Die Nordsee und viele „Obben“

Nach 2 Tagen Cuxhaven war ein gutes Windfeld für die Nordsee angesagt. So sind wir am 21.08. gegen 16 Uhr in See gestochen, um die Nordsee zu bezwingen. Leider war das Windfeld nicht lang genug vorhergesagt, um Den Helder in den Niederladen zu erreichen. Aber: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“

ruhige See und kein Wind im Wattenmeer

 

So haben wir uns die ersten paar Stunden Rest-Westwind mit Hilfe der Tide und der Kraft unseres Perkins (=Diesel) erkauft. Gegen 23 Uhr drehte der Wind endlich auf Süd und es ging in Rauschefahrt gen Westen. Es war eine tolle Fahrt durch die Nacht!

Leuchtturm Vuurtoren Ameland

Norderney und Borkum waren im Kielwasser verschwunden, aber dann wollte uns Neptun doch mal zeigen, was die Nordsee so drauf hat. In Cuxhaven hatten anscheinend recht viele Segler die Idee das Windfeld zu nutzen, jedoch ist einer nach dem anderen Richtung einer der Nordseeinseln abgelaufen. Zum Schluß waren es, neben uns, nur noch 3 weitere Yachten, mit der Idee weiter zu machen.

So kam es, wie es kommen sollte und der Wind drehte ab 9:30 Uhr langsam aber stetig gen West und ließ die Selene Richtung des Verkehrstrennungsgebietes (VTG) ablaufen. Mir war es gar nicht aufgefallen, aber da lauerte schon die Rennleitung (Polizei). In einem VTG hat man als Sportschiffer eigentlich nichts zu suchen, außer man möchte es queren. Darin irgendwie „herumzukreuzen“ kann empflindliche Strafen nach sich ziehen.

„lehrbuchmäßiges“ Zurückkreuzen beim Aufkreuzen 😉

So haben wir genau an der Kante zum VTG eine Wende gefahren und sind mit einem Wendewinkel, wie ihn auch ein Nicht-Segler hinbekommen würde praktisch wieder zurück gefahren. Der wahre Grund war aber der Tidenstrom und die mittlerweile recht steile Welle. So sind wir Wende um Wende mit ein paar anderen Seglern gefahren (wir haben uns bei jeder Begegnung gegrüßt) und haben dann fesgestellt, daß wir bei den Bedingungen das Ganze noch weitere 60 Meilen so weiter machen müssten – Immer schön zwischen Küste und VTG hin und her. Geschätzte Zeit, um das hinter sich zu bringen: 12..14h. Da wir aber nicht bei einer Regatta sind, haben wir uns zwischen Terschelling und Ameland verkrochen. Das haben auch die anderen Segler gemacht.

In der weiten Bucht herrschte zwar ein ordentlicher Gezeitenstrom von bis zu 2.7kn, aber der Seegang war weg. Nach einem Blick in die Wettervorhersage haben wir alles richtig gemacht. Wind aus Süd-West mit 6 Windstärken + passende Welle. So sind wir am 24.08. nach zwei Tagen vor Anker gegen 12 Uhr mit dem ablaufenden Wasser Richtung Den Helder aufgebrochen.

… wegen dieser Bilder und Stimmung lieben wir Nachtfahrten

Da ein mehrtägiges Windfenster mit moderaten Winden aus Ost bis Nord-Ost angesagt war, sind wir jedoch gleich weitergefahren. Grobziel: Calais, rund 200 Seemeilen.

Nach einer entspannten Nacht steuerte Claudi weiter, aber so recht wollte mich Neptun nicht schlafen lassen <Logbuchauszug, Claudi>

11:20   52°25´15N/04°17´49E…wegen des abnehmenden Windes werden wir immer langsamer aber wir segeln noch relativ ruhig  200°. Geschafft haben wir in den vergangenen 24h gerade mal  ca. 60 sm – nicht gut! ….. Aber egal, dafür besuchen uns Robben, Kegelrobben um genau zu sein. Anfangs noch in sicherem Abstand zum Boot doch schnell siegt die Neugier und sie schwimmen ganz dicht ans Heck, tauchen unten drunter durch und tauchen schniefend und prustend an der Bordwand wieder auf. Das kann ich Martin nicht vorenthalten obwohl er erst seit ca. zwei Stunden schläft. Wir schauen uns das Treiben eine Weile an, dann sind sie plötzlich weg – schade! Martin geht schlafen.

…keine halbe Stunde ist die Nächste da und Martin wieder wach. Dafür ist der Wind mitlerweile eingeschlafen und wir stehen fast.

13:45  52°24´43N/04°18`14E

Der wenige Wind verleitet mich alles Mögliche an Segeltrimm zu versuchen um wenigstens gegen die Strömung nicht wieder zurück zu treiben – mit sehr mäßigem Erfolg. Wende, Halse, Schmetterling, ich weiß gar nicht mehr wo wir momentan genau hinfahren bei den vielen Kringeln…nützt alles nüscht bei 2-4 kn Wind. Der Lärm den das ganze verursacht treibt den Skipper aus der Koje, entsprechend gut gelaunt steht er im Cockpit … sorry Martin, das Groß muss runter (ich bin zu kurz dafür!) – gesagt getan! Rums, Bums, Zieh und Zerr – Großsegel geborgen, Martin verschwindet ins Bett. Nur mit Vorsegel geht`s wieder ganz gut vor dem Wind, der Spi würde bei dem lauen Lüftchen vor dem Bug einfach ins Wasser fallen ….

17:00   52°20´28N/0416´09E

… bis, ja bis mir so ein verschissener Frachter in die Kurslinie fährt und keine Anstalten macht, mir anzuzeigen was er denn nun gedenkt zu tun (er ist ausweichpflichtig!). Durch das darauffolgende Rumgeeier (ich gene zu, auch meinerseits) bin ich ein- zweimal fast gehalst und es hat gereicht, dass Martin erneut und verständlicherweise nun zum dritten Mal grummeld im Cockpit steht. ….. „

Dafür gab es viele Begegnungen mit Kegelrobben. Erst verhalten auf Absand, dann mutiger, bis sie versucht haben die Qualle zu futtern, die sich an unserem Ruder vom Windpiloten verfangen hat. In dieser Zeit hat natürlich keiner Selene gesteuert und wir sind ein paar Kringel gefahren (bei 3..4 kn Wind macht es der WindPilot auch nicht mehr).

Als die Obben (=Robben) dann weg waren ging der Blick auf die Uhr. Ach ja .. wir wollten ja durch das Wirrwarr mit den 3 VTGs vor Rotterdam bei Tageslicht.

Analyse:
Wasser ablaufend mit ~1.5 kn
Entfernung: 14 Meilen
Uhrzeit: 18:00
Fazit: Machbar!

Also Maschine an und losgedampft.

Der Strom hat gut geholfen und wir waren kurz vor 20 Uhr vor Rotterdam. Dank AIS war die Passage durch die „High Traffic Zone“ recht entspannt und wir haben das Gebiet schnell hinter uns gelassen.

Ich hatte mich innerlich schon drauf eingestellt endlich mal richtig auszuschlafen, als kurze Zeit später der Wind weg gepennt ist. Eigentlich kein Problem, aber durch die Menge an Großschifffahrt steht vor Rotterdam eine nervige Schaukelwelle, die wunderbar die Segel schlagen lässt und damit einen entspannten Schlaf unmöglich macht. Aus diesem Grund haben wir uns einen flachen Bereich in der Uferzone ausgesucht und dann dem Rocna (Anker) die Schicht übergeben.

Wie wir schon bemerkt hatten, sollte der Wind über Nacht praktisch auf Null zurück gehen, aber dann am nächsten Tag gegen 16 Uhr wieder aufbrisen.

Der nächste Tag, 26.08. Gut ausgeschlafen setze schon gegen 13 Uhr ein guter Segelwind ein und wir entschieden uns gegen den abflauenden Strom weiter Richtung Dünkirchen zu segeln.

Entfernung: 80 Meilen. Zeitlich fast egal, aber wir wollten/mussten vor Dienstag 22 Uhr ankommen, da ab dann ein mittelmäßig straffes Windfeld aus West angesagt war, was im schlimmsten Falle auch noch eine gute Woche anhalten könnte.

So liegen wir zur Zeit in Dünkircken / Dunkerque und schauen mal, was der angesagte Westwind nun so mit sich bringt. Erst mal sind 2 Tage angedacht, vielleicht schieben wie die 25 Meilen nach Calais, wenn der Wind und Strom es zulässt. Dann gilt es ein gutes Fenster für das Kap Gris-Nez zu finden …

 

7 Antworten auf „Die Nordsee und viele „Obben““

  1. Schöne Videos!
    Falls es keinen Spass mehr macht, sagt einfach bescheid – ich würde dann kommen euch abzulösen und ihr dürft wieder nach hause … 🙂

  2. Danke für die tollen Videos. Ich hoffe, dass es nicht die letzten waren! Ich wünsche euch alles Gute und eine behütete Fahrt.
    Liebe Grüße
    Evi

    1. Vielen lieben Dank, Evi! Wir sind ständig am Tun, neues Material für die Videos zu sammeln, allerdings ist da auch oft viel Blödsinn dabei;)

      Viele Grüße aus Dünkirchen
      Claudia

  3. Wir verfolgen euch seit Beginn eurer Reise und wüschen euch auch weiterhin viel Spass, schöne Erlebnisse und ab und zu so ein geiles Video von unterwegs.

    Jana und Thomas
    (die Nachbarn)

  4. So ein tolles Kino heute Abend! Das hat jedes Fernsehprogramm in den Schatten gestellt! Danke für Eure Mühe. Schlaft aus und genießt “ Frongk’raisch“ ein wenig.
    Liebe Grüße

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