Ufer, die kleinen oder großen Sorgen beim Blick auf den Wind und das Weiterkommen, die Freude einen neuen Hafen sicher erreicht zu haben und die Hilfsbereitschaft untereinander, wenn doch Probleme auftauchen sollten. Zum Abschied umarmen wir uns herzlich, gerade so als würden wir schon Jahre zusammen segeln, wünschen uns „fair winds“ für das Weiterkommen und verabreden uns auf unbestimmte Zeit in der Karibik.

Zurück am Boot wird unser Euphorie über den wunderbaren Abend jäh beendet: das Video hat stellenweise keinen Ton … aaaaah! Kurz überlegen wir, die ganze Arbeit mit dem Blog einzustellen – nee, quatsch, natürlich nicht! Dann müssen wir den ganzen Spaß morgen während der Überfahrt nochmal durchlaufen lassen, Wind sollte ja genug sein, Sonne vielleicht auch.

Wir wollen möglichst früh aufbrechen, am Besten bei Sonnenaufgang. So viel sei verraten, natürlich hat das nicht geklappt. Die Überfahrt nach Sal Rei wird ca. 6 Stunden dauern, mit beständigem NO-Passat sind auch keine Überraschungen zu erwarten. Wir freuen uns auf die nächste Insel, denn so ehrlich will ich sein, Sal ist als erster Anlaufpunkt von den Kanaren kommend ein guter Stop um in die Lebenswelt der Kapverdianer einzutauchen aber sonst doch recht faad. Den Süden haben wir zwar nicht kennengelernt, jedoch verrät der Reiseführer, dass es bis auf einige größere Hotelanlagen und dem weiten Strand von Santa Maria auch nicht viel mehr zu entdecken gibt. Boa Vista lockt dagegen mit abwechslungsreicher Landschaft, Sandwüsten, weiten Ankerbuchten und „pulsierenden“ Städten. Mehr dazu in Teil 2


 

16 Antworten auf „Insel Sal – Kap Verden Teil 1“

  1. Hallo zusammen, ich verfolge Euren Blog nun schon seit einiger Zeit und bin sehr angetan von den Bildern, Erlebnisberichten und Erklärungen. Das kommt sehr ehrlich und authentisch, auch sympathisch rüber. Man fiebert richtig mit und drückt den imaginären Daumen, dass alles, wie geplant und gewünscht, gelingt. Dafür ein Dankeschön. Umso enttäuschter war ich über die Passage mit Jay, augenscheinlich jemand, der in einem dritte Welt Staat versucht durch Arbeit und grenzwertigem Geschäftssinn über die Runden zu kommen und sich vielleicht etwas aufzubauen. Sich hier über die, zugegebenermaßen schwankenden, Preise für Trinkwasser, die Kosten für „Müllentsorgung“ und zwei frische Langusten (schaut mal was in der Welt dafür marktüblich ist) zu beschweren – naja. Wenn man in der äußerst privilegierten Lage ist monatelang ungebunden in der Weltgeschichte herumzusegeln und finanziell abgesichert seinen Traum zu leben, dann sollte man vielleicht etwas mehr Demut an den Tag legen. Ich wünsche Euch weiterhin viel Glück und eine schöne Zeit!

    1. Moin Carsten,

      dank Dir für den durchaus kritischen Kommentar.

      Bei Jay habe ich eher das Gefühl, daß seine initiale Idee richtig gut war, er aber ab einem gewissen Punkt einfach zu gierig geworden ist.

      Klar sehen die Leute oft nur das weiße Segelboot und die „reichen“ Europäer an Bord, die Geld haben ohne Ende. Zumindest in unserem Fall ist das aber nicht so. In dem Projekt stecken mehrere Jahre Vorbereitung, Geld sparen, Streit mit Versicherungen, Baueinsätze bei -5°C im Winterlager, und so weiter und so weiter. Dazu bin ich z.Z. freigestellt und Claudi musste kündigen. D.h. wir haben beide keinerlei Einkommen und wenn das Geld alle ist, endet auch die Reise.

      Das sehen die Leute hier halt nicht. So habe ich auch meine Campingaz Pulle nicht mehr von ihm wiederbekommen. Da habe ich auch gut einen Tag in Mindelo „verbraucht“ nur um die Campingaz Flasche aus einer Shell Station zu bekommen, die ein unwissender Yachti dort wohl abgegeben hat. Da die natürlich leer war musste ich dann noch zur Auffüllstation.

      Mitterweile geht mir diesen permanente angebettel einfach nur auf den Nerv. Z.B. stehe ich 50cm vor einer Mülltonne und habe einen Müllsack in der Hand. Schon kommt einer und will mir helfen, natürlich gegen Bezahlung. Oder man steht vor einem Geschäft und fragt wann das denn öffnet. 15 Uhr, aha und schon will man Geld.

      Uns ist ein einziges mal passiert, daß mal jemand was ohne Bezahlung gemacht hat. Das war ein Angestellter vom Supermarkt, der uns beim Transport des Einkaufs zum Boot geholfen hat.

  2. Hallo ihr beiden, ich bin beeindruckt von euren Erlebnissen, man könnte eure Berichterstattung immer und immer wieder lesen und anschauen, es ist faszinierend. Ich wünsche euch alles Glück und gute Reise, eine gesegnete Weihnacht aus dem schönen Erzgebirge ….

  3. Hallo ihr beiden,

    auch wir – Christoph + Eva verfolgen immer mit Spannung, Begeisterung, aber auch großer Hochachtung vor eurem Abenteuermut eure Beiträge und freuen uns immer riesig, wenn ihr wieder ein Etappenziel erreicht habt – so wie jetzt gerade die dritte Insel auf den Cape Verden. Toll finden wir auch, wie abwechslungsreich ihr diesen Block gestaltet. Wir ahnungslosen „Landratten“ bekommen so auch eine zumindest leichte Vorstellung, woran in Vorbereitung und während einer solchen Reise alles zu denken ist!

    Unser Sohn Markus hatte ja vor 2 Jahren in seinem Land Rover Afrika von Nord bis Süd bereist und war somit auch einmal im Senegal (Dakar) an der Atlantikküste – wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass 2 Jahre später sich die nächsten Conradsdorfer in dieser Region bewegen, aber noch viel spektakulärer mit einem Segelboot weit draußen auf den hier vorgelagerten Inseln! 

    Also, wir wünschen euch für euer gesamtes Vorhaben weiterhin alles erdenklich Gute, viele tolle Eindrücke von der Vielfalt unserer Welt, aber auch viel Kraft und vor allem Gesundheit. 

    In Gedanken reisen wir wir mit euch!

    Viele Grüße aus Conradsdorf

    Christoph & Eva

    1. Hallo ihr beiden 🙂

      Wir müssen zugeben, die Kapverden haben schon was. Sehr abwechslungsreich und urig.

      Eigentlich wollten wir schon seit gut einer Woche Richtung Karibik unterwegs sein, aber leider will DHL meine neue Kamera nicht liefern.

      Naja, bis Neujahr warten wir aber keinesfalls mehr, wir wollen in die Karibik 😉

  4. Danke, dass man sich als Leser eures Blogs so fühlt, als wäre man mit von der Partie .
    Gute und erlebnisreiche Weiterreise und etwas adventliche Stimmung mitten im Sommer wünschen euch Corinna und Gerrit aus Dresden

  5. Hallo Ihr Beiden. Ganz liebe Adventsgrüsse senden Euch Ricarda &Thorsten von der „Nautilus“ aus Ueckermünde. Auch wir sind begeisterte Leser Eures wirklich tollen Blogs. Wir freuen uns immer wieder auf den nächsten Bericht und wünschen Euch eine gute Weiterfahrt und wenige Reparaturen an Bord.

  6. meine lieben,ein wundervoller bericht.ich bin begeistert.soviel tolles zu erleben ist ein wunder.wir grüßen euch ganz herzlich und drücken euch ganz fest.mutti und vati

  7. Video und Bericht sind immer wieder wunderschön und total interssant. Danke!!
    Ich wünsche euch noch eine gesegnete Adventszeit.
    Liebe Grüße
    Evi

  8. hallo Ihr Beiden, mich begeistert Eure erfrischende Art wie Ihr die Dinge erkundet und beschreibt – vielen Dank dafür, dass wir quasi alle mitfahren dürfen, ich ersehne jeden neuen Beitrag, es muss auch nicht immer ein Film dabei sein – trotzdem, ganz großes Kino und viele Grüße aus dem weihnachtlichen Sachsen, hier gibts noch immer keinen Schnee im Flachland…
    Also, gute Fahrt Euch Beiden und immer Fair Winds !

  9. Bis zu den Kanaren war es vertrautes Europa. Jetzt beginnt auch für mich als Betrachter das Abenteuer! Schon recht afrikanisch alles. Ja ,und worüber wir uns in Germany alles aufregend! Passt gut auf euch auf. Viel Spaß und nette Entdeckungen weiterhin und: ich weiß zu schätzen, welchen Aufwand Ihr für das Entertainment eurer Blog-Fans treibt!
    Herzliche Adventsgrüße aus dem Erzgebirge
    Uta

  10. Wow…wir sind platt von dem Bericht und werden uns diesen noch mal ansehen um die Eindrücke zu verarbeitet.

    Grüße aus den nasskalten Hessen von Ruth und Egon

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