Winterarbeiten … oder auch nicht

Nun sind schon wieder so viele Monate ins Land gegangen.
Ohne einen Beitrag, ohne ein Video :/

Wie immer nimmt man sich viel vor – zu viel.


Es war Oktober 2025, also die anstrengende Kranzeit. Man könnte sich das auch viel einfacher machen, indem man den Aufwand, gegen einen Geldbetrag eintauscht, aber das widerstrebt mir.
Also das übliche, was ich auch schon 1000 mal gezeigt habe. Segel runter, Großbaum ab, Leinen fädeln, Kabel trennen, Windgenerator runter, Wasseranlage und Maschine winterfest machen, vorher noch einen Ölwechsel, und, und, und …

Hannah hat noch schnell geprüft, ob alles richtig vorbereitet ist.

Bei der Plane war ich froh, daß ich mir beim Zusammenlegen ein paar Gedanken gemacht hatte. So konnte ich jetzt einfach das ganze Paket auf den Mast legen, aufschlagen und dann links und rechts aufklappen. Das geht sogar alleine richtig gut.

Eigentlich hatte ich vor, über den Winter mal was kosmetisch am Boot zu machen. Es war jedoch so saukalt, daß dies ins Wasser – oder besser den Schnee – gefallen ist.

Dann im Frühjahr hatte ich zwar 2 Monate Elternzeit, jedoch war eine Fahrt zum Schiff nicht drin. Sabrina hat wieder mit dem Arbeiten begonnen und wir haben Hannah langsam auf längere Aufenthalte in der Grippe vorbereitet. Dazu war noch in der Zeit mein Vater recht schwer erkrankt, was letztendlich einen freiwilligen Umzug ins betreute Wohnen nach sich gezogen hat, wodurch ich viel Zeit mit dem ganzen Umzug, etc. verbracht habe. Also ist da auch nichts geworden.

Letztendlich lief es darauf heraus, daß wir dann über Ostern zum Schiff sind, um Selene am ersten Werktag danach ins Wasser zu bekommen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal sehr beim Kulturspeicher Ueckermünde für die Möglichkeit einer Unterbringung bedanken. Damit hatte Hannah genug Auslauf und ein Bettchen, während ich am Boot bauen konnte.

Kranvorbereitung

Vor dem Kran kommen erst mal die üblichen Arbeiten am Rumpf. Entgilben, Reinigen und Polieren. Schaut gut aus, oder?

Dazu noch ein paar kleinere Ausbesserungen des Antifoulings.

Die Segel hatte ich diesmal gleich auf dem Deck liegen lassen. Da es beim Abtakeln geregnet hat, waren die eh naß.

Da für die kleine Hannah die Leiter eine magische Anziehungskraft hatte, ist sie dann auch mal auf dem Deck in gut 4m Höhe gelandet. Hey! Diese komischen Displays haben ja Knöpfe!

Schraube / Flexofold

Beim Reinigen des Schiffes ist mir Folgendes aufgefallen. Das Foto ist exemplarisch:

Beim Reinigen der Nabe stellte ich fest, daß diese lose ist – also nicht mehr auf dem Konus klemmt. Die Welle ist relativ neu und wurde kostenlos getauscht, da sie vermutlich beim Kranen verbogen wurde. (siehe einen meiner letzten Beiträge)

Beim Zerlegen fand ich auch keinerlei Loctite oder ähnliches. Die Konstruktion ist so gelöst: Die Nabe klemmt auf dem Konus und ist zusätzlich mit einer Paßfeder gegen Verdrehen gesichert. Dann wird eine große Mutter darauf gedreht, die seitlich noch mal mit einer Madenschraube gesichert wird. Das war praktisch alles am Auseinanderfallen. Selbst die kleine Madenschraube war schon sehr locker.

Ich habe alles – vor allem den Konus – penibel gereinigt und entfettet. Zum Schluß wurde die Nabe dann noch auf dem Gasherd etwas erwärmt und dann mit viel Schwung auf den Konus der Welle geschoben. Das Ganze hat sofort gut geklemmt. Leider hatte ich keinen Drehmomentschlüssel dabei und im eingebauten Zustand ist es nicht einfach den Propeller zu verkeilen. Die übliche Methode ist ein Stück Holz, was zwischen Rumpf und einem Propellerblatt geschoben wird. Das geht bei dem Flexofold nur bedingt. Wenn ich ein Blatt richtig einbaue, dann kann ich die Nuß nicht mehr ansetzen. Also sitzt das Blatt nur so halb in der Aufnahme. Bei einem nötigen Drehmoment von etwa 120Nm muß man sehr aufpassen, daß man die Nabe nicht beschädigt.

Ich habe mir dafür viel Zeit genommen und immer wieder kontrolliert, bevor ich mit Kraft angesetzt habe. Zusätzlich wurde alles mit mittelfester Schraubensicherung gesichert.

Die Liste war nicht sonderlich lang, es war aber trotzdem recht viel. Erst mal fix Kranen:

Und da ist sie wieder, angekommen am Liegeplatz.

Wärmetauscher

Es ging damit los, daß recht wenig Kühlwasser im Wärmetauscher war. Der Wärmetauscher ist im Prinzip auch das Ausgleichsgefäß. Da kein weißer Rauch aus dem Auspuff kommt (Zylinderkopfdichtung) und auch keins in der Bilge gelandet ist, hatte ich den Wärmetauscher in Verdacht.

Der Ausbau ist sehr einfach und schnell erledigt.

Ich habe mir dann zu Hause eine Konstruktion gebaut, wo ich den Wärmetauscher voll Wasser füllen und dann mal ein paar Wochen stehen lassen kann.

Zusätzlich habe ich mir natürlich auch die Hartlötung genau angeschaut.

Einen Schaden konnte ich jedoch nicht feststellen – sehr gut. Also muß das Wasser irgendwo anders entwichen sein.

Ich bin letztendlich zu dem Entschluß gekommen, daß die Bowman Muffen die Ursache waren. Vor allem die hintere, die ich damals schon mal getauscht habe. Dort fand ich an den Dichtflächen recht viel Kalk. Ich vermute, dort ist das Wasser langsam entwichen. Es war nicht viel – vielleicht 0,5l in 6 Monaten…

Noch schnell 2 Fotos vom Einbau. Hier ist es schon bissel enge.

Natürlich habe ich auch einen Satz neue Edelstahlschlauchschellen gekauft, da die alten nur aus verzinkten Stahl waren. Im Maschinenfach ist das zwar kein Problem, denn ein Perkins der nicht etwas ölt / schwitzt ist kaputt.

Übrigens sind das die neuen Formgummis, die ich damals gekauft habe, als der eine gerissen war. Ja, auch die habe ungenutzt 12000 Meilen über den Atlantik gefahren.

Serviceakkus

Kommen wir zu den Akkus. Als wir das Boot kranen lassen wollten, hatte der Service Kreis gerade mal 10V. Das sieht nach einem Zellenschluß aus. Also habe ich einfach das Ladegerät angesteckt und nach einer Weile geprüft, welcher Akku wärmer ist. Als ich den dann abgeklemmt habe, funktionierte alles wieder wie gewohnt.

Natürlich mußten jetzt 2 neue Akkus her. Mir war wichtig: Gleiche Größe und gleiche Lage der Pole.

Ich habe mich dann für die VETUS AGM Batterie 140Ah entschieden. Natürlich wieder 2 Stück. Lithium kommt für mich nicht infrage – schon wegen des Preises. Dafür müßte ich auch ein anderes Ladegerät kaufen, einen neuen Regler für den Windpiloten und auch einen neuen Solarregler. Der Preis für die beiden AGM lag bei 633,52€, wobei ich noch mal 19% durch die Solarförderung sparen konnte. Selene hat ja auch ein paar Solarplatten.

Zum Einbau hatte ich Henne dabei. Die Akkus sind mit über 40kg pro Stück echt unangenehm schwer.

Eine ist defekt und die andere kann ich zu Hause gut brauchen – z.B. zum Starten meines Dumpers.

Eins war noch wichtig. Ich mußte mein Ladegerät von „Blei-Säure“ auf „AGM“ umstellen. Eigentlich betrifft das nur die Ladeschlußspannung.

Revisionsdeckel

Als nächstes hatte ich schon seit vielen Jahren vor ein paar Revisionsdeckel in meine Wassertanks einzubauen. Diese lagen mittlerweile seit 9 Monaten bei mir zu Hause und sind jetzt endlich mal installiert worden.

Schalter vom Inverter

Dann war uns in der letzten Elternzeit der Schalter vom Inverter abgeraucht. Eigentlich ist das Teil auf stolze 350A ausgelegt und mein Inverter zieht 92A, wenn man vergißt den Boiler auszuschalten. Der neue Schalter ist nur für 150A ausgelegt und deutlich massiver in jeder Hinsicht.

Wer weiß bei welcher AliExpress Bestellung das andere Teil mit im Einkaufswagen gelandet ist…

Thermostat / Mischerventil

Ich hatte seinerzeit einen Isotherm SPA 30 Boiler eingebaut, da es in dem Boot keinerlei Warmwasser gab. Der Boiler heizt standardmäßig auf etwa 75°C und obgleich mir damals schon bekannt war, daß es eine Mischergruppe gibt, womit man die Warmwassertemperatur begrenzen kann, habe ich darauf verzichtet. Das hatte 2 Gründe. Der erste war, daß ich auch mal „richtig heißes“ Wasser haben wollte und der andere war – Geld sparen.

Nun liebt Hannah Wasser sehr und Wasserhähne noch mehr. Auf dem Boot steht die Kleine oft im Salon auf der Couch und fummelt auf der Küchenzeile herum. Da ist der Wasserhahn ein willkommenes Spielzeug. Ich hatte deshalb recht früh so meine Sorgen wegen der Gefahr des Verbrühens.

So offensichtlich habe ich die Mischergruppe nicht mehr bei SVB finden können, jedoch gab es bei dem Boiler eine Zeichnung mit Zubehör. Dort stand, man solle den Support fragen. Die Antwort kam recht schnell, hier ist der Link: https://www.svb.de/de/sigmar-marine-thermostat-mischerventil.html

Ich glaube, ich hatte sowas damals schon geahnt, weshalb der Boiler so eingebaut wurde, um eine Nachrüstung möglich zu machen.

Rechts unterhalb der Steckdose kann man das Regelventil sehen.

Der Einbau ging so lala. Ich hatte dazu die Kiste relativ weit zerlegt, da die Verschraubungen der Rohre recht straff saß.

Siehe da: Ich kann nun die maximale Temperatur an dem Ventil einstellen.

Ein Foto davon muß immer mit rein. Egal was man an Bord macht. Jede noch so kleine Reparaturmaßnahme hinterläßt ein Chaos. Das liegt daran, daß das Teil, was man braucht ganz unten liegt. IMMER!

Wantenspanner

Um zu verhindern, daß sich die Wantenspanner lösen (was sie auch wirklich tun!), sind Splinte die weitläufige Lösung. Ich habe das immer gehasst, da es ein echtes Gefummel ist. Man muß die Dinger durch Umbiegen irgendwie so rein bekommen, damit man sich nicht die Hosen im Vorbeigehen aufreißt, was eine spätere Demontage nervig macht. Zudem macht man das mindestens 3 mal pro Sason, da man das Rig oft noch mal nachspannen muß. Oft sieht man, daß da einfach Klebeband drumgewickelt wurde (z.B. auf Charteryachten), aber das ist nicht so meins. Hannah würde das sowieso alles wieder abfriemeln.

Wenn man selbst ein Segelboot hat, schaut man bei solchen Dingen oft bei anderen Seglern, wie die das gelöst haben. Darüber bin ich auf die so genannten „Sure Clips“ gestoßen. Link: https://www.svb.de/de/wantenspanner-sicherung-sure-clips-4er-set.html

Die sind zwar nicht gerade günstig, aber eine echte Erleichterung.

Gasanlage

Ich denke, ich habe mich schon genügend über Campingaz aufgeregt. Deshalb hier die Lösung im Gaskasten. Eine selbst befüllbare Propangasflasche von Gardinger, neuer Druckregler (endlich mal ein gewinkelter, den es in der Karibik nicht gab), neuer Schlauch und ein neuer Durchlaß (den Alten zeige ich im Video – der war echt nicht mehr schön).

Der Einbau war echt fummelig, da von außen Gegengehalten werden und dann von innen die Mutter angezogen werden mußte. Ich bin dazu bestimmt 20 mal hin- und hergekrabbelt, weil der blöde Schlüssel immer abgerutscht ist. Das hat mich schon seit dem Kauf des Bootes gestört. Diese ganze Konstruktion war seinerzeit schon recht korrodiert und wackelig. Ich habe vor noch einen neuen Herd zu kaufen und dabei den Schlauch dafür auch noch gegen einen Neuen zu tauschen. Dann werde ich eine Gasprüfung machen lassen. Ins Boot kommt zusätzlich noch ein passender Gaswarner. Sowas hatte ich bis jetzt zwar auch nicht und Butan ist schwerer als Propan, aber wenn man halt selbst Hand anlegt …

Den ganzen Aufwand mußte ich auch treiben, weil Gardinger das Standard Anschlußsystem nutzt und Campingaz irgendwas anderes.

Das Foto zeigt es ganz gut. Bei einer normalen Proanflasche (die rote) sitzt die Dichtung im Flansch vom Hahn. Bei der Campingaz Flasche gibts an der Stelle keine Dichtung. Schraubt man also den Regler der Campingaz Flasche an die Gardinger, dann wird das Ganze nicht dicht.

Hier steigere ich den Wert der Gardinger-Flasche enorm. Ich fülle Goldgas, ähm Butangas aus einer Campingazflasche um.

Und dann noch Propan. Leider ist mir die 5kg Flasche leer geworden  – doof fürs Video. Damit habe ich jetzt Gas, wie es in der Karibik verfügbar ist. Man gibt seine Flasche ab und bekommt sie voll wieder. Füllstand unbekannt, Gasart unbekannt. Mischungsverhältnis unbekannt. Es sei ein Propan-Butan Gemisch bekam ich immer nur als Antwort.

Hier ist meine neue Gastankstelle:

Eine 11kG Flasche (hinter Hanni). Die Füllung kostet 25€ und reicht für 4 mal umfüllen. Das wären dann 6,25€ pro Füllung. Das heißt: Wenn diese 11kG Flasche leer ist, liegt mein Set-Up mit Gardinger (incl. Kauf) schon finanziell in den schwarzen Zahlen – Verrückt.

PS: Ich bin mir den Risiken durchaus bewußt, wenn ich selbst Hand an die Gasanlage lege. Deswegen hatte ich  mich im Vorfeld mal mit jemanden vom Fach aus meinem Freundeskreis darüber unterhalten, wie man was macht und was man beachten muß. Zusätzlich werde ich die Anlage mal prüfen lassen.

Verschiedenes

Ich denke die Medikamente aus der Karibik kann ich alle entsorgen. Sind eh alle abgelaufen. Gut, daß wir davon so gut wie nichts gebraucht haben.

Vom Stegnachbar habe ich noch eine selbstaufblasende Rettungsweste für Hannah bekommen. Die geht ab 15kg Körpergewicht.

Paßt auch dem Papa!

Dann gabs noch ein Geschenk: Ein neues Leder fürs Steuer. Das habe ich auch noch draufgenäht. Zu meiner Schande muß ich zugeben, daß ich davon weder Fotos noch Videos gemacht habe. Wird nachgereicht. Ich habs aber tatsächlich geschafft das alte Leder durchzureiben. Zudem gewöhnt man sich echt an den Bezug. Zwar hat Selene praktisch keinen Ruderdruck (wo man das Steuer festhalten müßte), selbst wenn man den Trimm völlig versaut, aber der Griff ist einfach angenehm.

Dank noch mal an Henne fürs Helfen!

So – das ist ja wieder ein ewig langer Beitrag geworden. Ich hab immer gesammelt und gesammelt, weil ich dachte: Das lohnt sich noch nicht. Dann hat man so halbfertige Dinge – die will man auch nicht offen lassen – naja 🙂

Wir machen dann mal unseren Sommerurlaub auf dem Boot. Dafür ist der ganze Juli eingeplant. So in 6..8 Monaten kommt dann der Bericht dazu 😀

So long

Martin

PS: Stimmt das Video:

 

 

 

 

 

 

 

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