Grenada … Bordalltag und Covid in der Karibik

Hallo Leute,

ich dachte wirklich nicht, daß das letzte Video mit dem Bordalltag und meinen Koch- und Backversuchen so eine positive Resonanz hervorruft. Naja – es ist halt so, als würde ein gelernter Koch anfangen wollen sich in C++, SQL und PHP einzuarbeiten. So geht es mir mit dem Backen und Kochen. Aber bis jetzt war alles essbar und ich lebe (und koche) noch 😉

Das ist aber nicht das einzige, was zu tun ist. Es ist wirklich verblüffend, wie so ein Boot „zukeimen“ kann und sich nach und nach in allen Ecken und Kanten der Dreck sammelt. So geht es los mit dem groß Reinemachen. Bodenplatten raus, Staubsaugen, Wischen und Putzen. Dann ist die Bilge drann, in der sich andauernd irgendwelche Dinge sammeln. Obwohl ich der Meinung bin, jeden Müll sofort in der Mülltüte verschwinden zu lassen, finde ich schon so einiges  jedes mal der Bilge. Keine Ahnung, wie das dahin kommt … Das sind alles Arbeiten, die ich in jedes Video aufnehmen könnte und es wäre einfach nur langweilig.

Mit diesen Gedanken gehe ich eine andere Sache an, die mich auch schon länger nervt. Das wären die Solarpaneele. Anfangs war die Idee, diese links und rechts am Heckkorb und der Reling zu befestigen. Diese Lösung ist einfach nur ungünstig. An der Reling stören sie beim Spi fahren und am Heckkorb sind sie beim Anlegen ständig im Wege. Zu dem sieht auch nur immer eine Seite die Sonne und die Ausbeute lässt damit sehr zu wünschen übrig. Aus diesem Grunde hatte ich schon in Portugal 2 Paneele auf das Bimini gepackt. Dank der Rahmen war es sehr einfach diese zu verbinden und seefest zu verzurren.

Die anderen beiden Paneele lagen bis dato immer nur einfach so auf dem Bimini und wurden auch schon mehrmals davon geweht. Meist hingen sie noch am Kabel und konnten geborgen werden. Bis auf ein mal in Bequia – da durfte ich eins wieder vom Grund de Bucht holen. Seit dem hatte ich die Teile mit einem Tampen, eher schlecht als recht, festgezurrt. Diese Lösung hat mir nie so richtig gefallen, aber ich hatte auch keine richtige Idee, wie ich das kostengünstig (= schweißen fällt aus) und einfach lösen kann.

Nach einigem Grübeln hatte ich dann die Idee eine billige Yoga-Matte zu kaufen, die Paneele irgendwie zusammen zu schrauben und festzubinden. Zwei lange Schrauben verbinden die Paneele flexibel und an den Ecken wurden Ösen eingeschraubt. Damit sollten die Paneele jetzt halten. Wenn ich so etwas noch einmal mache, werde ich einen richtigen Träger bauen/schweißen, auf dem die Paneele befestigt werden. Es gibt hier auf Grenada zwar die Möglichkeit sich etwas schweißen zu lassen, jedoch müsste das später noch mal geändert werden, da ich mich von den flexiblen Paneelen trennen möchte. Die Ausbeute ist viel zu gering für meinen Verbrauch oder besser gesagt „Nutzungsprofil“. Neue kaufen fällt auch aus, da Solarpaneele hier auf Grenada einfach zu teuer für die gebotene Leistung sind. Es ist viel günstiger den Generator an einem klammen Tag mal für 1 .. 2 Stunden laufen zu lassen, anstatt für hunderte von US-Dollar eine neue Solaranlage zu kaufen. Nur so nebenbei: Die Gallone Benzin kostet hier 12 EC. Und damit meine ich die imperiale Gallone, welche bei 4,54 Litern liegt. Damit liegt der Liter Benzin bei schlappen 1,20 € – und das an der Schiffstankstelle. Nimmt man größere Mengen ab kann man ein so genanntes C14 Formular ausfüllen und viel  Steuern sparen. Damit liegt der Preis pro imperiale Gallone bei um die 7,50 EC.

Der Umbau der Solaranlage ist eigentlich kaum einer Erwähnung wert – und trotzdem habe ich doch schon wieder so viel darüber geschrieben 🙂 Deshalb geht es schnell mit dem nächsten Thema weiter: Bohnen

Also wirklich! Ich habe recht viel Hülsenfrüchte an Bord. Weiße Bohnen, Rote Bohnen und Kichererbsen – alles als Trockenware aus Deutschland über den Atlantik herüber geschippert. Ich denke ich muß hier wenig darüber schreiben, da das Kapitel im Video lang und breit erzählt wird. Mir geht es allerdings um etwas anderes: Uta hatte uns für den Törn einen richtig guten Schnellkochtopf geschenkt und ich war eigentlich der Einzige, der das Ding auch mal benutzt hat. Mir steht der Sinn nach einem knackigen Bohnensalat und ich fange an zu kochen. Heraus kommt eine recht stattliche Portion für ca. 8 Personen, welche aus je 250g (trocken) weißen und roten Bohnen, sowie Kichererbsen besteht. Dazu noch eine große Zwiebel, ein paar Knoblauchzehen, 200g angebratenen Schinken und eine Brühe aus Gemüsebrühe, Sojasauce, Essig, Gewürzen und Ölivenöl .. eben so lange irgendwas dazu kippen, bis es so schmeckt, wie es einem gefällt 😉

Gut in der Kühlbox verstaut war der Bohnensalat nach 3 Tage auf-gefuttert. So etwas mache ich definitiv noch mal!

Während die Bohnen so vor sich dahin kochen kümmere ich mich parallel um die Wäsche. Ja, ich habe einen Vollwaschautomaten an Bord, den ich liebevoll Martina nenne. Nagut – das war ein kleiner Witz – auch wenn ich hin und wieder von mir in der dritten Person rede, dann nutze ich definitiv keine Frauennamen 😉 Aber zurück zur Wäsche, was ich doch schon etwas ernsthafter erwähnen möchte:

Gibt man die Wäsche weg, dann wird eigentlich immer kalt gewaschen. Selbst wenn man eine Station nutzt, wo man die Maschine selbst bedienen kann, dann gibt es keinen Schalter, an dem man 30, 40 oder 60 °C einstellen kann. Das ist in der Karibik praktisch überall gleich. Dazu kommt, daß zum Teil das Wasser nur ein- oder zweimal am Tag getauscht wird. Hat man also Pech wird die eigene Wäsche in dem Wasser von 5 .. 10 anderen Leuten „gewaschen“. Das ist nicht nur ekelig, sondern man bekommt die Wäsche auch dreckiger und stinkender zurück, als man sie abgegeben hat. In einem meiner früheren Videos habe ich mal am Rande gezeigt, wie dreckig die Wäsche zurück kam.

Auch wenn es bedeutet Wasser zu schleppen und den Generator für den Boiler laufen zu lassen, bin ich deshalb mehr und mehr dazu übergegangen meine Wäsche selbst zu waschen. Weißes Zeug meist mit einem Schuß Chlor und im ersten Gang nutze ich gern Seewasser. Man muß etwas Zeit mitbringen (die man als Segler sowieso hat) und alles länger einweichen lassen. Der Dank ist aber Kleidung die man auch anziehen, bzw. Bettzeug in dem man schlafen möchte. Um nicht zu viel auf einmal Waschen zu müssen, kümmere ich mich mittlerweile recht häufig darum. Oft mache ich die Waschtage auch einfach vom Wetter abhängig. Viel Regen = Waschtag.

Falls jemand mitliest, der so einen Törn auch vor hat, dem würde ich empfehlen die Waschgerätschaften vorher mal anzuschauen, falls man die Wäsche wirklich abgeben möchte. Bei günstigen Anbietern gibt es keinen Trockner und die Wäsche hängt meist irgendwo zum Trocknen. Bei so etwas geht man am besten mal in der windabgewandten Seite vorbei und hält die Nase in die Luft. Riecht man so einen penetranten, beißenden Geruch, dann sollte man besser die Finger davon lassen. Eine andere Variante sind die anderen Segler. Einfach mal herumfragen, ob jemand dort schon mal was abgegeben hat … Die Antworten sind meist sehr eindeutig und ehrlich.

Wenn ich schon mal dabei bin Tipps zu geben, dann geht es mit dem Gas gleich weiter. In Europa oder besser gesagt EU Ländern kommt man mit dem franz. Campingaz System ganz gut um die Runden. Der einzige Nachteil ist eigentlich nur, daß das Nachfüllen sehr teuer ist. Im Tausch habe ich auf der Reise immer irgedwas zwischen 15 und 35 € pro 2,7kg Gasflasche bezahlt – uff. Außerhalb der EU kann man die Flaschen im allgemeinen nur befüllen lassen. Auf den Kap Verden ging das direkt bei Shell und hat 4 € gekostet. Sonst gibt man die Flasche meist irgend jemanden mit und bekommt sie voll wieder. Es gibt keine Rechnung, keine Plombe und auch keine Info, wie viel und was genau eingefüllt wurde.

Da es auf Grenada kein Butan gibt, werden die Flaschen mit 75 % Propan und 25 % Butan befüllt. Als ich das gehört habe, dachte ich mir nur so: „Naja – OK?“. Eine Propanflasche hat bei 40°C ca. 13,5 Bar Druck und eine Butanflasche nur ca. 3 Bar. Eingefüllt wird ein Gemisch, also wird der Druck irgendwo dazwischen liegen. Ich hoffe die Flaschen sind dafür ausgelegt – vor allem die eine, die schon recht viel Rost angesetzt hat. 🙂 Auf meine Nachfrage bezüglich dieser Problematik wurde mir nur gesagt, daß man dies schon jahrelang so macht und noch nie eine Flasche explodiert sei. Naja .. sein Wort in Gottes Ohr – die Titanik galt auch als unsinkbar …

Die nächste Sache sind die Akkus vom Boot. Mein Refraktometer zeigt mir immer, daß die Batterien recht leer sind. Irgendwie finde ich das sehr merkwürdig, denn die Spannung geht tagsüber schon gern mal auf 14,1 .. 14,2 Volt. Wie bekannt sein sollte, nutze ich Blei-Säure-Naß-Akkus. Damit liegt die Ladeschlußspannung bei 14,4V und die Säuredichte sollte bei mindestens 1,25 g/cm³ liegen. Tatsächlich zeigt mir das Gerät immer etwa 1,20 g/cm³ (1,10 g/cm³ wird als leer angesehen) an, was sehr eigenartig ist. Als Wissenschaftler hat man auch immer das Meßequipment in Verdacht, also kaufe ich für ein paar EC ein richtiges Dichtemeßgerät.

Es ist interessant, denn das Gerät zeigt mir genau den selben Wert an, wie mein Refraktometer. Das einzige, was den Meßwert etwas „schöner“ macht ist die Temperaturkompensation, aber so richtig befriedigend ist es trotzdem nicht. Danach müsste ich gerade mal 0,004 g/cm³ addieren. Naja – die Akkus funktionieren, halten die Spannung, ich kann auch mal über längere Zeit 100 A ziehen, ohne das die Spannung zusammen klappt – also wird es schon passen. Trotzdem werde ich die Sache mal im Auge behalten und die Akkus regelmäßig prüfen.

Man sieht: Ich könnte jeden Beitrag mit ähnlich belanglosen Dingen füllen, welche niemanden interessieren. Um ehrlich zu sein schreibe und filme ich nur darüber, weil ich mittlerweile kaum noch etwas anderes mache. Man geht immer zu den selben Orten, geht Einkaufen, mal mit dem Bus in die Stadt und hält das Boot in einem Zustand mit dem man jederzeit los segeln könnte … Und ich muß zugeben: Ich will mittlerweile einfach nur noch weg hier. Ich will das Boot auf Kurs nach Nord bringen, Richtung Heimat. Sind die Antillen zu Ende, wäre das die Passage über den Nordatlantik. Mittlerweile ist mir auch egal, ob ich das Einhand machen muß, oder nicht. Ich beobachte das Wetter Richtung Bermuda und den Azoren mittlerweile sehr genau und wenn es auf den Mai zugeht und sich ein passendes Wetterfenster öffnet, dann geht es los.

Wohl noch etwas straffer Wind 😉 (Ich gehe mittlerweile nur noch nach den Böen)

Das ist eine gute Überleitung zu einem Thema, was mich ständig beschäftigt, mich ständig verfolgt, mich ständig nervt, sich ständig ändert und was eine Planung sehr schwer macht. Es ist fast so, als würde man jeden Morgen eine Münze werfen und je nachdem, ob Kopf oder Zahl fällt versuchen die nächsten Wochen zu planen.

Damit ist klar, worum es geht: Die Covid Regularien der einzelnen Staaten.

Mir kommt es langsam so vor, als würden sich die Health-Departments (Gesundheitsabteilungen) und Regierungen der Inseln jeden Morgen treffen und ein paar Würfel rollen lassen. Einer zeigt welche Inseln „hoch“, „mittel“ und „niedrig“ Risiko sind, der andere zeigt die Tage der nötigen Quarantäne und der letzte zeigt den Obolus an, der entrichtet werden muß.

Ein gutes Beispiel ist St. Maarten. An dem Tag, an dem ich das Video aufgenommen habe, war eine Reise dahin völlig sinnlos und teuer. Genau so schnell geht es natürlich auch anders herum.

Aber mal als Zusammenfassung, wie es beim Schreiben des Beitrags, am 10.02.2021, aussieht:

  • Grenada: PCR Test nicht älter als 72h, 7 Tage Quarantäne
  • St. Vincent and the Grenadines: PCR Test nicht älter als 72h, 5 Tage vorab anmelden, Quarantäne abhängig woher man kommt, hohe Kosten (Mooring, Agent, etc)
  • St. Lucia: PCR Test nicht älter als 7 Tage, keinen Quarantäne innerhalb der „Bubble“ (?) – sonst 14 Tage
  • Martinique: geschlossen, außer EU Yachten
  • Dominica: PCR Test nicht älter als 5 Tage, 5 Tage Quarantäne, wenn man von Niedrig-, Mittel- oder Hochriskogebiet kommt. Sonst wird fallweise entschieden (was bleibt denn da noch übrig?), Agent nötig, Corona-Guide nötig
  • Guadeloupe: siehe Martinique
  • Antigua und Barbuda: Kommt man aus „CARICOM travel bubble“, dann keine Quarantäne, sonst 14 Tage, PCR Test nicht älter als 5..7 Tage (?)
  • Saint Maarten: kein Test nötig und keine Quarantäne, wenn man von low risk (z.B. Grenada) kommt.
  • Sint Martin: Siehe Martinique
  • St. Barts: Siehe Martinique
  • British Virgin Islands: geschlossen – hohe Strafen!
  • amerikanische Gewässer (allgmein): z.T. keinen Kaskoschutz und keine Gültigkeit meiner Krankenvericherung

Das soll nur einen groben Überblick geben – es ändert sich wirklich ständig. Zum Beispiel war St. Maarten nicht anlaufbar, als ich das Video gemacht habe. Einen Tag später könne ich dort auf einmal hinsegeln und bräuchte weder einen PCR mitbringen, noch Quarantäne machen.

Zitat:

In brief all arrivals, whether by air or sea, will be required to arrive with a negative test result (plus a rapid test result shortly before departure if coming from a high risk area) and undertake 10 days quarantine.
In deutsch: In Kürze, egal ob man per See- oder Luftweg einreist, es muß ein negatives Testergebnis vorlegen und ein Schnelltest, welcher kurz vor der Abreise durchgeführt wurde. Zudem sind 10 Tage Quarantäne Pflicht.

Am nächsten Tag:
If vessel is arriving from a low-risk country (found here), no test is required.
In deutsch: Wenn man von einem Niedrig-Risikogebiet einreist, ist kein Test nötig.

Dazu kommt, daß man sich wirklich Gedanken machen muß, was man später machen möchte. Ich habe mich mit Seglern aus der EU unterhalten die nach Martinique wollen. Sie haben mir auch direkt gesagt, die Karibik endet dann auf einer franz. Insel. Tatsächlich ist es wirklich aufwändig und teuer von einem Hochrisikogebiet wieder in ein Niedrigrisikogebiet zu kommen. Als EU Bürger hat man dennoch einen Vorteil, denn eine Einreise in Martinique, Guadeloupe, St. Martin und ggf. St. Barts ist jederzeit möglich – egal ob die Insel geschlossen oder offen ist. Ich für meinen Teil befinde mich auf einer Insel, die von den meisten anderen als Niedrig-Risiko angesehen wird. Somit möchte ich versuchen so lange wie möglich in diesem Gebiet zu bleiben.

Ein Wort möchte ich noch zur „CARICOM bubble“ loswerden. Dieser Begriff kam Ende letzten Jahres auf, nachdem die erste Corona-Welle durch war. Da haben sich die Inseln des CARICOM-Verbundes an einen Tisch gesetzt und einheitliche Reglungen ausgehandelt. Der CARICOM-Verbund hat jedoch nichts mit Corona zu tun!

Dazu ein Link zu Wikipedia: CARICOM (Caribbean Community and Common Market)

Kurz erklärt ist der CARICOM-Verbund, oder besser gesagt, die Karibische Gemeinschaft, ein Wirtschaftsbündnis, ähnlich der ehemaligen Europäischen Gemeinschaft und hat nichts mit Corona-Regeln zu tun. Es gibt Mitglieder, Anwärter und Partner – ähnlich wie es bei der EG war, bzw. jetzt der EU ist. Nun denn: Die Staaten der KG konnten sich nicht mehr über eine einheitliche Reglung einigen und seit dem kocht jeder Staat wieder sein eigenes Süppchen. In den sozialen Medien wird jedoch immer noch davon geredet, daß die „CARICOM-bubble“ geplatzt sei, was schlichtweg falsch ist. CARICOM existiert nach wie vor und hatte nie etwas mit Corona-Regularien zu tun.

Auf dem Bild ist der Verbund zu sehen:

  • dunkelgrün: Vollmitglieder
  • hellgrün: Assoziierte Mitglieder
  • beige: Beobachtungsstatus

Das macht eine Planung nahezu unmöglich und das Video war am eigentlich schon am nächsten Tag nicht mehr aktuell, da Saint Maarten die Grenzen für Grenada geöffnet hat. Dies wäre ein Schlag von gut 370 Meilen direkt nach Norden:

Abgesehen von den Sehenswürdigkeiten und den Kosten wäre dann die große Frage wäre, ob es aus seglerischer Sicht Sinn macht zu den Bahamas zu fahren. Viele Segler, die aus den kleinen Antillen nach Norden starten, fahren erst mal oft hoch am Wind, um auf die Höhe von Bermuda zu kommen. Da wäre die Frage, ob man von den Bahamas einen besseren oder schlechteren Startpunkt hat. Das hängt vorrangig vom Bermudahoch ab:

Letztes Jahr war für die Karibik eine aktive Hurricansaison vorausgesagt. Das ist auch so gewesen, aber nicht in der Karibik. Der Grund dafür war, daß sich das Bermudahoch nicht sehr stark ausgebildet hat und die Tiefdruckzellen dadurch alle nach Norden abgelenkt wurden. Es gab sogar Hurricans, die sich in der Passatzone (Ostwind) gebildet haben und dann durch die Corioliskraft nach Norden gedrückt wurden. Normalerweise hält das Bermudahoch diese Zellen auf Kurs Karibik. Statt dessen sind die Zellen in Amerika, Mexico und auch (fast) Bermuda eingeschlagen und einige wurden sogar in der Westwindzone wieder Richtung Europa gelenkt.

Hier gibt es einen interessanten Artikel über die Hurricansaison: Link zu Wikipedia

Man sieht, daß nicht alle Tiefdruckzellen zu Hurricans wurden. Normalerweise ist das vorgehen wie folgt: Die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) stellt eine Störung in der Passatwindzone fest. Diese wird als „Kandidat“ beobachtet und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bewertet, mit der es zu einer Tiefdruckzelle wird. Mit dem Moment, wo ich das System stabilisiert (also eine Zelle geworden ist), bekommt es einen Namen. Das ist wichtig, da viele Boots-Versicherungen Sturmschäden begleichen, außer es handelt sich um einen „Named-Storm“. Ein heftiger Sqall wird also von der Versicherung getragen, aber wenn irgendwas kommt, was einen Namen hat, dann hat man Pech.

Jetzt kommt die Frage, die wahrscheinlich niemand beantworten kann: Wie wird sich das Bermudahoch 2021 ausbilden? Von den Bahamas wäre der Kurs um die 45°, von St. Maarten 0°. Das würde schon einen großen Unterschied machen… Wahrscheinlich werde ich einfach eine Münze werfen.

Die Leute, die nur das Video schauen werden das wohl nicht lesen, aber falls ich in St. Maarten ohne PCR Test aus Grenada und ohne Quarantäne einreisen kann, dann werde ich erst mal dorthin fahren. Die Option Bahamas war zu dem Zeitpunkt die einzig sinnvolle, die ich gesehen habe. Das soll nicht heißen, daß ich da trotzdem nicht gern hin segeln möchte. Ich habe mich in letzter Zeit oft mit Leuten unterhalten, die zu den Bahamas gesegelt sind. Die Meinung ist einstimmig: „Wenn Du da hin willst, dann bring einen PCR Test mit“ – auch wenn er älter als 5 Tage ist. Man solle sich unbedingt an das Gesundheitsprotokoll halten und die Anmeldung kann man auch nur abschließen, wenn man einen Test hochlädt. Um ehrlich zu sein, bin ich nicht gerade scharf darauf die 900 Meilen dahin zu fahren, um dann abgewiesen zu werden, weil man vielleicht ein Exempel statuieren möchte. Dazu kommt, daß man von da aus eigentlich nur nach Amerika segeln könnte. Dort ist jedoch meine Kranken- und zum Teil auch Bootsversicherung nicht gültig.

Eigentlich könnte ich schon lange auf dem Wege sein – Hauptsache nach Norden. Warum bin ich noch auf Grenada? Ganz einfach: Ich warte immer noch auf ein Paket aus Deutschland. Aufgegeben am 21.01., am 23.01. im IPZ Frankfurt angekommen und am 04.02. hat es Deutschland verlassen. Jetzt ist schon der 10.02. Das sind nun schon 3 Wochen und lt. Tracking und es ist schon 6 Tage im Flieger unterwegs. Da stellt sich mir die Frage, mit welchem Flugzeug DHL die Pakete transportiert. Luftlinie sind es etwa 4200 Meilen.

[Sarkasmus] Würde es heute ankommen, müsste das Flugzeug mit 30 Knoten geflogen sein. Hmm … gibt es einen Flieger, der so langsam fliegen kann? Vielleicht sowas:

Stück fliegen, Thermik suchen, Stück fliegen .. OK das laß ich durchgehen 🙂 [/Sarkasmus]

Wie im Video erwähnt, plane ich immer noch das Boot in die Port Louis Marina zu verholen. Ich möchte das aber erst tun, wenn das Paket da ist. Sonst könnte es passieren, daß ich Tag um Tag den Liegeplatz zahlen muß, bis das Paket da ist. Leider ist ein Ankern in der vorgelagerten Bucht mittlerweile nicht mehr möglich, da dieser Bereich zur Quarantänezone deklariert wurde und die Coast-Guard jeden anderen Ankerlieger wegschickt. Zudem haben wir seit Wochen Schwell aus Nord. Mit dem Ostwind lässt das die Boote wunderbar rollen …

Ich hoffe das dies mein letzter Beitrag aus Grenada sein wird. Im nächsten wird es wahrscheinlich um die Vorbeitungen gehen Selene nach Norden zu schicken, sowie hoffentlich endlich mal wieder einen Törnbericht. Wohin wird es gehen? Ich habe keine Ahnung …

So long,
Martin

19 Antworten auf „Grenada … Bordalltag und Covid in der Karibik“

  1. Bahamas!
    Ich drücke die Daumen und: Tolles Video, finde Bordalltag und Deine Koch-Ausbildung hochinteressant!
    Grüße aus Rostock,
    Martin

  2. Moin Kutt,
    ich finde es super spannend deine Berichte zu lesen. Arni und ich gucken gerne stundenlang in die Nacht hinein deine Videos. Es ist ein bisschen Abenteuerfeeling für Zuhause. Danke dafür!
    Oft habe ich gedacht „ach Kutt hat es bestimmt gut. Sonne und Meer, da stört auch Corona nicht“. Umso erschrockener war ich als ich von der Wahrheit erfahren habe. Danke für die ehrlichen Einblicke. Wir denken oft an dich und fühlen mit. Bis bald bei einem kühlen Bierchen eines MZ-Treffens. Liebste Grüße, Gina (von deinem Bruder Arni)

  3. Hallo Martin, wie auch die früheren Blogbeiträge und Videos haben diese stets Vorrang vor dem Fernsehprogramm und meine Gedanken werden wieder in die Karibik gebeamt. Vor genau einem Jahr war ich mit Euch auf der Selene unterwegs. ich zehre heute noch von den Erlebnissen und kann mir vieles von dem, über das Du berichtest, lebhaft vorstellen. In meinem inzwischen ganz schön langen Leben habe ich jedoch noch nie selbst Brötchen gebacken. Man kann noch lernen! Aber ich verstehe auch, dass Du jetzt weiter willst. Auch Karibik kann irgendwann langweilig werden, wenn man woanders seine Wurzeln hat.
    Setze die Segel für einen neuen Abschnitt. Du wirst die richtige Entscheidung treffen.
    ich verfolge weiter mit Interesse Deine Reise und wünsche Dir alles Gute für den nächsten Schlag.
    Uta

  4. Hey Martin,

    danke für Deinen tollen Bericht, Dein Paket wird hoffentlich nicht in dem DHL Flieger gewesen sein, der wegen einer offenen Tür umkehren musste :/ Der Plan mit St. Maarten klingt durchdacht und nachvollziehbar. Und die Idee mit der Yogamatte ist einfach toll – mich würde im nächsten Video interessieren, wie sich das bewährt hat. Wünsche Dir immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und dass Deine Wünsche und Ziele in Erfüllung gehen.

    Viel Glück, Steffen

  5. Moin Martin.

    Tolles Video, wieder mal. Danke für diesen wunderbaren Einblick in deinen Alltag.
    Und Bahamas: Klingt nach nem Plan!

    Viele Grüße und bleib gesund.
    Christian

  6. Hallo Martin, Rosi und ich haben heute wieder deinen letzten Reisebericht verfolgt, nachdem uns Nancy darauf aufmerksam gemacht hat. Wir sind wieder wie bei allen Berichten total begeistert und ich kann dir versichern, daß wir auch noch keinen Bericht ausgelassen haben. Es ist einfach spannend und hoch interessant. Zu deinen Plänen kann ich mich nicht äußern, da wir davon keine Ahnung haben. Ich denke, du machst das schon alles richtig, was du auch bis jetzt bewiesen hast.
    Wir wünschen dir für dein weiteres Vorhaben recht viel Glück und alles Gute sowie viel Gesundheit.
    Nochmals viele Grüße von Rosi und Hannes !

  7. Moin Martin,

    immer wieder schön, etwas von Dir zu hören.
    Langweilig? Nein, auf keinen Fall, ich möchte deine Videos als spannend bezeichnen.
    Bahamas? Klingt für mich spannend. Lustig finde ich, dass Du über 900sm „Ausflüge“ mit der gleichen Intensität nachdenkst wie die geneigten Leser über eine Moppedtour ins Mittelgebirge. 😉
    Egal was Du tust, pass auf Dich auf und komm gesund zurück über den großen Teich.

    Uwe Kopka

    1. Hey Uwe,
      ja so relativiert sich das. Aber die Schläge werden eh mit Macht länger. 900 Meilen Bahamas, 800 Meilen Bermuda, gut 1500 Meilen Azoren und dann noch mal gut 1000 Meilen nach Europa.

      Da wäre der Schlag zu den Bahamas eine gute Übung 😉

      1. 900 Meilen zum üben 🙂 klasse.
        Etwas vereinfacht ausgedrückt, noch vier mal segeln dann bist Du zu Hause…
        Diese entspannte Gelassenheit, ich glaube, dass ist eines der unbezahlbaren Dinge welche Du von deiner Reise mitbringst.

  8. Hallo Martin,
    ich habe überlegt, warum mir Deine Berichte so gut gefallen. Ich hatte früher schon davon gehört, dass es möglich ist , über den Atlantik in die Karibik zu segeln. Für mich so fern, als würdest Du auf den Mond oder zum Südpol segeln. 🙂 Für mich ist Karibik Sonne, Strand und kühle Drinks, eben traumhaftes Urlaubsland. Mit Deinen Berichten schaffst Du es, diese Reise und was alles zu bedenken ist, so zu erzählen, dass man das Gefühl kriegt, man ist dabei. Wie sieht ein Bordalltag wirklich aus. Und ich amüsiere mich, wie Du Dich ins Backen und Kochen hineinfindest. Alle Achtung. Ich hatte mir über diese Details nie Gedanken gemacht.
    Wann denkst Du, könntest Du die Rückfahrt wagen? Ist doch ein guter Plan , als nächstes in der Bahama Region zu kreuzen, dann nach Bermuda. Sind da typischerweise mehr Stürme zu erwarten? Wie war den der ursprüngliche Plan für die Rückreise.
    Schade, dass das nicht mit Mitseglern klappt. Vielleicht doch der Segelrentner?? Kann man den in der Karibik ausrufen lassen im Radio?
    Liebe Grüße
    Katrin

    1. Hallo Kartrin,
      Die Abfahrt aus der Karibik steht Ende Aprik / Anfang Mai an, sobald die nordatlantischen Tiefdruckzellen weit genug nach Norden gedrückt werden.

      Die Bahamas liegen an der Kante der Westwindzone (in der Seefahrt sagt man immer so der Wind herkpommt. Westwind ist also ein Win der aus Westen kommt). Ich hatte ja mal gesagt, daß die Karibik seglerisch langweilig ist, weil man immer Ostwind hat. In den Bahamas müsste man das Wetter schon mehr im Auge behalten. Die haben meist Wind aus Ost, aber hin und wieder auch mal aus Nord oder West. So muß man das Boot je nach Wetterlage hin und wieder mal umparken.

  9. Lieber Martin,
    danke für deinen Bericht. Ich freue mich immer, etwas Neues von dir zu hören.
    Ich wünsche dir, dass du die richtigen Entscheidungen triffst und so bald als möglich wieder gesund in der Heimat ankommst.
    Bleib behütet und gegrüßt
    Evi

  10. Hallo Martin,
    schön wieder etwas von Dir zu lesen !
    Auch hier, 15km von Deinem Heimatort in Sachsen, geht es uns gehörig auf den Zeiger mit den ganzen Beschränkungen… noch dazu hatten wir die letzten 2 Nächte -20 Grad Celsius und auch etwas Schnee zu schippen.
    Das kennst Du ja alles nicht mehr 😉
    Alles gute auf Deiner weiteren Reise, ich werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen, wie schon von allem Anfang an.
    Das Video schaue ich dann in Großformat am TV Gerät am Wochenende…
    Viel Spass noch mit den besten Grüßen aus Grünhainichen!

  11. Die automatische Benachrichtigung über neue Einträge funktioniert einwandfrei! Top 🙂

    Und nun… wird das Video geschaut… Zum einschlafen zZzz ^^

    Lg

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